Thousand Islands? Moment mal, ist das nicht eine Salatsoße? Auch das, ja. Die Erzählungen besagen, dass die Erfinderin dieses Dressings aus einer kleinen Ortschaft auf der amerikanischen Seite des St.-Lorenz-Stroms stammt. Von dort aus trat es seinen Siegeszug in die Küchen der Welt an. Die Thousand Islands sind aber auch ein echter Natur-Geheimtipp im Osten Kanadas. Nach unseren tollen Tagen in Toronto und bei den Niagarafällen begeben wir uns nun also unter anderem auf die Spuren der legendären Soße.

Tag 3: Von Toronto zu den Thousand Islands (ca. 300 km)

Am dritten Tag unserer Reise schließen wir jedoch zunächst unseren Stadtrundgang durch Toronto ab. Wir starten am Royal York Hotel, einem altehrwürdigen Hotel nahe der Union Station.

Royal York Hotel, Toronto
Die Lobby des Royal York Hotels

Anschließend bewegen wir uns durch den Financial District, vorbei am alten Rathaus weiter in Richtung „Altstadt“. Diese ist allerdings zum einen kaum vorhanden und zum anderen nicht wirklich sehenswert. Rasch marschieren wir also weiter zu unserem eigentlichen Ziel, dem Distillery District. Diese ehemalige Whisky-Brennerei wurde mittlerweile zu einem Vergnügungsviertel umfunktioniert. In den alten Industriehallen entdecken wir zahlreiche kleine Läden, Kaffeehäuser und Restaurants. Die Atmosphäre ist sehr gemütlich und wir verweilen ein wenig bei einem kanadischen Kaffee – Milchkaffee mit Ahornsirup.

Wenn ihr dann noch hungrig seid, empfiehlt sich ein Besuch im St. Lawrence Market. In dieser Kleinmarkthalle bieten Händler an unzähligen Ständen alle möglichen Leckereien an. Auf dem Weg dorthin kommen wir an Torontos „Flat Iron Building“ vorbei. Dieses ist zwar deutlich kleiner als das in New York, dafür aber mindestens genauso hübsch.

Mittags sind wir schließlich zurück und wollen nun aufs Boot. Direkt hinter unserem Hotel befindet sich der Anleger der Toronto-Island-Fähren. Die Toronto Islands sind eine kleine Inselgruppe unweit des Seeufers, die den Einwohnern Torontos als Naherholungsgebiet dient. Jetzt, Mitte Oktober, wird allerdings nur noch die Route nach Ward Island bedient. Das genügt uns vollkommen, uns geht es vor allem um die Aussicht von der Fähre. Also lösen wir für 7 Kanadische Dollar (CAD, ~ 4,70 EUR) pro Person ein Returnticket und legen direkt ab. Sehr eindrucksvoll breitet sich mit zunehmender Fahrt die Skyline vor uns aus.

Skyline Toronto
Torontos beeindruckende Skyline

Wir haben Glück, das Wetter reißt genau jetzt auf und die Stadt zeigt sich in ihrer ganzen Pracht. Auf Ward Island angelangt schauen wir uns kurz um, fahren dann aber mit der gleichen Fähre zurück aufs Festland.

Ward Island, Toronto
Auch auf Ward Island ist der Herbst schon angekommen.

Auf nach Osten: Kingston & Gananoque

Da wir nun ohnehin direkt beim Hotel sind, setzen wir uns gleich ins Auto und brechen zur nächsten Etappe auf. Unsere Fahrt führt uns durch malerische Herbstlandschaften und kleine kanadische Dörfer etwa 270 Kilomter ostwärts bis nach Kingston. Die Stadt liegt genau am Übergang des Ontariosees in den St.-Lorenz-Strom. Das machte sie zu Kolonialzeiten strategisch so bedeutend, dass sie zeitweise sogar die Hauptstadt der britischen Kolonie Kanada war. Deshalb gibt es dort noch einige historische Gebäude sowie das auf einer Anhöhe gelegene Fort Henry. Von dort aus haben wir einen sehr schönen Blick auf die umliegende Region.

Aussicht vom Fort Henry in Kingston
Das Fort Henry bei Kingston ist malerisch gelegen.

Nur 30 Kilometer weiter erreichen wir unser heutiges Etappenziel Gananoque. Das kleine Örtchen ist das Tor zu den Thousand Islands.

Seeblick, Gananoque
Zimmer mit Seeblick in Gananoque

Tag 4: Thousand Islands & Montreal (ca. 275 km)

Wir starten den Tag mit einem köstlichen kanadischen Frühstück und einem morgendlichen Spaziergang am See. Dann fahren wir noch knapp 20 Kilometer nach Rockport, einem von vielen Ausgangspunkten für eine Bootstour durch die 1000 Islands. Mit 24 CAD (~ 16 EUR) pro Person sind wir dabei und pünktlich um 10 Uhr legt das Schiff zur einstündigen Tour ab.

Herbstfarben - Thousand Islands
Auch der Blick zurück zum Festland überzeugt.

Die Thousand Islands sind eigentlich noch viel mehr. Weit über 1.800 kleine Inseln verteilen sich hier im St.-Lorenz-Strom. Sie gehören teils zu Kanada, teils zu den USA. Die Grenze verläuft relativ willkürlich irgendwo in der Mitte des Stromes. Deshalb gibt es hier zwischen zwei kleinen Inseln mit knapp 10 Metern Länge die kürzeste internationale Brücke der Welt. Sagt man. Genaue Messungen haben ergeben, dass eigentlich beide Inseln in Kanada liegen. Der Geschichte tut das keinen Abbruch, sie wird noch immer gerne erzählt.

Zavikon Island Bridge - Thousand Islands
Die vermeintlich kürzeste internationale Brücke der Welt

Eine wirkliche Besonderheit ist jedoch, dass wir ohne Passkontrolle in die USA einreisen dürfen. Das Schiff fährt ein gutes Stück der Strecke auf amerikanischem Staatsgebiet. Da wir nicht von Bord gehen, gibt es eine Ausnahmegenehmigung. Der Fluss ist somit die einzige Grenze der USA, die keine Grenzkontrolle erfordert.

Kleine Inseln - Thousand Islands
Inseln, soweit das Auge reicht.

Ebenfalls außergewöhnlich ist die hohe Zahl der bewohnten Inseln. Auf fast jedem Eiland steht zumindest ein kleines Haus, manchmal ist die Grundfläche des Hauses sogar identisch mit der Fläche der Insel. Der Großteil davon sind Sommerresidenzen mehr oder weniger betuchter Amerikaner und Kanadier, die Inselpreise reichen von 250.000 bis 10 Millionen Kanadischen Dollar.

In den meisten Fällen sind die Inseln – von dem darauf erbauten Blockhaus abgesehen – weitestgehend naturbelassen. So bietet sich uns einmal mehr ein fantastisches Farbspiel der herbstlichen Bäume. Eine Ausnahme bildet Heart Island mit dem Boldt Castle. Dieses im Stil einer mittelalterlichen Rheinburg erbaute Schlosshotel wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von einem aus Preußen stammenden Hotelier errichtet.

Boldt Island - Thousand Islands
Das preußische Boldt Castle auf Heart Island

Die Thousand Islands von oben

Zurück an Land wollen wir die landschaftliche Schönheit der Region auch von oben entdecken. Dazu fahren wir zum knapp zehn Kilometer entfernten 1000 Islands Skydeck, einem 130 Meter hohen Aussichtsturm. Für 11 CAD (~ 7,40 EUR) pro Person kommen wir mit dem Lift bis zur ersten Plattform.

Lichtspiele - Thousand Islands
Die herbstlichen Lichtspiele über den Inseln sind einfach herrlich.

Dort erwartet uns schon ein sehr netter Kanadier, um uns mit den wichtigsten Informationen rund um die Inseln zu versorgen. Danach geht es über ein paar Stufen zur zweiten und für uns direkt weiter zur dritten, obersten Plattform. Von dort bietet sich eine sagenhafte Rundumsicht auf die gesamte Region. Der Guide hatte uns unten erklärt, dass wir uns für den diesjährigen Indian Summer genau die richtige Woche ausgesucht haben. Das sehen wir nun auch noch einmal in ganzer Pracht.

Indian Summer - Thousand Islands
Der Indian Summer strahlt uns entgegen.

Noch immer begeistert von der tollen Aussicht treten wir die letzte Etappe an und erreichen nach weiteren 245 Kilometern am frühen Nachmittag Montreal.

Thousand Islands Bridge
Die Thousand Islands Bridge führt hinüber in die USA.

Montreal: Ein erstes Kennenlernen

Rasch eingecheckt und frischgemacht in unserem Hotel starten wir am Nachmittag mit der Erkundung Montreals. Unser erstes Ziel ist der Mont Royal, ein 233 Meter hoher Hügel im Zentrum der Stadt. Der Aufstieg über zahlreiche Stufen und durch einen bunten Herbstwald ist schweißtreibend, aber sehr schön. Oben angekommen werden wir von der Aussichtsplattform mit einem fantastischen Blick auf die Skyline von Montreal belohnt.

Skyline von Montreal
Die herbstliche Skyline von Montreal

Wir spazieren wir noch ein bisschen entlang des Gipfels und machen uns dann auf den Weg nach Downtown Montreal. Heute Abend wollen wir eine lokale Spezialität kosten: Smoked Meat Sandwich. Das Montreal-style smoked meat wird mit einer speziellen Gewürzmischung geräuchert. Anschließend wird es in reichhaltiger Menge auf einem Sandwich serviert, garniert mit Pommes und Coleslaw – yummy!

Herbstlaub Mont Royal, Montreal
Herbstlaub am Mont Royal

Gut gesättigt treten wir den Rückweg zum Hotel an. Diesmal entscheiden wir uns für die unterirdische Variante. Unterhalb des Straßenniveaus liegt die Ville Souterraine. Dieses System von Passagen, Einkaufszentren und Verbindungstunneln ermöglicht es, fast die ganze Stadt unterirdisch zu durchqueren.

Wieder gehen zwei erfüllte Tage zu Ende und Ostkanada gefällt uns weiterhin sehr gut. Morgen wollen wir uns dann genauer in Montreal umsehen. Mehr dazu im nächsten Beitrag.

Unsere komplette Route findet ihr hier:


 
Für die Thousand Islands Cruises gibt es eine Vielzahl von Anbietern, die von verschiedenen Orten aus starten.

Für die restlichen Strecken ist ein Mietwagen aus unserer Sicht die einzige sinnvolle Alternative.
Balzac's Coffee Roasters
Distillery District
1 Trinity Street
Toronto
www.balzacs.com

Gemütliches Kaffeehaus im Industriestil mit gutem Kaffee und einer großen Auswahl an Süßspeisen.
Reuben's Deli & Steaks
1116 Sainte-Catherine W.
Montreal
reubensdeli.com

Hippes Lokal in Downtown Montreal mit hervorragendem Smoked Meat Sandwich.
The Gananoque Inn & Spa
550 Stone Street South
Gananoque
www.gananoqueinn.com

Komfortables Bed & Breakfast/Hotel mit sehr gutem Restaurant. Parkplätze direkt vorm Haus, gutes Frühstück, gratis WLAN.
Delta Montreal Hotel
475 President-Kennedy Avenue
Montreal
www.marriott.de

Schönes, modernes Hotel in Downtown Montreal. Tiefgarage im Gebäude, gratis WLAN.

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4 Kommentare

  1. Das Flat-Iron-Building in Kanada ist ja noch cooler als das in New York finde ich. Auch die kleinen Häuschen auf den Inseln sind total süß! Wenn ich ein gut betuchter Ami oder Kanadier wäre, könnte man schon an sowas denken :)
    Viel Spaß weiterhin auf eurer Reise und lass noch ein bisschen hören, was das Land kulinarisch so zu bieten hat.
    Eva

    • Vielen Dank! Das Flat Iron Building mochte ich auch sehr :)

      Kulinarisch gibt es eigentlich nur wenig typisch Kanadisches, wo immer wir aber etwas finden, testen wir es natürlich :) Was ich z. B. sehr mag, sind Kekse mit Ahornsirupcreme in Ahornblattform, die ich für unterwegs gekauft hab. Außerdem sehr interessant: Spruce Beer, eine Limo, die aus Fichtennadeln hergestellt wird. Slogan: „don’t waste that Christmas tree, turn it into spruce beer.“ :D

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