Ostkanada in 14 Tagen, das ist unser Ziel. Etwa 4.000 Kilometer trennen uns nach unserer Landung in Toronto von unserem Zielort Halifax. Auf dem Weg dorthin wollen wir uns vor allem Kanadas Naturschönheiten ansehen. Mitte Oktober ist fast schon ein wenig spät für den Indian Summer. Wir hoffen dennoch, dass wir ihn noch erwischen. Soviel vorweg: Wir haben Glück. Mit Montreal und Québec kommen aber auch die Städte nicht zu kurz.

Was schon am Flughafen auffällt: Die Kanadier haben offensichtlich mehr Lust auf Touristen als die Amerikaner. Überall am Flughafen werden wir herzlich willkommen geheißen und die Grenzbeamten wünschen uns einen schönen Aufenthalt. Schnell bekommen wir unseren Mietwagen – einen Chrysler 200 in schickem Weiß – und machen uns auf dem Weg ins Zentrum von Toronto.

Tag 1: Das Stadtzentrum von Toronto

Unser Hotel liegt sehr zentral. Daher beschließen wir, die Stadt zu Fuß zu erkunden. Zusätzlich zu unserer Planung orientieren wir uns grob an der Route des Hop-on-hop-off-Busses. Nur einen kurzen Spaziergang vom Hotel entfernt wartet gleich Torontos erstes Highlight auf uns, der CN Tower. 553 Meter ragt der Funkturm empor. Er hat zwei Aussichtsplattformen. Die reguläre Hauptplattform schlägt mit 35 Kanadischen Dollar (CAD, ~ 23,50 EUR) pro Person zu Buche. Um ganz nach oben zu kommen, würden noch einmal 14 CAD (~ 9,40 EUR) pro Person fällig.

Einstmals war das Sky Pod auf 446,5 Metern Höhe der Welt höchste Aussichtsplattform. 2010 wurde sie jedoch von Dubais Burj Khalifa überholt. Nachdem wir diesen bereits 2012 besucht haben, begnügen wir uns hier mit der Hauptebene. Eine weise Entscheidung, übermäßig spektakulär ist die Aussicht nämlich gar nicht. Zwar haben wir einen schönen Rundblick über den See und die Stadt, die größte Attraktion ist aber sicher der Glasboden des Turms. In einem Teil der Plattform sind Glasplatten verbaut, unter denen es 342 Meter in die Tiefe geht. Nichts für schwache Nerven.

Nach dem Besuch des Turms spazieren wir gemütlich weiter durch die Innenstadt, vorbei an einigen „alten“ und sehr neuen Gebäuden bis zur Universität. Von dort ist es nur noch ein kurzer Weg zum nördlichsten Punkt unserer Route, dem Royal Ontario Museum. Letzteres ist ein architektonisch recht ungewöhnlicher Bau, in dem sich alt und neu vereinen. Ob das nun geglückt ist oder nicht, sei dahingestellt. Interessant sieht es allemal aus.

Royal Ontario Museum - Toronto und Niagarafälle
Das Royal Ontario Museum verbindet alt und neu.

Entlang der Yonge Street, der Haupteinkaufs- und Gastronomiestraße Torontos, gehen wir zurück in Richtung Süden. Bunte Leuchtreklamen säumen den Weg und viele kleine Bars und Restaurants laden zu einem Besuch ein. Nach einem guten Dinner übermannt uns dann doch der Jetlag. Bereits gegen halb zehn fallen wir ins Bett, um gut gerüstet in den nächsten Tag starten zu können.

Yonge Street - Toronto und Niagarafälle
Die Yonge Street ist Torontos Hauptausgehmeile.

Tag 2: Ein Ausflug zu den Niagarafällen

Den zweiten Tag unserer Reise beginnen wir mit einem Frühstück bei Tim Hortons, dem kanadischen Starbucks. Anschließend machen wir uns auf den Weg zu den 130 Kilometer entfernten Niagarafällen. Hier sei schon einmal vorweggenommen, dass Auto fahren in Kanada grundsätzlich recht entspannt vonstattengeht. Durch die wirklich sehr niedrige erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h auf der Autobahn können sich jedoch auch kürzere Strecken ziemlich ziehen. Was die Fahrt aber deutlich interessanter macht, sind die wunderschön bunt gefärbten Bäume. Den Indian Summer haben wir voll erwischt. Das war einer unserer Hauptgründe, Kanada als heuriges Reiseziel auszuwählen und wir haben Glück.

Gegen Mittag kommen wir an den Fällen an und sind gleich die ersten 15 CAD (~ 10 EUR) für den Parkplatz los. Dieser ist dafür gleich gegenüber den kanadischen Horseshoe Falls und wir werden mit einem tollen Ausblick auf die Fälle belohnt. Schon sehen wir auch die Maids of the Mist (bzw. Hornblower, wie sie auf der kanadischen Seite heißen). Auf diesen kleinen Booten können sich Besucher tief in das Hufeisen der Fälle hineinfahren lassen.

Niagarafälle - Toronto und Niagarafälle
Unablässig stürzt das Wasser mit lautem Getöse in die Tiefe.

Der erste Weg führt uns zum Welcome Center, das direkt gegenüber den amerikanischen Fällen liegt. Auch dort genießen wir zunächst die Aussicht. Dann heißt es, bei der Vielzahl der angebotenen Tickets und Pakete den Durchblick zu behalten. Letztendlich entscheiden wir uns für den Adventure Pass um 56 CAD (~ 38 EUR), der uns Zugang zu vier Attraktionen rund um die Fälle gibt: Den White Water Walk, die Hornblower Niagara Cruise, die Journey Behind the Falls und Niagara’s Fury. Genau in dieser Reihenfolge besuchen wir die Attraktionen auch. Praktisch: Den Shuttlebus zwischen den einzelnen Stationen dürfen wir mit dem Pass ebenfalls kostenfrei benutzen.

Amerikanische Niagarafälle - Toronto und Niagarafälle
Die amerikanischen Niagarafälle sind auch schön, können aber nicht mit den kanadischen Fällen mithalten.

White Water Walk und Hornblower Cruise: Wasser überall

Der White Water Walk ist ein beeindruckender Spaziergang entlang des Niagara River. Nachdem er die 57 Meter hohen Niagarafälle hinabgestürzt ist, rauscht der Fluss mit gut 68 km/h durch den nachfolgenden Canyon. Dort bildet er sehr gefährliche Stromschnellen. Entlang eines Holzstegs unten im Canyon ganz nah am Fluss können wir die Wucht des Wassers förmlich spüren und haben noch dazu einen atemberaubenden Ausblick in die Schlucht.

White Water Walk - Toronto und Niagarafälle
Der Name White Water Walk erschließt sich bei diesen Stromschnellen schon nach kurzer Zeit.

Nach diesem tollen Einstieg folgt direkt das nächste Highlight: Wir steigen in eines der Hornblower-Schiffe. Ausgestattet mit einem formschönen rosa Regenponcho wollen wir uns die Horseshoe-Fälle aus der Nähe ansehen. Einmal mehr wird die wahre Gewalt des Wassers deutlich. Langsam kämpft sich das kleine Schiff gegen die Strömung immer weiter in die Gischt hinein. Nach kurzer Zeit haben wir das Gefühl, dass um uns herum überall nur noch Wasser ist. Es rauscht und sprüht überall und die viele Gischt lässt uns kaum noch atmen – geschweige denn fotografieren. Vor uns ragt eine fast 60 Meter hohe Wand aus Wasser empor, das unablässig in die Tiefe stürzt. Kurz vorher haben wir gelernt, dass das Wasser pro Minute etwa 60 Tonnen Gestein und Sediment mitreißt. Dadurch sind die Fälle im Laufe der Jahrtausende fast 18 Kilometer flussaufwärts gewandert.

Regenponchos - Toronto und Niagarafälle
Diesen Regenponcho kann man wirklich überall tragen.

Neue Perspektiven: Journey Behind The Falls, Niagara’s Fury und Whirlpool Rapids

Noch immer schwer beeindruckt vom bisher Erlebten, bestätigt sich einmal mehr, dass aller guten Dinge drei sind. Die „Journey Behind The Falls“ gibt uns noch einmal völlig neue Einblicke. Durch einen künstlich angelegten Tunnel können wir unterirdisch gut 200 Meter hinter den Fällen entlang gehen. Dabei spüren und hören wir das tiefe Dröhnen der Fälle sehr deutlich. An zwei Stellen im Tunnel gibt es Öffnungen, durch die wir von hinten auf die Fälle schauen können. Außer grauer Gischt sehen wir zwar nicht viel, das Erlebnis ist dennoch spektakulär. Der krönende Abschluss folgt auf dem Rückweg zum Lift. Auf einer offenen Plattform stehen wir seitlich ganz nah an den Fällen und genießen noch einmal ehrfürchtig dieses Naturschauspiel.

Niagarafälle Seitenansicht - Toronto und Niagarafälle
Direkt an der Wasserkante zu stehen ist unglaublich beeindruckend.

Zuletzt besuchen wir „Niagara’s Fury“. Dieses 4D-Kino zeigt nach einer eher lahmen Zeichentrickeinleitung noch einen Film über die Entstehung der Fälle. Getreu dem Motto „Mittendrin statt nur dabei“ werden wir mit Rüttel- und Wassereffekten ins Geschehen eingebunden. Ganz nett. Wäre es nicht im Ticket inkludiert gewesen, hätte man es sich aber auch sparen können.

Bevor wir nach Toronto zurückkehren, machen wir noch einen Abstecher nach Niagara-on-the-lake. Dieses kleine, idyllische Dörfchen liegt etwa 30 Kilometer nördlich der Fälle direkt am Ontariosee.

Sonnenuntergang Ontariosee - Toronto und Niagarafälle
Sonnenuntergang über dem Ontariosee – herrlich!

Auf dem Weg dorthin halten wir bei den „Whirlpool Rapids“, wo sich der Indian Summer von einem Aussichtspunkt aus zum ersten Mal in seiner vollen Pracht vor uns entfaltet. Der Whirlpool ist eine geologische Besonderheit. Durch einen Erdrutsch ist hier ein nahezu kreisförmiges Becken an einer Flussbiegung entstanden. Statt der Biegung direkt zu folgen, dreht das Wasser nun eine Schleife durch das Becken. Dadurch entsteht ein riesiger Strudel, der – von bunten Bäumen gesäumt – ein beeindruckendes Bild ergibt.

Whirpool Rapids - Toronto und Niagarafälle
Gemächlich mahlt der Wasserstrudel der Whirlpool Rapids vor sich hin.

Ein Ausflug zu den Niagarafällen? Lohnt sich!

Sehr begeistert vom Erlebten machen wir uns auf den Rückweg nach Toronto, wo wir am frühen Abend wieder ankommen. Noch immer sind wir etwas Jetlag-geschädigt und dadurch recht müde. Auch heute landen wir also früh im Bett.

Alles in allem muss ich sagen, dass mich die Niagarafälle bei meinem ersten Besuch 2007 nicht so übermäßig beeindruckt hatten. Daher hatte ich Zweifel, noch einmal hinzufahren. Ich bin jedoch froh, es gemacht zu haben. Zum einen waren jetzt im Herbst viel weniger Leute da, was der Atmosphäre sicherlich förderlich war. Zum anderen bietet der Indian Summer eine fantastische Kulisse für einen Besuch, sodass doch noch einmal ein völlig neuer Eindruck entstehen konnte.

Hornblower-Panorama - - Toronto und Niagarafälle
Mühsam kämpfen sich die kleinen Boote gegen die Strömung voran.

Auf jeden Fall ein toller Einstieg für unserer Kanadareise. Wir freuen uns darauf, noch mehr zu entdecken. Mehr Eindrücke aus Toronto und vom Weg nach Montreal lest ihr im nächsten Beitrag.

Unsere komplette Route findet ihr hier:


 

  • Fahrstrecke: ca. 320 km
  • Gesamtzeit: ca. 2 Tage
  • Fahrzeit: ca. 4 Stunden
Für uns war wie meistens der Mietwagen das Transportmittel der Wahl. Von Toronto gibt es aber auch zahlreiche Tagesausflüge zu den Niagarafällen.

In Toronto selbst haben wir uns ausschließlich zu Fuß fortbewegt. Es gibt aber auch ein gut ausgebautes öffentliches Netz aus U-Bahn, Straßenbahn und Bussen.
The Old Spaghetti Factory
54 The Esplanade
Toronto
www.oldspaghettifactory.net

In einer ehemaligen Schmiede werden in gemütlichem viktorianischen Ambiente sehr gute Pastagerichte serviert.
The Westin Harbour Castle
1 Harbour Square
Toronto
www.marriott.com/hotels/travel/yyzwi-the-westin-harbour-castle-toronto/

Direkt am Ufer des Ontariosees gelegen, die Innenstadt ist fußläufig erreichbar. Tiefgarage mit Valet-Parking direkt im Haus, 45 CAD (~ 30 EUR) pro Nacht. Gratis WLAN, das Frühstück haben wir nicht getestet.
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