Mühsam kämpft sich der schottische Arzt und Missionar David Livingstone durch das Dickicht am Ufer des Sambesi. Träge gleitet der Fluss neben ihm dahin. In der Ferne ragt über den Baumwipfeln eine mehrere hundert Meter hohe, vermeintliche Rauchwolke empor. Das Grollen im Hintergrund wird immer lauter. Nach gut zwei Stunden erreicht der Forscher eine kleine Insel im Fluss. Hier wird ihm klar: Er steht an einem gigantischen Wasserfall. Direkt vor ihm stürzt der Sambesi auf einer Breite von 1,7 Kilometern 110 Meter in die Tiefe. Mosi-oa-Tunya nennen die Einheimischen das Spektakel. „Der Rauch, der donnert.“ So entdeckt Livingstone 1855 die Fälle für Europa und benennt sie zu Ehren seiner Königin Victoria-Fälle.

Heute sind die Victoria-Fälle eine beliebte Sehenswürdigkeit im Südlichen Afrika. Und das vollkommen zurecht. Dieses fantastische Naturschauspiel stellt das Ende unserer wunderbaren Afrikareise dar. Die Fälle liegen zum Teil in Simbabwe und zum Teil in Sambia. Beide Seiten haben wir uns genauer angesehen.

Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg von Botswana nach Simbabwe. Die erste Herausforderung erwartet uns an der Grenze: Ohne Geduld geht hier gar nichts. Die Visa werden noch von Hand ausgefüllt und in den Pass geklebt. Entsprechend lange dauert die Prozedur. Nach eineinhalb Stunden haben wir es dann geschafft und dürfen einreisen. Wichtig: Wenn ihr vorhabt, auch einen Ausflug auf die sambische Seite der Fälle zu machen, braucht ihr ein Visum für zweifache Einreise. Dieses kostet 45 statt 30 US-Dollar pro Person und spart euch später Scherereien bei der Wiedereinreise.

Warteschlange Simbabwe
Für die Einreise nach Simbabwe braucht ihr 45 US-Dollar und etwas Geduld.

Ein Spaziergang nach Sambia

Am Mittag erreichen wir das kleine Örtchen Victoria Falls. Dort laden wir kurz unser Gepäck in der Lodge ab und trennen uns dann von unserer Reisegruppe. Diese möchte mit dem Helikopter über die Fälle fliegen (das ist uns zu teuer) und danach Elefantenreiten (das kommt für uns aus Tierschutzgründen nicht in Frage). Wir machen uns stattdessen lieber auf den Weg nach Sambia.

Nach knapp zwanzig Minuten kommen wir zum ersten Grenzposten. Die Ausreise geht schnell und wir begeben uns ins Niemandsland. Dann erreichen wir die Victoria Falls Bridge. Seit über 110 Jahren überspannt die Stahlbrücke den Sambesi und erlaubt uns einen ersten Blick auf die Victoria-Fälle.

Blich auf die Victoria-Fälle
Von der Victoria Falls Bridge können wir eine erste Vorschau auf die Victoria-Fälle erhaschen.

Ziemlich genau in der Mitte der Brücke weist uns ein Schild darauf hin, dass wir Simbabwe nun endgültig verlassen. Auf der gegenüberliegenden Brückenseite steht ein kleines Häuschen. Wagemutige können sich von hier 111 Meter in die Tiefe stürzen, nur gehalten von einem Bungee-Seil.

Grenze Sambia-Simbabwe
Die offizielle Grenze zwischen Sambia und Simbabwe ist genau in der Mitte der Brücke.

Weitere zehn Minuten später erreichen wir den nächsten Grenzposten. Auch die Einreise nach Sambia verläuft absolut unkompliziert. Für 20 US-Dollar pro Person bekommen wir ein sogenanntes „Day Tripper“-Visum, das nur 24 Stunden gilt.

Direkt hinter der Grenze kommt das Kassenhäuschen für den sambischen Victoria-Falls-Nationalpark. Mit weiteren 20 US-Dollar pro Person sind wir dabei. Zunächst gilt es, sich durch eine Horde von Souvenir- und Regencapeverkäufern zu schlängeln. Dann geht es richtig los.

Die sambischen Victoria-Fälle: Berauschend schön

Auch uns ergeht es wie Livingstone. Wir hören schon das dumpfe Grollen des Wassers, sehen es aber noch nicht. Dann biegen wir um eine Kurve, die Bäume lichten sich und geben einen ersten atemberaubenden Blick auf das östliche Ende der Fälle frei.

Erster Blick auf die Victoria-Fälle
Der erste Blick auf die Victoria-Fälle

Erst nach und nach werden uns auf unserem Weg entlang der Abbruchkante die tatsächlichen Ausmaße der Victoria-Fälle klar. In der Regenzeit stürzen hier bis zu 10 Millionen Liter Wasser pro Sekunde in die Tiefe (das entspricht 45.000 Badewannen — pro Sekunde!). Entsprechend feucht geht es hier zu. Die Gischt legt sich als feiner Sprühnebel über die gesamte Szenerie. Schnell wird uns klar, dass die vielen Regencapeverkäufer am Eingang durchaus ihre Berechtigung haben.

Knife Edge Bridge Victoria-Fälle
Die Knife Edge Bridge ermöglicht spektakuläre Blicke auf die Victoria-Fälle

Vor uns liegt die Knife Edge Bridge. Von der kleinen Holzbrücke haben wir einen ungetrübten Blick auf die Fälle. Besser noch: Durch den Stand der Sonne merken wir schnell, warum dieser Teil der Fälle auch Rainbow Falls (Regenbogenfälle) heißt.

Regenbogen an den Victoria-Fällen
Wenn die Sonne richtig steht, sind manchmal sogar zwei Regenbogen zu sehen.

Ein nahezu komplett kreisförmiger Regenbogen legt sich einmal um die Brücke und unten in die Gischt während neben uns das Wasser in die Tiefe donnert — es ist kaum möglich, diese Schönheit mit Worten zu beschreiben.

Regenbogen Victoria-Fälle
Einen Goldtopf haben wir nicht gefunden. Wunderschön ist der Regenbogen trotzdem.

Schließlich erreichen wir den westlichsten Punkt der sambischen Seite. Gerade einmal 50 Meter ist die Öffnung breit, durch die der Sambesi in seinen weiteren Lauf abfließt. Ehrfürchtig sehen wir der Naturgewalt noch eine Weile zu.

Abfluss der Victoria-Fälle
Die kleine Schlucht links ist der einzige Abfluss der Victoria-Fälle.

Von der anderen Seite des Aussichtspunktes haben wir einen schönen Blick auf die Victoria Falls Bridge. Wirklich ein Meisterwerk der britischen Ingenieurskunst. Allerdings ist sie mittlerweile etwas altersschwach, Züge und schwere Lastwagen dürfen sie heute nicht mehr befahren. Dann ist es auch schon an der Zeit, den Rückweg nach Simbabwe anzutreten.

Blick auf die Victoria Falls Bridge von den Victoria-Fällen
Die Victoria Falls Bridge wurde 1905 in Betrieb genommen.

Zwischenlager Niemandsland

Wir nehmen denselben Weg zurück, den wir gekommen sind. Von der Victoria Falls Bridge blicken wir noch einmal auf die fantastischen Fälle zurück. Auf der anderen Seite sehen wir noch einmal das vergleichsweise schmächtige Rinnsal des Sambesi auf seinem weiteren Weg nach Osten.

Dann tauchen wir wieder ins Niemandsland ein. Unzählige alte Autos und Laster stehen hier herum. Ihnen fehlten notwendige Papiere zur Einreise und so wurden sie hier im Lauf der Zeit einfach vergessen. Nun sind sie Spielwiese für Paviane und Warzenschweine und rosten vor sich hin.

Am frühen Abend erreichen wir unsere Lodge und sind schon sehr gespannt, was die simbabwische Seite der Fälle uns morgen zu bieten hat.

Simbabwes Victoria-Fälle: Regenwald und Danger Point

Der nächste Vormittag gehört also den simbabwischen Fällen. Auch hier tummeln sich am Eingang zum Nationalpark zahlreiche Straßenverkäufer. Neben Regencapes sind alte simbabwische Banknoten der Verkaufsschlager. Bevor er 2015 kurzerhand durch den US-Dollar ersetzt wurde, erlitt der Simbabwe-Dollar eine extreme Hyperinflation. Zum Stichtag erhielten die Simbabwer für 175 Billiarden Simbabwe-Dollar 5 US-Dollar. Die alten 50-Billionen-Dollar-Scheine werden seitdem für 2-3 US-Dollar an Touristen verkauft.

Eingang zum Victoria-Falls-Nationalpark in Simbabwe
Der Eingang zum Victoria-Falls-Nationalpark in Simbabwe

Auf dem Weg zu den Fällen steht, wie schon auf der sambischen Seite, ein Denkmal für den europäischen Entdecker Livingstone. Wie so oft auf diesem Kontinent war er zwar nicht der erste, der die Victoria-Fälle entdeckte. Er war allerdings der erste Europäer, was die Kolonialmächte natürlich als wichtiger ansahen.

David Livingstone, Entdecker der Victoria-Fälle
David Livingstone, „Entdecker“ der Victoria-Fälle

Dann stehen wir wieder bei den Wassermassen, diesmal jedoch zuerst beim Zufluss. Spiegelglatt und ganz gemächlich treibt der Sambesi von oben auf die Fälle zu.

Zustrom der Victoria-Fälle
Bevor der Sambesi die Victoria-Fälle erreicht, ist noch alles friedlich

Erst kurz vor der Abbruchkante nimmt das Wasser Fahrt auf und stürzt vor uns den Devil’s Cataract hinunter. Der Teufelswasserfall ist etwas niedriger und durch eine Insel von den Hauptfällen getrennt. Er markiert den westlichsten Punkt der Victoria-Fälle.

Wieder gehen wir an der Abbruchkante entlang und sind erneut beeindruckt, wie viel Wasser die Fälle mit sich führen. Kaum zu glauben, dass wir gestern fast zwei Kilometer weiter östlich standen und auf dem Weg dorthin nahezu durchgehend Wasser fällt.

Höllenlärm im Regenwald

Auf der simbabwischen Seite führen die Fälle mehr Wasser. Entsprechend höher ist der Geräuschpegel. Einen Eindruck davon bekommt ihr in folgender kurzer Szene:

Mehr Wasser bedeutet mehr Gischt und so nieselt es hier ständig. Ideale Voraussetzungen für einen Regenwald also, der entlang der Victoria-Fälle prächtig gedeiht.

Plötzlich enden die Bäume und wir treten auf eine Wiese. Wir haben den östlichsten Punkt der simbabwischen Seite erreicht und stehen nun am Danger Point. Der Name ist nicht unpassend gewählt. Auf zwei Seiten geht es senkrecht nach unten, die nassen Steine sind ziemlich rutschig und Absperrungen oder Zäune sind nicht vorhanden. Gegenüber sehen wir Sambia und unseren Aussichtspunkt von gestern.

Danger Point Victoria-Fälle
Der Danger Point. Auf dem Felsen gegenüber standen wir gestern.

Wir nehmen uns wieder etwas Zeit, um die beeindruckenden Naturgewalten zu beobachten, auch wenn uns die samibsche Seite gestern noch etwas mehr beeindruckt hat.

Und dann ist es tatsächlich soweit. Unsere Reise geht zu Ende. Die Victoria-Fälle markieren den fulminanten Abschluss der Tour. Wir kehren zurück zum Parkplatz und unser Guide Butz fährt uns das letzte Stück zum Flughafen.

Nun heißt es Abschied nehmen. Drei beeindruckende Wochen, fünf Länder und fast 4.500 Kilometer quer durchs Südliche Afrika liegen hinter uns. Südafrika, Namibia, Botswana, Sambia und Simbabwe – jedes Land hat uns auf seine Weise fasziniert und ist eine Reise auf jeden Fall uneingeschränkt wert! Unsere komplette Reiseroute nachfolgend noch einmal in der Übersicht:

 

Falls du den Artikel liest, Butz: Vielen lieben Dank an dich und an Chamäleon Reisen für die unvergessliche Zeit und die tolle Organisation!

Zum Abschluss noch einmal ein paar bewegte Bilder vom Okavango, dem Bwabwata-Nationalpark und den Victoria-Fällen:

  • Strecke Kasane (Botswana) - Victoria Falls: ca. 85 km
  • Fahrzeit: ca. 1,5 Stunden (plus Wartezeit an der Grenze)
  • Ausflug nach Sambia: ca. 4 km
  • Gesamtzeit: ca. 1/2 Tag
  • Gehzeit: ca. 35 Minuten pro Richtung
Um von Botswana nach Simbabwe zu kommen, braucht ihr auf jeden Fall einen fahrbaren Untersatz.

Von Victoria Falls aus selbst sind die Fälle gut fußläufig zu erreichen. Auch einen Ausflug nach Sambia könnt ihr ohne Weiteres zu Fuß machen. Stellt jedoch sicher, dass ihr vor Einbruch der Dunkelheit zurück seid.
Ilala Lodge Hotel
A8
Victoria Falls
Simbabwe
www.ilalalodge.com

In unserer Lodge gibt es wieder sehr gutes, außergewöhnliches Abendessen. Krokodilfrikadellen, Straußensteak oder Warzenschwein sind nur eine kleine Auswahl.
Ilala Lodge Hotel
A8
Victoria Falls
Simbabwe
www.ilalalodge.com

Schönes Hotel im Kolonialstil. Etwa 10 Fußminuten vom Stadtzentrum und den Victoria-Fällen gelegen. Parkplätze direkt vorm Haus, gutes Frühstück, gratis WLAN.
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2 Kommentare

  1. Die Victoria Fälle stehen auch ganz oben auf meiner Reise-Wunschliste. Die Bilder sprechen auch absolut für sich!! Klingt nach einer super spannenden Reise, die ihr da unternommen habt 🙂 Nur die Visa-Gebühren sind ja wirklich etwas irrsinnig, aber die müssen vermutlich auch sehen, wie sie Geld in ihre Kassen spülen 😉
    Liebe Grüße,
    Sophia
    http://miss-phiaselle.com/

    • Hallo Sophia,

      tatsächlich fand ich die Visagebühren gar nicht so dramatisch. Bei der Arbeitsgeschwindigkeit bleibt ohnehin kein besonders hoher Stundensatz übrig 😉

      Und wie du schon sagst, der Tourismus ist dort eine der Haupteinnahmequellen. Insofern sei es ihnen gegönnt. 🙂

      Liebe Grüße
      Wolfgang

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