Zwei Wochen Patagonien: Von Buenos Aires bis Santiago de Chile

Südamerika Zwei Wochen Patagonien: Von Buenos Aires bis Santiago de Chile

Traumziel, Sehnsuchtsort, Naturparadies. Feuerland, majestätische Gletscher und die endlosen Weiten der Pampa — Patagonien steht bei vielen Reisenden hoch oben auf der Wunschliste. So auch bei uns, weswegen wir uns 2019 diesen Reisetraum erfüllt haben. Doch was gehört eigentlich alles zu Patagonien, wo liegt das genau und was gibt es dort zu sehen? Wir stellen dir die wunderschöne Region anhand unserer zweiwöchigen Reiseroute näher vor. Detaillierte Berichte zu den einzelnen Stationen werden wir nach und nach verlinken, hier erst einmal die Route in der Übersicht:

Patagonien ist ein Sammelbegriff für den südlichen Teil des südamerikanischen Kontinents und nicht genau definiert. Eine grobe Orientierungslinie ist der 40. Breitengrad Süd. Ab hier beginnen die vielfältigen patagonischen Landschaften, verteilt auf Argentinien und Chile. Ihren Abschluss finden sie knapp 2.000 Kilometer weiter südlich am berühmt-berüchtigten Kap Hoorn, der Südspitze Südamerikas.

Ausgangspunkt Buenos Aires

Buenos Aires gehört genau genommen nicht zu Patagonien und liegt etwa 500 Kilometer nördlich davon. Allerdings ist die argentinische Hauptstadt ein guter Einstiegspunkt für eine Reise ins südliche Südamerika. Aus Europa kommend findest du von hier Anschlussflüge zu fast allen patagonischen Zielen. Ein kurzer Aufenthalt bietet sich also an.

Aussicht vom Turm des Palacio Barolo in Buenos Aires
Aussicht vom Turm des Palacio Barolo

Die Stadt selbst hat rund drei Millionen Einwohner, im Ballungsraum leben weitere zehn Millionen. Buenos Aires ist ein sehr facettenreiches Reiseziel. Die quirlige Altstadt San Telmo, das Künstlerviertel La Boca oder das relativ neue Hafenviertel Puerto Madero – sie alle haben ihren Reiz.

Uferpromenade im Viertel Puerto Madero
Puerto Madero ist das jüngste Stadtviertel von Buenos Aires.

Berühmt ist Buenos Aires außerdem für den Tango. Setz dich gemütlich mit einem Glas Wein in ein Straßenlokal und sieh den leidenschaftlichen Tänzern zu.

Tangoabend auf der Plaza Dorrego in der Altstadt San Telmo
Ein Tangoabend auf der Plaza Dorrego in der Altstadt San Telmo

Ushuaia und Feuerland

Dreieinhalb Flugstunden sind es von Buenos Aires ans südliche Ende des Kontinents. Ushuaia liegt an der Südküste Feuerlands (Tierra del Fuego) und ist mit etwas über 60.000 Einwohnern eine der südlichsten Städte unseres Planeten. Die Antarktis ist nur noch gut 1.000 Kilometer entfernt, weshalb die Bewohner ihre Heimat liebevoll „das Ende der Welt“ nennen.

Schild mit der Aufschrift "Ushuaia - Das Ende der Welt"
Ushuaia – Das Ende der Welt

Nationalpark Tierra del Fuego

Ein paar Kilometer westlich von Ushuaia liegt der Tierra-del-Fuego-Nationalpark. Hier bekommen wir einen ersten Einblick in die raue, aber wunderschöne Natur Feuerlands. Mit bis zu 70 km/h bläst uns der Wind um die Ohren, eine leichte Brise für die Einheimischen.

Steg im Tierra-del-Fuego-Nationalpark mit Blick auf die chilenischen Inseln
Die vorgelagerten Inseln gehören zu Chile, hier ist Argentinien also zu Ende.

Die Temperaturen sind mit um die 10 Grad als hochsommerlich zu bezeichnen, die Vegetation steht in voller Pracht und wir verbringen einen wunderbaren Tag.

Bucht des Beagle-Kanals im Tierra-del-Fuego-Nationalpark
Heute ist gutes Wetter, daher ist das Wasser des Beagle-Kanals glatt und ruhig.

Eine Fahrt auf dem Beagle-Kanal

Feuerland ist eine Inselgruppe und nicht mit dem südamerikanischen Festland verbunden. Der Archipel besteht aus Tausenden größeren und kleineren Inseln, die von verästelten Meeresarmen und Fjorden durchzogen sind. Am südlichen Ende der Hauptinsel Isla Grande existiert eine durchgängige Verbindung vom Pazifik zum Atlantik: der Beagle-Kanal. Bei einer Bootsfahrt lernen wir insbesondere die vielfältige Tierwelt der Wasserstraße kennen.

Kormorane und Robben auf der Leuchtturminsel im Beagle-Kanal
Auf der Leuchtturminsel tummeln sich unzählige Kormorane und gut getarnte Robben.

Unzählige Seevögel bevölkern die kleinen Inseln im Kanal , darunter bekannte Vertreter wie Kormorane und Albatrosse. Wo etwas mehr Platz auf den Felsen ist, gesellen sich Robben dazu und liegen faul in der Sonne.

Kormorane und eine Robbe im Beagle-Kanal
Kormorane und eine Robbe

Eine Besonderheit bietet die Isla Martillo, sie beherbergt mehrere Pinguinkolonien. Magellanpinguine, Eselspinguine und sogar ein paar wenige Königspinguine, die sonst nur südlich des Südpolarkreises leben – sie alle finden auf der Insel ideale Nistbedingungen vor.

Pinguine auf der Isla Martillo
Eselspinguine haben einen roten Schnabel, Königspinguine einen orangefarbenen Fleck hinter den Ohren.

Wir haben ausgesprochenes Glück, unterwegs tauchen plötzlich sogar noch mehrere Buckelwale neben dem Schiff auf. Für Naturliebhaber ist Feuerland also eine ideale Station auf einer Patagonienreise. Ausführlichere Infos findest du in unserem Blogbeitrag Ushuaia und Feuerland: Zwei Tage am Ende der Welt.

In der Pampa bei El Calafate

Wir verlassen das subantarktische Feuerland und fliegen ins 600 Kilometer weiter nördlich gelegene El Calafate. Das kleine Städtchen liegt am unglaublich blauen See Lago Argentino inmitten der berühmten Pampa, Argentiniens endloser Steppe.

Blick auf den Lago Argentino
Der spezielle Blauton des Lago Argentino entsteht durch Gletschersedimente.

Ihren Namen bekam die Stadt vom Calafate-Strauch. Er wächst in ganz Patagonien und trägt blaue Beeren, die unseren Heidelbeeren ähneln. Die Legende besagt, wer einmal Calafate-Beeren isst, kommt wieder nach Patagonien zurück. Das probieren wir natürlich, auch wenn die Beeren noch nicht ganz reif sind.

Fast verdorrter Calafate-Strauch in der Pampa
Ein fast verdorrter Calafate-Strauch in der Pampa. Im Hintergrund der Lago Argentino

Bei einer Jeepsafari durch die umliegenden Berge erfahren wir mehr über die Flora und Fauna der Region. Es dauert nicht lange und wir begegnen Guanakos, wildlebenden Lamas. In der Ferne sehen wir die ersten Nandus, straußenähnliche Laufvögel und sind fasziniert von der Weitläufigkeit der Berglandschaften. Mehr Details erzählen wir dir in unserem Reisebericht Mit dem Jeep durch die Pampa: Ein Tag in El Calafate.

Guanakos in der Pampa
Guanakos sind Herdentiere und ziemlich scheu.

Nationalpark Los Glaciares und Perito Moreno

El Calafate ist zudem Ausgangspunkt für den Nationalpark der Gletscher (Parque Nacional Los Glaciares). Dieser umfasst weite Teile des südlichen patagonischen Eisfelds (Campo de Hielo Sur). Das Gletschergebiet ist ein Überbleibsel der letzten Eiszeit und bedeckt eine Fläche in etwa so groß wie Nordirland. Zahlreiche Gletscher bahnen sich aus den Anden ihren Weg durch den Park, der bekannteste davon ist der Perito-Moreno-Gletscher.

Abbruchkante des Perito-Moreno-Gletschers in Patagonien
Vom Gletscher abgebrochene Stücke treiben dann als Eisberg durch den See

Er ist einer der wenigen Gletscher weltweit, der nicht schrumpft, sondern in manchen Wintern sogar leicht wächst. Seine gut fünf Kilometer lange Abbruchkante schiebt sich über einen Seitenarm des Lago Argentino und gibt ein beeindruckendes Bild ab.

Wanderstege entlang des Perito-Moreno-Gletschers
Wanderstege führen durch den Wald nahe an den Gletscher heran.

Immer wieder knackt und kracht es laut irgendwo im Inneren des Gletschers, der sich konstant bewegt. Mehrmals können wir beobachten, wie der Gletscher „kalbt“. Riesige Eisbrocken lösen sich von der bis zu 70 Meter hohen Kante und stürzen mit großem Getöse ins Wasser, ein beeindruckendes Erlebnis.

Eisbrücke des Perito-Moreno-Gletschers
Durch die Kräfte des Eises und des Sees entstehen beeindruckende Brückenformationen.

Nationalpark Torres del Paine

Nun lassen wir Argentinien hinter uns und überqueren die Grenze nach Chile. Dort erwartet uns der spektakuläre Nationalpark Torres del Paine. Er erstreckt sich rund um das Paine-Bergmassiv und ist sehr vielfältig. Bekannt ist der Park vor allem für seine namensgebenden Granittürme, die „Torres“. Darüber hinaus gibt es aber deutlich mehr zu entdecken.

Die drei berühmten Granittürme von Torres del Paine über der Blauen Lagune
Die drei berühmten Granittürme über der Blauen Lagune (Laguna Azul)

Trockene Tundralandschaften, mehrere Seen in verschiedenen Blautönen, Wasserfälle, zerklüftete Felsformationen, die Eismassen des Grey-Gletschers – alleine hier könnte man vermutlich zwei Wochen zubringen und hätte noch nicht alles gesehen.

Blick auf die Hörner von Paine
Blick auf die „Hörner von Paine“ (Los Cuernos del Paine)

Wir sind jedenfalls schwer begeistert und können uns gar nicht an der wunderbaren Natur sattsehen. Aus unserer Sicht ist der Torres-del-Paine-Nationalpark ein absolutes Muss auf einer Patagonienreise.

Das Paine-Massiv ist eines der Highlights in Patagonien
Das Paine-Massiv in der Morgensonne

Auf dem Weg nach Punta Arenas

Wehmütig werfen wir noch einen letzten Blick auf das Paine-Massiv, bevor wir unseren Weg nach Süden fortsetzen. Bald kommen die ersten Fjorde der chilenischen Küste ins Blickfeld. Das offene Meer ist zwar noch fast 200 Kilometer entfernt, die weitverzweigten Meeresarme reichen jedoch bis weit ins Landesinnere hinein.

Estancia mit Salzwasserfjord
Dieser Fjord bei einer Estancia führt bereits Salzwasser.

Schließlich erreichen wir Punta Arenas und treffen eine alte Bekannte wieder. Die Stadt liegt an der Magellanstraße, wo das südamerikanische Festland endet. Gegenüber in der Ferne sehen wir die Umrisse Feuerlands.

Blick auf die Magellanstraße
Hier endet das südamerikanische Festland. Im Hintergrund Feuerlands Silhouette.

Punta Arenas selbst gibt nicht allzu viel her, es ist allerdings momentan noch der nächste Flughafen zum Torres-del-Paine-Nationalpark. Wenn du dich für Geschichte interessierst, ist das Nao-Victoria-Museum einen Besuch wert. Hier steht unter anderem ein originalgetreuer Nachbau der Nao Victoria. Mit diesem Schiff brach Magellan damals zu seiner Weltumsegelung auf. Eine gewisse Portion Wahnsinn gehörte schon dazu, vor 500 Jahren mit einer solchen Nussschale in See zu stechen. Magellan selbst sollte die Reise schlussendlich auch mit seinem Leben bezahlen. Seine Erkenntnisse und Entdeckungen waren jedoch von unschätzbarem Wert für die damalige Schifffahrt.

Originalgetreues Modell der Nao Victoria, Magellans Schiff bei seiner Weltumsegelung
Mit diesem Schiff kann man tatsächlich die Welt umsegeln.

Das chilenische Seengebiet rund um Puerto Varas

Nun machen wir einen gewaltigen Sprung und fliegen ins fast 1.500 Kilometer weiter nördlich gelegene Puerto Montt. Von hier ist es nur eine kurze Fahrt ins chilenische Seengebiet. Unsere Unterkunft befindet sich in Puerto Varas, dem touristischen Zentrum der Region. Das kleine Städtchen liegt direkt am Llanquihue-See, der in etwa so groß ist, wie die Stadt Berlin. Von hier aus kannst du mehrere Orte erkunden.

Stromschnellen des Petrohue-Flusses
Wild rauscht der Petrohué durch die Stromschnellen.

Zum Beispiel die Stromschnellen des Petrohué-Flusses, der sich auf seinem Weg zum Meer tief in die Berge hineingegraben hat. Er entwässert den schönen Allerheiligensee, den du per Boot besser kennenlernen kannst. Nimm dich jedoch in Acht vor den aufdringlichen Stechfliegen, die vor allem im Januar ihr Unwesen treiben.

Blick über den Allerheiligensee
Die Berge rund um den Allerheiligensee sind bereits Teil der Andenkette.

Ein klares Highlight des Seengebiets war für uns der Besuch des Vulkans Osorno. Wie sein nahegelegener Kollege Calbuco ist auch der Osorno noch aktiv, ruht aber derzeit. Ähnlich dem japanischen Mount Fuji ragt er schneebedeckt über dem See in die Höhe.

Blick auf den Osorno vom anderen Seeufer
Majestätisch ragt der Osorno über dem Llanquihue-See empor.

Von oben hast du eine fantastische Aussicht über die umliegende Region. Die schwarze Vulkanasche und die rötliche Erde bilden zudem einen tollen Kontrast zum weißen Schnee.

Aussicht vom Vulkan Osorno
Auf den Osorno kommst du gemütlich mit dem Sessellift.

Abschluss in Santiago de Chile

Unsere letzte Station ist Santiago de Chile. Die chilenische Hauptstadt
gehört zwar nicht mehr zu Patagonien, sie hat aber den nächstgelegenen internationalen Flughafen und passt somit gut in die Route. Rund fünf Millionen Menschen leben hier zu Füßen der Anden. Nach so viel schöner Natur müssen wir uns erst mal wieder an die Großstadt gewöhnen.

Gran Torre Santiago
Der Gran Torre Santiago ist mit 300 Metern Höhe Südamerikas höchstes Gebäude.

Bei einem ausgedehnten Spaziergang erkunden wir Santiagos Zentrum, so richtig Eindruck schindet die Stadt bei uns aber nicht.

Plaza de Armas und Kathedrale in Santiago de Chile
Der Hauptplatz Plaza de Armas mit der Kathedrale

Empfehlenswert ist hingegen der Besuch eines der zahlreichen Weingüter, die rund um Santiago verteilt sind. Neben der schönen landschaftlichen Lage kommst du bei einer Verkostung in den Genuss verschiedener chilenischer Weine. So lassen wir unsere Reise gemütlich ausklingen.

Weinreben und Blumen auf einem Weingut in Chile
Idyllische Weinlandschaft in Chiles Weinbauregion

Zwei Wochen Patagonien – Ein Fazit

Patagonien ist ein fantastisches Reiseziel! Die Vielfältigkeit der Landschaft, die unterschiedlichen Klimazonen und die atemberaubenden Naturdenkmäler machen eine Reise in den Süden Südamerikas sehr abwechslungsreich. Zwei Wochen reichen gerade so, um die Highlights Patagoniens zu entdecken. Wenn du lieber mehr auf dem Landweg unterwegs bist oder länger an den einzelnen Stationen bleiben möchtest, solltest du entsprechend mehr Zeit einplanen.

Sei dir auf jeden Fall bewusst, dass das Klima in Patagonien eine Herausforderung sein kann. Es ist immer windig und regnet viel. Mehrmals hören wir von den Leuten vor Ort „In Patagonien kannst du alle vier Jahreszeiten an einem Tag erleben“. Wind- und wetterfeste Kleidung im Zwiebelprinzip dürfen in deinem Gepäck also nicht fehlen, wenn du die Schönheit der Region unbeschwert genießen möchtest.

Blick auf den Aconcagua aus dem Flugzeug
Abschied von Patagonien mit Blick auf den Aconcagua, Südamerikas höchsten Berg.
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6 Kommentare

  1. Wunderschöne Eindrücke!! 😍 Vor allem diese Eisgletscher sind echt richtig beeindruckend! Aber ich würde schon alleine der süßen Pinguine und Robben wegen sofort die Koffer packen. <3 Danke fürs virtuelle Mitnehmen! :)
    Viele liebe Grüße
    Julie

    • Danke dir, liebe Julie! Ja, es war glaube ich ganz gut, dass wir die Inseln nicht betreten durften, sonst wären wir vielleicht auch in Versuchung gekommen ;)

      Ganz liebe Grüße
      Wolfgang

    • Hallo Amy,

      vielen Dank! :) Wir waren insgesamt 2,5 Tage in Torres del Paine, hätten es aber sicher noch 1-2 Tage ausgehalten. Vor allem, wenn du richtig in die Berge wandern gehen willst, brauchst du die Zeit auch.

      Gleich außerhalb des Nationalparkeingangs gibt es eine kleine Siedlung mit mehreren Unterkünften in verschiedenen Preislagen. Dort haben wir gewohnt. Unser Hotel war die Pampa Lodge mit tollem Blick auf die Berge.

      Wenn du noch Fragen hast, sag gerne Bescheid!

      Liebe Grüße
      Wolfgang

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