„My house in Budapest, my hidden treasure chest…“, so singt George Ezra in seinem Hit „Budapest“ aus dem Jahr 2014. Auch wenn der Sänger zu diesem Zeitpunkt selbst noch gar nicht in Budapest war, so ahnte er wohl doch schon, was ihn dort möglicherweise erwarten könnte. In der Tat hat die ungarische Hauptstadt nicht nur ein schönes Haus zu bieten, sondern sehr viel mehr. 24 Stunden in Budapest, das klingt nicht lange. Dennoch ist es möglich, auch in dieser relativ kurzen Zeit einen guten Überblick über die Stadt zu bekommen. Was ihr dabei nicht versäumen solltet, haben wir uns näher angesehen.

Der Einstieg: Ein Spaziergang entlang der Donau

Budapest besteht aus den beiden namensgebenden Stadtteilen Buda westlich und Pest östlich der Donau. Da sich unser Hotel in letzterem befindet, starten wir hier mit unserer Erkundung. Unser erster Weg führt uns zum Donauufer. Majestätisch erhebt sich vor uns die Kettenbrücke und auf der gegenüberliegenden Flussseite der Burgberg.

Donauufer in Budapest
Vom Donauufer ist der Blick auf den Burgberg besonders schön.

Gemütlich schlendern wir ein Stück entlang des Flusses ehe wir abrupt an das wohl dunkelste Kapitel der europäischen Geschichte erinnert werden. 60 Paar metallener Schuhe stehen hier am Kai. Sie erinnern symbolisch an die Ermordung unzähliger jüdischer Ungarn, die während des Zweiten Weltkriegs erschossen und in die Donau geworfen wurden.

Mahnmal "Schuhe am Donauufer"
Das Mahnmal „Schuhe am Donauufer“ erinnert an die Gräueltaten der Pfeilkreuzler, einem Satellitenregime des dritten Reichs.

Die unglaubliche Grausamkeit dieser Verbrechen ist für mich einfach nicht zu fassen. Nachdenklich verweilen wir ein wenig, bevor wir unseren Rundgang fortsetzen.

Ein kurzes Stück weiter kommen wir zu einem der Wahrzeichen Budapests: Dem wunderbaren Parlamentsgebäude. Unzählige Türmchen, Bögen und Verzierungen schmücken den Bau. Die zahlreichen Säle können im Rahmen von Führungen auch von innen besichtigt werden. Als EU-Bürger gibt es sogar 50 % Rabatt auf den Eintrittspreis. Wenn ihr eine Besichtigung plant, solltet ihr euch rechtzeitig online um Karten bemühen, da diese sehr begehrt sind. Uns genügt jedoch der imposante Blick von außen.

Parlamentsgebäude
Das beeindruckende Parlamentsgebäude

Erzsébetváros (Elisabethstadt): Das jüdische Viertel

Direkt hinter dem Parlament fährt die Straßenbahnlinie 2, die uns zurück nach Süden zum Platz des 15. März bringt. Von hier bummeln wir ein wenig über die Haupteinkaufsstraße Váci utca und dann weiter zur Synagoge im jüdischen Viertel.

Synagoge
Die Synagoge in Budapest ist die größte in Europa.

Nun tauchen wir tiefer in die Elisabethstadt ein. Zwischen zahlreichen Gebäuderuinen hat sich hier ein sehr lebhaftes Viertel entwickelt. Tagsüber lohnt es sich, einfach ein wenig durch die Gassen zu schlendern. Viele Hauswände sind mit beeindruckenden Street-Art-Kunstwerken verziert und wir fühlen uns fast ein bisschen wie in New York.

Abends ist das Viertel rund um die Kazinczy utca eine beliebte Ausgehmeile. Insbesondere rund um den Gozsdu-Hof (Gozsdu Udvar) befinden sich zahlreiche Pubs, Lokale und Restaurants. Im Hof gibt es einen kleinen Markt, auf dem von Polaroid-Kameras über Blechschilder und Kunst bis hin zu Pelzkappen alles mögliche feilgeboten wird.

Millenniumi Földalatti: Die zweitälteste U-Bahn der Welt

Nur ein paar Seitenstraßen weiter verlassen wir das jüdische Viertel wieder und tauchen in eine ganz andere, mondänere Welt ein. Die Andrássy út ist die Luxusshoppingmeile der Stadt, auf der sich ein Designerladen an den nächsten reiht. Hier steht auch die prunkvolle ungarische Staatsoper (Magyar Állami Operaház).

Die ungarische Staatsoper
Die ungarische Staatsoper

Direkt vor dem Opernhaus steigen wir hinab in die Vergangenheit. Bereits seit 1896 verkehrt hier die U-Bahn (Földalatti) M1. Das macht sie zur ältesten U-Bahn Kontinentaleuropas und nach der Londoner Tube zur zweitältesten überhaupt. Die denkmalgeschützten Stationen machen auch heute noch einiges her.

U-Bahn-Station in Budapest
Die Stationen der M1 wurden nahezu im Originaldesign erhalten.

Wir fahren fünf Stationen in nordöstlicher Richtung bis zum Heldenplatz (Hősök tere). Allen Helden der ungarischen Geschichte gewidmet, bildet dieser Platz den Einstieg in das Stadtwäldchen (Városliget). Eine Burg, die größte Therme Europas (das Széchenyi-Heilbad) ein Zoologisch-Botanischer Garten und einige weitere Vergnügungseinrichtungen sind in diesem weitläufigen Park verstreut.

Heldenplatz in Budapest
Der Heldenplatz, dahinter das Stadtwäldchen

Kaffeehaus und ungarische Spezialitäten

Uns steht der Sinn nun aber eher nach etwas Kulinarischem. Mit der M1 rumpeln wir also zurück bis zum zentralen Vörösmarty-Platz. Gleich neben dem U-Bahn-Aufgang steht das Café Gerbeaud. In diesem riesigen Kaffeehaus testen wir das lokale Torten- und Kaffeeangebot. Wenn einen die Touristenpreise nicht abschrecken, lässt es sich hier vorzüglich schlemmen.

Café Gerbeaud in Budapest
Das traditionsreiche Café Gerbeaud

Frisch gestärkt schlendern wir zurück zum Hotel, wo wir uns noch ein wenig ausruhen. Zu guter Letzt lassen wir den Abend bei köstlichen ungarischen Speisen mit Live-Musik ausklingen und erfreuen uns auf dem Rückweg an der wunderschön beleuchteten Uferpromenade.

Beeindruckende Aussichten: Der Burgberg

Für heute steht Buda auf dem Programm, also der Stadtteil jenseits der Donau. Bevor wir den Fluss überqueren, machen wir jedoch noch einen kurzen Abstecher zur St.-Stephans-Basilika, Budapests größter Kirche. Außer einer Besichtigung des reich geschmückten Innenraums gibt es hier noch die Möglichkeit, in die Kuppel hinaufzufahren oder zu gehen. Da wir als nächstes aber ohnehin auf den Burgberg mit Aussicht fahren, sparen wir uns die Warteschlange.

Nun geht es aber wirklich nach Buda. Wir überqueren die Kettenbrücke und genießen schon ein paar tolle Blicke auf die Donau und die umliegenden Gebäude.

Um auf den Burgberg zu gelangen gibt es mehrere Möglichkeiten. Ihr könnt entweder einfach zu Fuß gehen oder mit der Buslinie 16A hochfahren. Die dritte Möglichkeit ist die historische Standseilbahn Sikló. Seit 1870 verrichtet sie hier schon ihren Dienst und ist somit natürlich die bei Touristen beliebteste Variante. Das wollen wir selbstverständlich auch ausprobieren. Für 1.800 Forint (HUF, ~ 5,90 EUR) pro Person sind wir mit einer Berg- und Talfahrt dabei. Schon nach kurzer Wartezeit geht es los und wir zuckeln gemütlich den Berg hinauf.

Sikló in Budapest
Gemächlich fährt die Sikló den Burgberg hinauf und hinunter.

Oben angekommen gibt es einiges zu entdecken. Linker Hand das Areal des Burgpalasts, rechter Hand das Burgviertel sowie die Fischerbastei mit der Matthiaskirche. Wir starten mit dem Burgpalast. Heute wird das riesige Gebäude hauptsächlich als Museum genutzt. Bautechnisch sehr interessant können hier die unterschiedlichen Epochen gut nachvollzogen werden. Der heutige Prachtbau wurde einfach auf die ursprüngliche Burg aufgesetzt. Im Rahmen des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg wurden diese Reste wieder freigelegt und können heute auch besichtigt werden.

Lässt man den Blick in die andere Richtung schweifen entfaltet sich Budapest in seiner ganzen Pracht. Von hier oben haben wir einen fantastischen Ausblick über die Stadt. Der Blick reicht weit in alle Richtungen und lässt die wahren Ausmaße der 1,7 Millionen Einwohner zählenden Stadt erahnen.

Wir spazieren weiter auf die andere Seite des Burgbergs. Hier thront die Fischerbastei über der Stadt. Ihre schneeweißen Spitztürme wirken fast wie aus einem Märchenschloss und die Aussicht ist auch von hier gigantisch. Abgerundet wird das Bild von der Matthiaskirche mit ihrem bunten Dach. Das ganze Ensemble könnte auch direkt einem Disney-Film entsprungen sein und ist einfach schön.

Noch mehr Aussicht: Der Gellértberg

Wir rumpeln mit der Sikló den Berg wieder hinunter und steigen unten am Fluss in die Straßenbahnlinie 19 Richtung Süden. 3 Stationen sind es bis zum Szent Gellért tér. In erster Flusslage steht hier der Gellértkomplex. Neben einem altehrwürdigen Hotel gehört dazu auch die berühmte (und dank eines deutschen Versicherers auch ein wenig berüchtigte) Gellérttherme. Wir wollen zwar heute nicht baden gehen, der Jugendstilbau ist aber auch so sehr schön anzusehen.

Direkt gegenüber der Therme beginnt über unzählige Stufen der schweißtreibende Aufstieg auf den Gellért-hegy. 235 Meter ragt dieser Berg direkt an der Donau empor. Grund genug für die Habsburger, hier eine Zitadelle zu errichten. Man wollte die ungarischen Freiheitskämpfer nach der Revolution von 1848/49 gut sichtbar daran erinnern, wer das Sagen hat. Letztlich ohne Erfolg, kurz vor Ende des 1. Weltkriegs 1918 erklärte Ungarn seinen Austritt aus der Donaumonarchie. Im 2. Weltkrieg war die Zitadelle dann noch einmal hart umkämpft. An die Befreiung durch die Sowjets erinnert die Freiheitsstatue, die vor dem Bollwerk steht. Heute ist der Berg ein beliebtes Ausflugsziel. Zum einen wegen der Natur, zum anderen wegen der Aussicht über die Stadt. Aus unserer Sicht steht die Anstrengung jedoch nicht wirklich im Verhältnis zum Gebotenen, sodass wir diesen Ausflug klar als optional einstufen.

24 Stunden in Budapest: Es lohnt sich!

Wir steigen wieder hinab in Richtung Elisabethbrücke und machen uns auf den Rückweg zum Keleti pályaudvar, dem Ostbahnhof. Unsere 24 Stunden in Budapest sind schon wieder um und sehr begeistert von dieser tollen Stadt treten wir unsere Rückreise an. Budapest bietet wirklich für jeden etwas, sei es Shopping, Kultur, Sightseeing oder anderes. Ein Besuch lohnt sich also auf alle Fälle! Die Anreise ist einfach. Vom internationalen Flughafen gibt es zahlreiche Verbindungen in alle Welt und mit dem österreichischen Railjet ist über Wien eine direkte Schnellzuganbindung bis nach München gegeben.

Das einzig komplizierte an einer Reise nach Budapest ist die Landessprache. Außer einer entfernten Verwandschaft mit Finnisch und Estnisch weist Ungarisch keine Ähnlichkeit mit anderen europäischen Sprachen auf. 18 bis 40 grammatikalische Fällen (da sind sich Sprachforscher noch uneinig) machen dem Lernenden das Leben schwer. Eine Gemeinsamkeit mit dem Deutschen gibt es aber doch: Neue Wörter entstehen durch das Zusammensetzen von anderen Wörtern. Konstruktionen wie folyamatellenőrzésiügyosztályveze­tőhelyettesképesítésvizsgálat oder legeslegmegvesztegethetetlenebbeknek sind also ohne Weiteres möglich und machen mir die Sprache sehr sympathisch, auch wenn ich kein Wort verstehe.

Mein besonderer Dank für diese Reise gilt dem Team vom OTP Travel Lufthansa City Center, die uns bei der Planung und Organisation der Reise sehr großzügig unterstützt haben! – Köszönöm szépen OTP Travel for your generous support in organising this trip!

Das öffentliche Verkehrsnetz in Budapest ist sehr gut. 4 U-Bahnlinien sowie zahlreiche Straßenbahn- und Busverbindungen machen die Erkundung der Stadt sehr einfach. Eine Einzelfahrt kostet 350 HUF (~ 1,10 EUR). Wir hatten ein 24-h-Ticket um 1.650 HUF (~ 5,40 EUR), das die unbegrenzte Nutzung aller Verkehrsmittel für echte 24 Stunden erlaubt. Weiters gibt es noch ein 72-h- und ein Wochenticket.

Viele Strecken sind wir jedoch einfach zu Fuß gegangen, da die Distanzen im touristischen Zentrum überschaubar sind.
Aszú Étterem
Sas utca 4
1051 Budapest
www.aszuetterem.hu

Gehobene ungarische Küche in modernem Ambiente mit guter Live-Musik.

Aszú Étterem in Budapest
Aszú Étterem in Budapest
InterContinental Budapest
Apáczai Csere János utca 12-14
1052 Budapest
budapest.intercontinental.com

Zwar etwas angestaubt, die Lage direkt an der Donau ist aber kaum zu toppen. Ausladendes Frühstücksbuffet, Gratis W-LAN.
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2 Kommentare

  1. Lieben Dank für die tolle Übersicht von Budapest! Für mich geht es im Juni für ein verlängertes Wochenende dorthin und ich freue mich schon riesig! Wollen wir doch mal sehen, wie ich dann mit der komplizierten Landessprache zurecht komme 🙂

    Lieber Gruß,
    Anja

    • Ein verlängertes Wochenende kannst du in Budapest auf jeden Fall super füllen. Ich hoffe, du hast eine tolle Zeit dort! Es spricht eigentlich jeder Englisch, insofern brauchst du die Sprache nur, um Schilder zu lesen. 😉

      Liebe Grüße
      Wolfgang

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