Montreal ist Kanadas zweitgrößte Stadt. Fast vier Millionen Menschen leben in der Metropolregion. Zugleich ist sie auf unserer Reise die erste französischsprachige Bastion. Etwa 60 Kilometer vor der Stadt haben wir Ontario verlassen und die Grenze zur Provinz Québec passiert. Ab sofort ist die einzige offizielle Amtssprache also Französisch. Montreal liegt allerdings noch relativ nahe an den englischsprachigen Provinzen. Daher wird hier zwar auch viel Englisch gesprochen, Straßennamen und Ausschilderungen sind jedoch komplett auf Französisch.

Bereits gestern konnten wir uns nach unserer Ankunft von den Thousand Islands einen ersten Überblick über Montreal verschaffen. Diesen wollen wir nun vertiefen und die Stadt genauer erkunden.

Tag 5: Montreal

Nach einem Frühstück bei Tim Hortons (dem kanadischen Starbucks, geht immer) starten wir unseren Stadtrundgang. Unser erstes Ziel ist das Plateau Mont-Royal. In diesem Szeneviertel sind in kleinen, eher älteren Gebäuden zahlreiche kleine Läden, Lokale und Ausgehmöglichkeiten zu finden. Außerdem ist das Viertel bekannt für seine tolle Street Art.

Wir schlendern entlang des Boulevards St.-Laurent, über die Avenue Duluth und wieder zurück über die Rue St.-Denis. So erhalten wir einen guten Eindruck von diesem sehr netten Viertel.

Plateau Mont-Royal, Montreal
Viele kleine Häuser prägen das Plateau Mont-Royal

Die Rue St.-Denis führt uns im Süden direkt weiter nach Vieux-Montreal, dem ältesten Teil der Stadt. Die Gebäude hier stammen zum Teil noch aus der Zeit der Stadtgründung im 17. Jahrhundert. Bevor wir dieses Viertel näher erkunden, gehen wir erst noch weiter zum St.-Lorenz-Strom. Ganz Montreal (ohne Metropolregion) liegt auf einer Insel. Entlang des Ufers gibt es daher mehrere Anlegestellen für Boote und Schiffe aller Art. Ein schöner Uferpark mit toller Sicht auf die Altstadt vor der neuen Stadt lädt zum Schlendern ein.

Uferpromenade Montreal
Die schöne Uferpromenade von Montreal

Eigentlich wollen wir von hier mit einer Fähre auf die Île Sainte-Hélène übersetzen. Auf dieser kleinen vorgelagerten Insel fand 1967 die Weltausstellung statt. Davon ist insbesondere noch die architektonisch interessante Biosphère erhalten. Der kugelrunde Kuppelbau enthält heute ein Umweltmuseum. Leider befinden sich die Fähren wider Erwarten bereits in der Winterpause. Deshalb entfällt dieser Teil des Plans und es bleibt bei der Aussicht auf die Insel.

Biosphère, Montreal
Blick auf die Île Sainte-Hélène mit der Biosphère

Vieux-Montreal: Das alte Herz der Stadt

Von der Uferpromenade ist es nur ein kurzer Weg zurück nach Vieux-Montreal, das wir uns nun näher anschauen. Das markanteste Gebäude ist sicherlich der Marché Bonsecours. Die alte Markthalle erinnert uns an das US-Kapitol in Washington. So hübsch sie von außen ist, so unspannend ist sie allerdings von innen.

Marché Bonsecours, Montreal
Die Markthalle Marché Bonsecours sticht deutlich hervor.

Ein Stück weiter durch die alten Gässchen folgt der Place Jacques-Cartier. Er ist dem gleichnamigen französischen Seefahrer und Entdecker gewidmet. Der Platz ist abfallend aufgebaut, am oberen Ende befindet sich das sehr schöne Rathaus, auf dem Weg nach unten gibt es viele kleine Restaurants.

Ein paar Querstraßen weiter kommen wir schließlich zum Place d’Armes, wo die Kathedrale Marie-Reine-du-monde steht. Gegen Mittag endet hier unser Rundgang. Durch ein paar weitere schöne Gassen und das unterirdische Passagensystem Ville Souterraine kehren wir für eine kurze Mittagspause zurück in unser Hotel.

Ein Wiedersehen nach langer Zeit

Am Nachmittag gibt es ein Wiedersehen mit einer alten Bekannten. Geneviève und ihr Freund (inzwischen Mann) Daniel holen uns vom Hotel ab. Geny war 2008 als Couchsurferin zu Gast in meiner früheren WG in Wien. Ich hatte ihr geschrieben, dass wir nach Montreal kommen und sie hatte sofort angeboten, sich Zeit für uns zu nehmen. Die zwei wollen uns ihre Lieblingsplätze in der Stadt zeigen und wir fahren gleich los.

Wir starten die Tour mit einem sehr guten veganen Smoothie in einer Saftbar im Plateau Mont-Royal. Danach bringen uns die beiden zu einem weiteren Aussichtspunkt auf dem Mont Royal, von dem aus wir das architektonisch ungewöhnliche Olympiastadion sehen können. Leider fängt es just in diesem Moment ziemlich an zu regnen, weshalb die Sicht sehr eingeschränkt ist.

Verregnetes Olympiastadion, Montreal
„Aussicht“ aufs Olympiastadion

Also fahren wir stattdessen ein bisschen durch Montreals Villenviertel und sehen die Residenzen der Reichen und Schönen. Schließlich erreichen wir unser nächstes Ziel, das Oratoire St.-Joseph. Hier waren Geny und Daniel selbst lange nicht. Wie so oft ist Besuch ein guter Anlass, die eigene Stadt zu erkunden.

Oratoire St. Joseph, Montreal
Die riesige Kuppel des Oratoire St. Joseph ist schon von weitem sichtbar.

Der Bau des Oratoriums wurde in den 1930er-Jahren begonnen und erst 1967 beendet. Es ist die größte Kirche Kanadas und zugleich der höchste Punkt Montreals. Wirkt der Bau von außen noch recht imposant, so kann der Innenraum nur noch mit dem Charme der 60er-Jahre aufwarten. Eine aufwändige Innenausstattung suchen wir vergebens. Dafür gibt es im angeschlossenen Museum unter anderem das einbalsamierte Herz von Bruder André, dem Initiator dieses Bauwerks, zu bestaunen. Warum auch nicht? Deutlich interessanter ist der Kirchenvorplatz mit seiner schönen Sicht auf Montreal.

Oratoire St. Joseph, Montreal
Das imposante Oratorium thront über Montreal

Nach dem Besuch des Oratoires kehren wir zurück ins Stadtzentrum für einen abendlichen Spaziergang durch den Parc La Fontaine. Dann wollen uns die beiden eine Spezialität Montreals in einem ihrer absoluten Lieblingsrestaurants näherbringen: Die Poutine.

Parc La Fontaine, Montreal
Nächtliche Herbstfarben im Parc La Fontaine

Poutine: Eigenwillig, aber gut!

Um die Entstehung dieses Gerichts ranken sich viele Geschichten und mehrere Städte im Umkreis beanspruchen die Erfindung für sich. Ungeachtet der tatsächlichen Herkunft zählt die Poutine heute zu den beliebtesten Fast-Food-Gerichten Kanadas. Sie besteht aus drei Hauptzutaten: Pommes und Cheddarkäse in groben Stücken, übergossen mit Bratensauce.

Unser Restaurant für heute Abend, La Banquise, hat daraus einen regelrechten Kult entwickelt. Ergänzt um die verschiedensten Zutaten gibt es das Gericht hier in knapp 30 Variationen. Wir entscheiden uns, einmal die klassische Variante zu nehmen und einmal „La Rachel“. Letztere ist zusätzlich mit grüner Paprika, Zwiebeln und Champignons garniert. Entgegen aller Befürchtungen ob dieser interessanten Kombination schmeckt es uns ganz ausgezeichnet. Wir sind sehr begeistert von dieser Spezialität, die ihr in Montreal unbedingt probieren müsst!

Poutine im Restaurant La Banquise, Montreal
Poutine: Ein wirklich seltsames und dennoch gutes Gericht.

Frisch gestärkt machen wir uns auf ins Vices & Versa. Über 30 Biersorten von lokalen Brauereien hat die Bar im Angebot. Ich probiere ein Bier namens „Kellerbier“, das seinem deutschen Namen allerdings keine Ehre macht. Währenddessen erfahren wir von den beiden viele interessante Dinge über Kanada. Zum Beispiel, dass die Kinder in der Provinz Québec frühestens ab der fünften Klasse Englisch lernen. Sie sind also im Grunde genau so wenig oder viel Muttersprachler wie wir.

Ein gemütlicher Ausklang

Wir lernen außerdem, dass in Montreal bessere Bagel als in New York erzeugt werden sollen. Natürlich lassen es sich die beiden nicht nehmen, uns gleich davon zu überzeugen. Wir fahren zu Fairmount Bagel, einem der beliebtesten Bagelläden der Stadt. Mit einigen frischen Sesambagels und dem obligatorischen Cream Cheese im Gepäck machen wir uns auf den Weg zum letzten Stopp des heutigen Tages. Geny und Daniel wollen uns noch ihr Haus zeigen, das sie kürzlich gekauft und fast fertig renoviert haben.

Nach einer kurzen Führung durch das hübsche Häuschen genießen wir gemeinsam die Bagels und plaudern über Gott und die Welt. Kurz nach Mitternacht setzen uns die zwei wieder am Hotel ab und ein schöner Tag in einer interessanten Stadt geht zu Ende. Schon morgen setzen wir unsere Reise fort und tauchen noch tiefer in die frankophone Provinz ein. Nächster Halt: Québec.

Unsere komplette Route in der Übersicht:

Klicke auf den unteren Button, um den Inhalt von www.tripline.net nachzuladen. Hierbei können Daten von dir an www.tripline.net übermittelt werden.
Inhalt laden

PGlmcmFtZSBzcmM9Imh0dHBzOi8vd3d3LnRyaXBsaW5lLm5ldC9tYXA/dHJpcElkPTE0NzIzMjMxNzEzMjEwMDdBRkNEQzM1NUUyRTgwOEI3JiMwMzg7b25TaXRlPTAiIHdpZHRoPSI4NTQiIGhlaWdodD0iNDgwIiBmcmFtZWJvcmRlcj0iMCIgd2Via2l0QWxsb3dGdWxsU2NyZWVuIG1vemFsbG93ZnVsbHNjcmVlbiBhbGxvd0Z1bGxTY3JlZW4+PC9pZnJhbWU+

 

Wie üblich haben wir das Stadtzentrum von Montreal weitgehend zu Fuß erkundet. Es gibt jedoch auch ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz mit U-Bahnen und Bussen.
La Banquise
994 rue Rachel Est
Montreal
labanquise.com

Das quirlige Lokal bietet den Einheimischen zufolge die beste Poutine der Stadt an. Die lange Schlange vor dem Eingang scheint dies zu bestätigen. Unbedingt probieren!
Vices & Versa
6631 boulevard St-Laurent
Montreal
www.vicesetversa.com

Gemütliche Bar mit riesiger Bierauswahl.
Fairmount Bagel
74 Fairmount West
Montreal
www.fairmountbagel.com

Kleine aber feine Bagelbackstube mit ausgezeichneten Bagels bis spät in die Nacht.
Delta Montreal Hotel
475 President-Kennedy Avenue
Montreal
www.marriott.de

Schönes, modernes Hotel in Downtown Montreal. Tiefgarage im Gebäude, gratis WLAN.
Dir gefällt dieser Beitrag? Dann freuen wir uns, wenn du in teilst!

7 Kommentare

  1. Ich freu mich jetzt schon – wir werden nächsten Herbst in den Osten Kanadas reisen – ähnliche Route wie ihr. Am meisten beruhigt mich, dass es auch in Montreal Poutine gibt :-) Hab das im Westen Kanadas schon geliebt – das muss ein Schwabe erfunden habe – Pommes mit Soße und Käse – ich könnt mich reinlegen ;-) Toller Bericht, hab mir einige Punkte rausgeschrieben.

    LG,
    Ela

    • Hi Ela,

      danke dir! Freut mich, wenn wir dir bei der Reiseplanung helfen konnten! Oh ja, Poutine fanden wir auch ganz großartig. Ich kannte es vorher noch nicht und war sofort begeistert. :)

      Liebe Grüße
      Wolfgang

  2. Hallo wir werden in 3 Wochen ebenfalls die Route Toronto nach Montreal anstreben mit Zwischenstop in Kingston. Habt Ihr Euch den Mietwagen direkt vom Flughafen in Toronto genommen und wo habt Ihr den Wagen wieder abgegeben?

    Lg Susann

    • Hallo Susann,

      Eine schöne Route habt ihr euch da ausgesucht! Ja, wir hatten den Mietwagen direkt in Toronto am Flughafen übernommen. Die Rückgabe in Montréal war ebenfalls am Airport, da zwischen den beiden Flughafenstationen bei unserem Vermieter keine Einweggebühr berechnet wurde. Schaut in dem Fall nur vorher, ob eure Unterkünfte in Toronto und Montreal Parkmöglichkeiten anbieten. Das kann sonst schnell ins Geld gehen und die gesparte Einweggebühr zunichte machen.

      Lg
      Wolfgang

      • Vielen Dank für die schnelle Rückmeldung. Das hilft uns schon weiter! Wir freuen uns schon total auf die Reise !Vielen Dank für die tollen Tips hier auf der Seite!

        Lg
        Susann

Kommentiere den Artikel

Please enter your comment!
Bitte gib deinen Namen hier ein