So langsam neigt sich unsere Reise dem Ende zu, wir sind tatsächlich schon in unserer letzten Station Halifax angekommen. Allerdings haben wir von hier aus noch ein wenig Zeit, Nova Scotia zu erkunden, was wir uns natürlich nicht entgehen lassen.

Etappe: Halifax – Kejimkujik – Halifax – Lunenburg – Peggy’s Cove – Halifax (ca. 624 km)

Tag 12: Halifax – Kejimkujik National Park – Halifax (ca. 350 km)

Heute haben wir uns den Besuch eines weiteren Nationalparks vorgenommen. Der etwa 400 km² große Kejimkujik National Park liegt knapp 170 km von Halifax entfernt, sodass wir gegen 13 Uhr dort ankommen. Der Name des Parks stammt aus der Sprache der Mi’kmaq-Indianer und bedeutet in etwa „angeschwollenes Gewässer“. Dies bezieht sich vermutlich auf den Kejimkujik Lake, welcher der größte See im Park ist.

Für wieder einmal sehr günstige 5,80 CAD (~ 3,90 EUR) pro Person holen wir unser Permit und starten gleich in der Nähe des Eingangs mit einem kurzen Spaziergang zu den Mills Falls, einer Serie von kleinen, kaskadierenden Wasserfällen inmitten eines Waldstücks. Da heute auch das Wetter mitspielt, schlendern wir gemütlich ein wenig den Mersey River entlang und sind einmal mehr beeindruckt von der Ursprünglichkeit der Natur in den Nationalparks.

Danach fahren wir weiter zu Roger’s Brook, wo wir nach einem kurzen Waldstück noch einmal sehr schöne Blicke auf den Fluss genießen können. Im Sommer hat man hier wohl sehr gute Chancen, Schildkröten zu beobachten, jetzt ist es ihnen aber scheinbar schon zu kalt. Immer noch sehr aktiv sind hingegen die Eichhörnchen, die uns auf dem Rückweg durch den Wald begegnen und fleißig Ihre Vorräte für den Winter sammeln.

Nur ein kurzes Stück weiter kommen wir zu einem Aussichtsturm, von dem aus wir den Park bis hin zum See überblicken können. Auf dem Rückweg zum Auto sehen wir zwei Rehe, da just in dem Moment aber ein anderes Auto kommt, springen sie weg in den Wald und mir bleibt ein Foto verwehrt.

Also machen wir uns auf zur nächsten Attraktion des Parks, dem Kejimkujik Lake. Im Sommer kann man hier im See paddeln, schwimmen oder auf einer der kleinen Inseln im See zelten. Um diese Jahreszeit haben wir aber sowohl den See als auch den Strand wieder einmal ganz für uns alleine und genießen, wie schon so oft, die Ruhe und die schönen Farben.

Zu guter Letzt wollen wir noch erfahren, wie die Nationalparks abseits der Haupttouristenpunkte aussehen und folgen einer der unbefestigten Straßen bis zum ersten Wanderweg. Schnell stellen wir jedoch fest, dass es wohl schon einen Grund hat, warum diese Teile des Parks nicht so gut erschlossen sind. Die Natur ist zwar immer noch sehr schön, letztlich unterscheidet sich der Wanderweg aber nicht von einem gewöhnlichen Waldspaziergang, weswegen wir nach kurzer Zeit wieder umkehren.

Gegen 16 Uhr verlassen wir den Park also wieder und machen uns auf den Rückweg nach Halifax. Kejimkujik hätte zwar noch einen kleinen, ca. 20 km² großen „Nebenpark“ an der Südküste Nova Scotias, das ist uns dann aber doch zu weit. Unterwegs machen wir spaßeshalber noch einen kurzen Abstecher in das etwa 60 km entfernte Dörfchen „New Germany“, das allerdings abseits seines lustigen Namens völlig unspektakulär ist. Leider gibt es nicht einmal die Gelegenheit, ein „Ortsschild-Selfie“ zu machen, weswegen wir ohne Zwischenhalt die restlichen 120 km zurücklegen.

Am Abend essen wir im Five Fishermen. Wie der Name bereits vermuten lässt, liegt der Menüschwerpunkt hier wieder auf Gutem aus dem Meer. Das Lokal ist zweigeteilt, im Obergeschoß gibt es ein klassisches Restaurant, im Erdgeschoß einen Grill, wo wir uns durch die legerere Pubatmosphäre besser aufgehoben fühlen. Für mich gibt es als Vorspeise natürlich wieder Chowder, als Hauptgericht bekommen wir jeder eine unfassbar riesige Portion Fish & Chips, die man ohne weiteres hätte teilen können.

Vollumfänglich gesättigt fallen wir wieder zeitig ins Bett und starten rasch mit dem Verdauungsschlaf.

Tag 13: Halifax – Lunenburg – Peggy’s Cove – Halifax (ca. 280 km)

Heute steht unser letzter Ausflugstag an. Diesen wollen wir dazu nutzen, uns noch ein bisschen die Atlantikküste Nova Scotias anzusehen. Dazu fahren wir zunächst ins etwa 100 km entfernte Lunenburg. Der Name lässt bereits erahnen, wer das Städtchen gegründet hat. In dieser Region ließen sich Mitte des 18. Jahrhunderts deutsche Protestanten nieder, denen hier freie Religionsausübung zugesichert wurde. Der Stadtkern mit seinen bunten kleinen Holzhäuschen ist mittlerweile UNESCO-Weltkulturerbe. Leider haben wir jedoch heute kein besonderes Glück mit dem Wetter und es regnet wieder. Wir fahren dennoch zum empfohlenen Aussichtspunkt, von dem aus man einen Panoramablick über die Uferpromenade der Stadt hat, sind jedoch nicht sonderlich beeindruckt. Dies mag zum Teil dem Wetter geschuldet sein, wir hatten es uns jedoch insgesamt etwas spektakulärer vorgestellt.

Daher fahren wir nach kurzer Zeit weiter ins etwa 10 km entfernte Mahone Bay, ein weiteres kleines Küstenstädtchen. Wetterbedingt werfen wir auch hier nur einen kurzen Blick auf die recht nette Uferpromenade und flüchten uns dann wieder ins trockene Auto.

Unser nächstes Ziel heißt Peggy’s Cove. Den Weg dorthin haben wir über eine Panoramastraße entlang der Atlantikküste geplant, der sogenannten Lighthouse Route. Einmal mehr lassen wir uns vom schlechten Wetter nicht abschrecken und verfolgen diesen Plan. Der Name der Route ist allerdings in doppelter Hinsicht irreführend. Zum einen gibt es die meiste Zeit gar kein Panorama, zum anderen auch keine Leuchttürme. Dazu muss man wissen, dass die Bäume in Kanada fast überall wirklich bis direkt ans Wasser wachsen. Die Küstenstraßen führen daher zwar mal mehr, mal weniger nah am Ufer entlang, fast immer ist jedoch zwischen Straße und Meer noch ein Baumgürtel, der die Sicht versperrt. Alternativ ist die erste Reihe am Meer in Privatbesitz, vereinzelt sieht man schicke Häuser aus den Bäumen hervorblitzen. Nachdem diese Straße jedoch offiziell als Scenic Drive deklariert ist, hatten wir uns mehr erhofft. So stoppen wir zwischendurch nur ein paar Mal wo man etwas sieht, bevor wir nach etwa 125 km Peggy’s Cove erreichen.

Von einem Schlag auf den anderen ändert sich die Landschaft, plötzlich wird es eher felsig und der Baumbewuchs wird von flachen Büschen und Heidekraut in wunderbaren Herbstfarben abgelöst. Peggy’s Cove ist ein kleines Örtchen direkt am Wasser und beherbergt eines der meistfotografierten Gebäude in Ostkanada, den Leuchtturm Peggy’s Point. Hier kommt er also doch noch, der Leuchtturm und man könnte fast sagen, dann passt ja alles, es hieß ja nicht Lighthouses Routes, somit genügt einer. Im Vergleich zur bislang eher uninteressanten Strecke entschädigt uns der Ausblick hier auf jeden Fall. Als wir auf dem Parkplatz ankommen, hört es sogar auf zu regnen. Also steigen wir aus und gehen über die großen Uferfelsen zum Leuchtturm.

Hier sind sogar einmal verhältnismäßig viele Touristen, die Schilder an den Bussen lassen darauf schließen, dass in Halifax wohl ein Kreuzfahrtschiff vor Anker liegt. Als wir den Leuchtturm gerade fertig umrundet haben und noch ein bisschen auf den Felsen am Meer entlang gehen wollen, überlegt es sich der Himmel doch anders und öffnet diesmal alle Schleusen. Schleunigst kehren wir zurück zum Auto, bis wir aber über die Steine wieder beim Parkplatz sind, sind wir schon völlig durchnässt. Da es auch nicht so aussieht, als würde es schnell wieder aufhören, beschließen wir, den Besuch zu beenden und zurück nach Halifax zu fahren. Wir halten noch kurz am kleinen Fischerhafen von Peggy’s Cove, um aus dem Fenster schnell ein Foto zu machen und legen dann die letzten 40 km zum Hotel zurück. Praktischerweise hat unser Auto eine Sitzheizung, so können wir uns zumindest von hinten schon ein wenig trocknen.

Abends gehen wir ins 2 Doors Down, ein sehr nettes Restaurant, ebenfalls mehr in Pubatmosphäre. Nach kurzer Zeit stellen wir fest, dass dieses nicht nur, wie auf der Homepage beschrieben, die Desserts aus dem benachbarten Chives bezieht, sondern uns auch manche Kellner von vorgerstern bekannt vorkommen. Somit erklärt sich auch der Name, die beiden gehören zusammen und es liegt nur ein Hauseingang dazwischen.

So endet unser vorletzter Abend in Kanada wieder sehr gemütlich und wir sind froh, dass wir morgen mal nicht fahren müssen, da wir nur noch Halifax erkunden werden.

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