Nachdem unsere Reise bislang eher auf Kanadas Großstädte fokussiert war, brechen wir nun auf, auch das Leben abseits der Metropolen zu erkunden und setzen unsere Reise Richtung Osten fort.

Tag 8: Québec – Bathurst (ca. 565 km)

Der heutige Tag ist hauptsächlich als „Überstellungsfahrt“ zu sehen, wir wollen an Kanadas Atlantikküste, um dort das eher ländliche Kanada zu entdecken. Noch trennen uns allerdings fast 600 km vom Meer, die wir heute hinter uns bringen werden.

Nach einem ausgiebigen Buffetfrühstück im Hotel starten wir gegen 11:00 Uhr die längste Etappe unserer Reise. Zunächst müssen wir den St.-Lorenz-Strom kreuzen. Leider haben wir uns nicht vorab über den Fährenfahrplan informiert und so erfahren wir am Anleger, dass wir auf die nächste Fahrt 45 min warten müssten. Das dauert uns zu lange, deswegen fahren wir erst einmal wieder ein paar Kilometer zurück Richtung Westen, da sich dort die letzte Brücke über den Fluss befindet, bevor dieser auf seinem Weg in den Atlantik immer breiter wird. Der Vorteil dieser Route ist, dass wir so noch einmal auf der anderen Seite des Flusses am Stadtzentrum von Québec vorbeifahren und sich uns noch einmal ein sehr schöner Ausblick auf die Stadt bietet.

Anschließend fahren wir auf die Autobahn und folgen dem St.-Lorenz-Strom noch ca. 200 km bis Rivière-du-Loup. Dort biegen wir ab ins Landesinnere und fahren ein Stück durch eine schöne Hügellandschaft entlang der Grenze zum Bundesstaat Maine in den USA. Gegen 15 Uhr erreichen wir außerdem die Grenze zur kanadischen Provinz New Brunswick. Kaum passieren wir diese, ist es auch schon 16 Uhr, ab hier gilt nämlich die Atlantikzeit, die der Eastern Time in unseren bisherigen Aufenthaltsorten um eine Stunde voraus ist.

New Brunswick kann auch noch mit einer weiteren Besonderheit aufwarten, es ist die einzige offiziell zweisprachige Provinz, sodass hier tatsächlich alle Schilder, Informationsblätter und sogar Speisekarten im Restaurant zweisprachig sind. Die Sprachverteilung ist ein wilder Mix, an der Grenze zu Québec wird naturgemäß eher Französisch gesprochen, im Rest der Provinz kann sich die Hauptsprache jedoch von Ortschaft zu Ortschaft unterscheiden. Im Nordosten New Brunswicks leben außerdem die Akadier, eine Volksgruppe, die von den ersten französischen Kolonialisten abstammt. Deren Sprache, das akadische Französisch hat sich seitdem weitgehend unabhängig vom europäischen Französisch entwickelt und klingt dadurch für europäische Ohren teilweise veraltet.

Eine weitere Eigenschaft macht New Brunswick für uns heute sehr sympathisch: Auf Autobahnen ist Tempo 110 erlaubt, so kommen wir wenigstens etwas schneller voran.

Bei Saint-Leonard verlassen wir jedoch die Autobahn, folgen der Bundesstraße bis Saint-Quentin und schlagen uns dort auf einer verlassenen Landstraße in Richtung Osten. Was wir vorher nicht wussten: Die Appalachen, der zentrale Gebirgszug im Osten des nordamerikanischen Kontinents, reichen im Norden bis weit nach New Brunswick hinein und die Straße, die wir ausgewählt haben, führt uns mitten durch diese schöne und abwechslungsreiche Mittelgebirgslandschaft.

Mangels Haltemöglichkeiten ist es uns kaum möglich, die Schönheit der Landschaft auf Bilder zu bannen. 145 km später kommen wir gegen 19 Uhr in Bathurst an und erreichen unser Domizil für heute, das Lakeview Inn & Suites (inzwischen das Quality Inn & Suites), ein klassisches aber recht nettes Durchreisehotel, das vom Aufbau her stark an ein Motel erinnert.

Da Bathurst selbst nicht viel hergibt, dinieren wir heute gleich nebenan bei Wendy’s, wo ich zu meinem Burger statt normalen Pommes eine Poutine bestelle. Diese kann erwartungsgemäß nicht mit der aus Montreal mithalten, versucht haben wollte ich es aber trotzdem.

Für den Abend leihen wir uns noch eine kostenlose DVD im Hotel aus und gehen nach dem Film gegen Mitternacht ins Bett.

Tag 9: Bathurst – Kouchibouguac – Little Shemogue (ca. 350 km)

Heute frühstücken wir im Hotel, ganz im Motel-Stil gibt es getostete Bagels mit Cream Cheese, Omelette aus der Mikrowelle und Automatenkaffee. Als Stärkung für den Tag reicht es aber allemal und gegen 10 Uhr machen wir uns wieder auf den Weg. Da das Wetter heute sehr schön ist, halten wir im Stadtzentrum kurz an, um einen ersten Blick aufs Meer zu werfen.

Danach legen wir die etwa 130 km bis zu unserem ersten Etappenziel zurück und erreichen gegen Mittag den Kouchibouguac-Nationalpark. Diesmal gab es auch Angaben auf der Homepage und der Park ist noch geöffnet. Für den sehr moderaten Preis von 3,90 CAD (~ 2,60 EUR) pro Person erhalten wir unser Permit, eine Zugangserlaubnis, die man in jedem Park vor der Einfahrt holen und gut sichtbar im Auto platzieren muss. Der Eintritt fließt zu 100% in die Erhaltung der Parks und ist sein Geld somit allemal wert.

Wir starten also zu unserer ersten Erkundung eines kanadischen Nationalparks und sind hellauf begeistert. Zum einen ist der Park wunderschön, zum anderen sind wir heute tatsächlich die einzigen Besucher und haben somit die ganzen 238 km² des Parks für uns alleine.

Für die bequemen Amerikaner, aber auch für Schnellreisende wie uns sind die Parks ideal aufgebaut. Es gibt üblicherweise ein bis zwei Hauptverkehrsadern, entlang derer man mit dem Auto fahren darf. An wichtigen, interessanten oder sehenswerten Stellen gibt es kleine Parkplätze neben der Straße, von denen aus dann die Wanderwege zu den eigentlichen Attraktionen beginnen. So kommt man schnell voran, hat aber an den entscheidenden Stellen ausreichend Zeit, alles in Ruhe zu Fuß zu erkunden. Bei jedem Weg gibt es außerdem kurze Infotafeln, die einen mit dem wichtigsten Wissenswerten zum jeweiligen Ort versorgen.

Wir starten zunächst mit einer ca. 30-minütigen Wanderung durch die Salzmarsche der Atlantikküste und sind bereits hier sehr beeindruckt von der Ursprünglichkeit der Natur, den Farben und der Ruhe. Außer Natur ist absolut nichts zu hören oder zu sehen und wir genießen die frische Meeresluft sowie die wärmende Sonne.

Der nächste Haltepunkt ist Kelly’s Beach. Hier gibt es einen Holzsteg über die Marschen und einen Meeresarm, der zu einer vorgelagerten Sandinsel mit einem sehr schönen Strand führt. Trotz einer recht steifen Brise genießen wir das Meeresrauschen und die tollen Farbenspiele.

Im Anschluss daran fahren wir zu „The Bog“, einem riesigen Moor inmitten des Parks, das stetig weiter wächst. Von einer erhöhten Plattform auf einem Holzturm hat man eine fantastische Aussicht auf das Moor und seine fast unnatürlich wirkenden Herbstfarben.

Der letzte Stopp führt uns bis zum Ende der Straße zu „The Source“, einem Aussichtspunkt, von dem der Blick ein wenig an die Thousand Islands erinnert. Mit etwas Glück kann man hier Elche sehen, das ist uns jedoch leider nicht vergönnt.

Noch immer völlig begeistert vom Gesehenen und Erlebten kehren wir um und fahren zurück zum Parkeingang. Von dort sind es noch ca. 140 km bis zu unserer Unterkunft, dem Little Shemogue Inn in Little Shemogue, wo wir nachmittags ankommen. Dieses kleine rote Häuschen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts liegt mitten im Nirgendwo an einem kleinen Meeresarm und wird von einer Deutschen betrieben, die dort auch selbst kocht.

Da wir um diese Jahreszeit jedoch die einzigen Gäste sind, lohnt sich das nicht mehr und das „Restaurant“ ist geschlossen. Deshalb fahren wir ins etwa 40 km entfernte Shediac, wo wir über TripAdvisor das Sa Dec, ein vietnamesisches Restaurant ausfindig gemacht haben. Dieses stellt sich als absoluter Glücksgriff heraus, der Kellner ist unglaublich nett und aufmerksam, das Essen absolut frisch und es schmeckt ausgezeichnet. Der Preis stimmt auch und so ist dies ein idealer Ausklang für einen perfekten Tag. UPDATE 01.04.16: Leider scheint das Restaurant zwischenzeitlich geschlossen zu sein.

Zurück in Little Shemogue schreibe ich noch den Blogeintrag über Montreal und wir gehen zufrieden ins Bett.

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