Ganz Kanada spricht Englisch. Ganz Kanada? Nein! Eine von unbeugsamen Québécois bewohnte Provinz hört nicht auf, dem Englischen Widerstand zu leisten. Kommt euch bekannt vor? Die Quebecer sind zwar keine Gallier, mit Frankreich hat es trotzdem etwas zu tun. Québec ist eine französischsprachige Bastion inmitten des englischsprachigen Nordamerikas. Die Nachfahren der französischen Siedler sind bis heute stolz auf ihre Sprache und ihre Traditionen. Daher ist Französisch die einzige offizielle Amtssprache der Provinz. Nach den schönen Tagen in Montreal sind wir gespannt, was uns in der gleichnamigen Provinzhauptstadt Québec erwartet.

Tag 6: Von Montreal nach Québec (ca. 420 km)

Heute steht ein strategischer Fahrzeugwechsel an. Die meisten Autovermieter verlangen eine Einweggebühr, wenn ihr den Mietwagen woanders zurückgebt, als ihr ihn entgegengenommen habt. Bei unserer weiten Gesamtstrecke von Toronto nach Halifax würde diese Gebühr 750 Kanadische Dollar (CAD, ~ 500 EUR) plus Steuer betragen. Die Steuer ist hier übrigens wie in den USA nie in den ausgewiesenen Preis eingerechnet. Sie variiert nach Provinz und beträgt an den von uns bereisten Stationen zwischen 13 und 15 %.

Zwischen den Flughäfen von Toronto und Montreal herrscht reger Verkehr, sodass auf dieser Strecke die Einweggebühr entfällt. Daher hat uns unser Reiseveranstalter empfohlen, den Mietwagen in Montreal am Flughafen zu wechseln. Das spart uns über 500 CAD (~ 335 EUR) an Einwegmiete. Wir tauschen also am Vormittag unseren Chrysler gegen einen blaugrauen Toyota Corolla und starten in Richtung Québec City.

Nach gut 200 Kilometern steht ein erster Zwischenstopp an. Wir wollen in den La-Mauricie-Nationalpark, durch den es eine schöne Panoramastraße geben soll. Zunächst gilt es aber, den Park überhaupt zu finden. Die Ausschilderung ist hier in Kanada leider oft nicht besonders gut. Trotz Navi verfahren wir uns und landen irgendwo im Nirgendwo. Hier ist es nun auf jeden Fall hilfreich, etwas Französisch zu können. Abseits der Ballungsgebiete kommen wir mit Englisch wirklich nur bedingt weiter. In einem Skiverleih, den wir zufällig passieren, erkundigen wir uns nach dem Weg. Kurze Zeit später stehen wir dann endlich vor dem Eingang zum Park.

La Mauricie, Québec
Der Eingangsbereich gibt einen Vorgeschmack darauf, wie schön der La-Mauricie-Nationalpark ist.

Eine unerwartete Winterpause

Offiziell sind die Nationalparks in Kanada bis Mitte Oktober geöffnet. Das genaue Datum wird jedoch scheinbar bewusst offengelassen (Mittlerweile haben wir herausgefunden, dass sich der Termin an Thanksgiving orientiert). Allerdings schreiben viele Einrichtungen auf ihren Webseiten, dass man auch danach noch in den Park einfahren kann. Man muss nur mit geschlossenen Besucherzentren und sonstigen Einrichtungen wie Restaurants, Souvenirbuden, etc. rechnen.

Leider geben nicht alle Nationalparks ihre Details bekannt. Hier ist die Panaromastraße nämlich bereits für den Winter gesperrt. Also sehen wir uns nur ein bisschen im Eingangsbereich um und setzen unsere Reise über die öffentliche Landstraße fort.

Wenigstens werden wir doch noch mit einer Panoramastraße entschädigt. Bis zurück zur Autobahn fahren wir am St.-Maurice-Fluss entlang, von wo aus wir auch ein paar schöne Aussichten genießen.

Aussicht am St.-Maurice-Fluss, Québec
Malerisch liegen die kleinen Dörfchen am St.-Maurice-Fluss inmitten schönster Natur.

Auf den verbleibenden 220 Kilometern bis Québec lohnt sich ein kurzer Aussichtshalt bei Cap-Santé. Am frühen Abend kommen wir schließlich an unserem Hotel an, das mitten in der historischen Altstadt Vieux-Québec liegt.

Aussicht vom Cap Santé, Québec
Aussicht vom Cap Santé

Québec: Ein erstes Kennenlernen

Frisch gestärkt mit einem guten Dinner machen wir uns gegen 20:30 Uhr auf den Weg für einen ersten nächtlichen Stadtrundgang. Vieux-Québec ist unterteilt in eine Ober- und eine Unterstadt. Den oberen Teil wollen wir heute noch genauer kennenlernen. Wir sind sofort entzückt von der charmanten Altstadt Québecs, die uns sehr an Frankreich erinnert. Gleichzeitig ist alles so schön hergerichtet und sauber, dass wir uns zeitweilig wie in einem Freizeitpark vorkommen.

Boulevard in Québec
Bisweilen wirkt Québec fast ein wenig wie Disneyland.

Entlang der rue Saint-Jean gehen wir zu einem der alten Stadttore, der Porte Saint-Jean. Alt bedeutet hier übrigens größtenteils 18.-19. Jahrhundert. Québec wurde erst 1608 gegründet und aus dieser Zeit ist nur noch wenig erhalten.

Porte Saint-Jean, Québec
Die Porte Saint-Jean ist eines von mehreren erhaltenen Stadttoren.

Durch das Tor gelangen wir auf den Place d’Youville, den Übergang vom alten zum neuen Teil der Stadt. Auf der Altstadtseite ist er ist von mehreren schönen Theatern und Kinos gesäumt. Auf der anderen Seite geht die Bebauung langsam in die Wolkenkratzer des modernen Zentrums über.

Place d'Youville, Québec
Im Winter wird der Place d’Youville zu einer großen Eislaufbahn.

Wir folgen der Stadtmauer ein kurzes Stück südwärts bis zur Porte Kent, gehen dort zurück in den alten Teil und passieren das schön beleuchtete Hôtel Clarendon sowie das Rathaus. Vorbei an einigen weiteren sehr hübschen Gebäuden gelangen wir schließlich zum Châteu Frontenac. Es markiert das Ende der Oberstadt.

Dieses „Schloss“ wurde an der Stelle des ehemaligen Gouverneurspalasts erbaut, beherbergt aber schon seit seiner Fertigstellung ein Hotel. Vor dem Gebäude ist eine große Terrasse angelegt. Von hier aus haben wir einen fantastischen Blick über die Unterstadt, den St.-Lorenz-Strom und das auf der anderen Flussseite gelegene Städtchen Lévis.

Blick auf die Unterstadt, Québec
Der nächtliche Blick vom Château Frontenac auf die Unterstadt ist einmalig schön.

Sehr angetan von der Schönheit der Stadt spazieren wir durch weitere schöne Gässchen (rue du Trésor, rue de Buade und Côte de la Fabrique) zurück zu unserem Hotel und freuen uns darauf, morgen noch mehr zu sehen.

Tag 7: Montmorency Falls und Cap Tourmente (ca. 100 km)

Québec-City hat noch einiges zu entdecken. Bevor wir aber unseren Rundgang von gestern fortsetzen, wollen wir uns bei bestem Wetter erst einmal die Naturschönheiten rund um die Stadt anschauen.

Unser erster Halt sind die nur zwölf Kilometer von der Innenstadt entfernten Montmorency-Wasserfälle. Für 11,30 CAD (~ 7,40 EUR) bekommen wir Zutritt zum Park und spazieren ein kurzes Stück auf einem schönen Holzsteg bis zu den Fällen. Nun waren wir gerade erst ein paar Tage zuvor bei den Niagarafällen. Daher haben es die hiesigen Fälle natürlich nicht leicht, uns zu beeindrucken. Der Hauptfall ist mit 83 Metern zwar höher als die Niagara Falls, kann uns im direkten Vergleich aber nur bedingt begeistern.

Sehr interessant ist die Möglichkeit, auf einer Brücke direkt über die Fälle zu gehen. Dort können wir genau von oben in den Abgrund schauen. Nicht geeignet für Leute mit Höhenangst.

Es gäbe außerdem die Möglichkeit, über zahlreiche Stufen zum Fuß der Fälle hinabzusteigen. Um zurückzukommen, müssten wir aber einmal um das komplette Hafenbecken marschieren und auf der anderen Seite mit einer völlig überteuerten Seilbahn wieder hochfahren. Nichts für effiziente Reisende, das lassen wir also aus.

Montmorency-Falls Aussicht, Québec
Die Aussicht von der Brücke überzeugt.

Stattdessen machen wir uns auf den Weg zur nächsten Attraktion, den Canyon St.-Anne. Leider hat auch dieser entschieden, schon in die Winterpause zu gehen und ist geschlossen. Der dritte geplante Stopp des heutigen Tages wären die Sept-Chutes gewesen. Sie werden jedoch vom gleichen Fluss wie der Canyon gespeist. Daher gehen wir davon aus, dass auch diese geschlossen sein werden.

Zeit für Plan B. Wir disponieren kurzfristig um und fahren zum Cap Tourmente. Diesen Tipp hatten wir von Jules bekommen, einem Forschungskollegen meines Vaters aus Québec. Mit ihm waren wir vorab schon in Kontakt und werden ihn später noch treffen.

Cap Tourmente: Vögel, soweit das Auge reicht

Das Cap Tourmente ist zum einen ein sehr schöner Naturpark. Zum anderen ist es um diese Jahreszeit auch ein Zwischenstopp für Tausende von Schneegänsen. Sie machen auf ihrem Weg vom nördlichen Kanada zu ihrem Winterquartier im Süden der USA hier Rast. Nach einer kurzen Wanderung durch nahezu unberührte Natur kommen wir zu einem Aussichtspunkt.

Cap Tourmente Wanderweg, Québec
Holzstege sorgen dafür, dass die Natur weitgehend unberührt bleibt.

Von dort aus können wir die Tiere hinter einem Bretterverschlag beobachten, ohne sie zu erschrecken. Am Vortag wurden hier 50.000 Vögel geschätzt, an sehr „geschäftigen“ Tagen können es aber auch weit über 60.000 sein. Über kostenfrei verfügbare Fernrohre können wir die Tiere näher betrachten und sind beeindruckt ob der schieren Menge. Außerdem fragen wir uns einmal mehr, wieso so viele Vögel diese unglaublich beschwerliche Reise jedes Jahr aufs Neue auf sich nehmen.

Wir sehen dem Treiben im Marschland des St.-Lorenz-Stroms eine Weile zu und genießen das raue Klima. Dann machen wir uns auf den Weg zurück in die Stadt, um am Nachmittag unseren Stadtrundgang fortzusetzen.

Indian Summer am Cap Tourmente, Québec
Auch am Cap Tourmente erstrahlt der Herbst in voller Pracht.

Québec: Ein zweites Kennenlernen

Wir starten wieder an der Porte St-Jean. Diesmal erklimmen wir hier allerdings die Stadtmauer und gehen auf dieser weiter, vorbei am Parlamentsgebäude der Provinz Québec, bis wir ganz im Süden die alte Zitadelle erreichen. Von hier aus führt entlang der Steilküste ein breiter Steg mit toller Aussicht, die Promenade des Gouverneurs, bis zur großen Terrasse vor dem Château Frontenac.

Château Frontenac bei Tag, Québec
Auch bei Tag ist das Château Frontenac eine beeindruckende Erscheinung.

Von hier fahren wir für 2,25 CAD (~ 1,50 EUR) mit der Standseilbahn hinunter in die Unterstadt und sind begeistert. Entlang der rue du Petit-Champlain kauern sich zahlreiche kleine Häuschen im französischen Stil an die Felsklippe. Viele von ihnen sind mit wunderschönen, detaillierten Fresken verziert.

Etwas weiter haben wir einen tollen Blick von unten auf das Château Frontenac und gelangen über eine weitere kleine Gasse zum Place Royale. Hier wurde die Stadt 1608 gegründet und hier stehen noch heute noch die ältesten Gebäude Québecs. Unter anderem die Kirche Notre-Dame-des-Victoires vom Ende des 17. Jahrhunderts.

Gleich ums Eck befindet sich eines der größten Fresken der Stadt, das Fresque des Québécois. Es stellt Szenen aus der Stadtgeschichte dar und wirkt sehr realistisch.

Fresque des Québécois, Québec
Das Fresque des Québécois zeigt Szenen aus der Stadtgeschichte.

Über die „Halsbrechertreppe“ (Escalier Casse-Cou), eine recht steile Treppe, kommen wir schließlich zurück zum Funiculaire und fahren wieder hinauf in die Oberstadt.

Halsbrechertreppe, Québec
Steile Treppen überwinden die Höhenunterschiede in der Unterstadt

Am Abend treffen wir uns dann mit Jules, dem bereits oben erwähnten Kollegen meines Vaters. Er freut sich sehr, uns zu sehen und führt uns noch ein wenig durch das nächtliche Québec. Wieder erfahren wir viele interessante Dinge über das Leben in der Stadt und Kanada.

Gegen 21:00 Uhr endet der Rundgang am Hotel. Wir verabschieden uns von Jules und lassen den Tag gemütlich beim Abendessen Revue passieren. Das klare Resümee: Québec-City gehört definitiv zu den bisherigen Highlights unserer Reise! Schon morgen werden wir die Provinz Québec wieder verlassen und haben dann die längste Etappe unserer Reise nach Bathurst vor uns.

Unsere komplette Route in der Übersicht:


 

In der Altstadt von Québec ist alles gut zu Fuß machbar. Es gibt aber auch ein Busnetz, falls ihr weitere Strecken zurücklegen wollt.

Für die Ausflüge rund um Québec lohnt sich ein Mietwagen. Zu den Montmorency Falls kommt ihr auch mit dem Stadtbus. Es gibt aber auch einige Tourenanbieter, die Tagesausflüge anbieten.
Chez Boulay
1110, rue Saint-Jean
Québec
chezboulay.com

Gemütliches Lokal mit guter nordisch-kanadischer Küche, sehr freundliches Personal.
Manoir Victoria
44, Côte du Palais
Québec
www.manoir-victoria.com

Mitten in der Altstadt gelegen, ist dieses schöne Hotel ein guter Ausgangspunkt für die Erkundung Québecs. Parkgarage direkt neben dem Haus, gratis WLAN. Der Aufpreis für ein renoviertes Luxe-Zimmer lohnt sich. Das Frühstück haben wir nicht getestet.
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2 Kommentare

  1. Hallo Wolfgang,

    Danke für deine tollen Reisetips, eine Frage hätte ich aber noch :)

    Über welchen Anbieter habt ihr euer Auto gemietet? Habe nämlich gelesen, dass die Einweggebühr zwischen Toronto und Montreal nicht bei allen Anbietern wegfällt.. vielen Dank im Voraus!

    Liebe Grüße
    Michèle

    • Hallo Michèle,

      sehr gerne! :) Wir hatten damals bei Hertz gemietet, da gab es keine Einweggebühr zwischen den Flughäfen.

      Liebe Grüße
      Wolfgang

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