Die Wellen schwappen gemächlich ans Seeufer, die Sonne lacht vom wolkenlosen Himmel und wir betreten über eine knarzende Gangway das kleine Fährschiff. Der Motor startet und unsere Sitze beginnen, leicht zu vibrieren. Fahrtwind kommt auf. Vor uns breitet sich der heute sehr ruhige und glatte See aus und im Hintergrund erheben sich majestätisch die Alpen. Langsam nähern wir uns dem Ostufer des Lago Maggiore und die Klippen von Rozzoni nehmen allmählich Form an. Nach kurzer Zeit können wir bereits das in den Steilhang eingenistete Kloster Santa Caterina ausmachen, das hier schon seit über 700 Jahren auf einem Felsvorsprung thront.

Nachdem wir am Tag zuvor Mailand erkundet haben, sind wir heute mit unserem Mietwagen bei fantastischem Wetter auf dem Weg in Richtung Norden, um die oberitalienischen Seen etwas näher zu erkunden.

Der Lago Maggiore

Nach etwa einer Stunde Fahrzeit erreichen wir bei Arona den Lago Maggiore. Entlang der kurvigen Küstenstraße fahren wir weiter in Richtung Norden und genießen immer wieder tolle Ausblicke auf den See bis wir in Stresa ankommen. Hier parken wir unser Auto (Parkschein muss vorab am Automaten gelöst werden), um eine Bootsfahrt auf dem See zu unternehmen. Achtung Touristenfalle: Auf dem Parkplatz steht ein kleines Häuschen mit im Seemannslook angezogenen Verkäufern, die recht unverschämt versuchen, ihre Bootsfahrten an den Mann zu bringen. Dies ist jedoch nicht die städtische Fährgesellschaft, deren Boote deutlich günstiger sind. Das Kassenhäuschen dafür befindet sich etwas weiter hinten, direkt beim Bootssteg.

Lago Maggiore
Lago Maggiore

Wir lösen ein Kombiticket für 11,85 € pro Person, das uns mehrere Fahrten ermöglicht. Als erstes setzen wir über zum sehenswerten Kloster Santa Caterina del Sasso, das sich auf der anderen Seeseite auf einem Felsvorsprung in die Steilküste schmiegt. Das Kloster ist über Mittag geschlossen, wir wollten aber ohnehin nur die Außenansicht sehen, sodass wir nach einem kurzen Aufenthalt direkt mit demselben Boot zurück nach Stresa fahren. Von dort geht es weiter zur Isola Bella.

Die Borromäischen Inseln

Die Isola Bella ist die zweitgrößte der insgesamt vier Borromäischen Inseln, die sich vor Stresa aus dem Lago Maggiore erheben. Während der Überfahrt haben wir auch schöne Sicht auf die anderen beiden größeren Inseln – Isola Madre und Isola dei Pescatori. Auf der Isola Bella angekommen sind wir sofort angetan von den kleinen Gässchen, die sich durch die dicht besiedelte Insel den Berg hinauf schlängeln. Wir spazieren durch das kleine Dörfchen bis hinauf zum Palazzo Borromeo. Dieser hat wohl eine sehr schöne Gartenanlage. Aufgrund des stolzen Eintrittspreises von 15 € pro Person entscheiden wir uns dann aber gegen eine nähere Besichtigung und kehren gemütlich zum Bootsanleger zurück, wo wir das nächste Schiff in Richtung Stresa nehmen.

Ein Abstecher in die Schweiz

Wir fahren weiter entlang des Seeufers und je weiter nördlich wir kommen, desto mehr macht sich bemerkbar, dass wir uns auf dem Weg ins Hochgebirge befinden. Im Hintergrund rücken immer höhere Berge ins Bild und die Straße schlängelt sich in stärkeren Kurven weiter. Nach einiger Zeit erreichen wir die Grenze zur Schweiz, dank dem Schengener Abkommen haben die Zollhäuschen heute nur noch markierende Funktion. So wechseln wir ohne Wartezeiten das Land und fahren immer weiter nach Norden, bis wir in Locarno ankommen.

Dort parken wir unser Auto und erreichen nach einem kurzen Fußmarsch die Talstation der Standseilbahn Funicolare Locarno–Madonna del Sasso, die uns hoch auf die Berge zur Wallfahrtskirche Madonna del Sasso in Orselina bringt (Berg- und Talfahrt pro Person 7,20 CHF). Von der Klosteranlage aus haben wir einen fantastischen Blick auf die umliegende Gegend. Nachdem wir einige Zeit verweilt sind und uns an dem Wahnsinnspanorama sattgesehen haben, fahren wir wieder hinunter.

Nun müssen wir erst einmal Schweizer Franken besorgen, da im Parkhaus leider nur bar bezahlt werden kann. Nach einem defekten Bankautomaten und einem Notkauf im nahegelegenen Supermarkt, um den abgehobenen Schein in Kleingeld zu wechseln, meistern wir auch diese Herausforderung und treten die letzte Etappe der heutigen Tour an.

Der Luganer See

Weiter durch die Berge fahren wir wieder in Richtung Italien. Zuvor passieren wir jedoch noch den Luganer See und durchqueren Lugano. Hier sind wir entsetzt, wie verbaut das Seeufer und auch die Stadt sind, ganz im Charme der 70er und 80er Jahre wurden bezaubernde Bettenburgen einmal rund um den See hochgezogen. Daher entscheiden wir uns, den hier geplanten Stopp ersatzlos entfallen zu lassen und lieber weiterzufahren. Kurz darauf überqueren wir wieder die Grenze zu Italien und erreichen am frühen Abend das hoch über dem Comer See gelegene, kleine Dörfchen Brunate.

Hier liegt unser Bed & Breakfast für die nächsten Tage, das für die Bausünden am Luganer See mehr als entschädigt. Das Haus liegt ganz am Ende einer kleinen Straße und bietet uns vom Zimmer aus einen unverbaubaren und unvergleichlichen Blick über den Comer See.

Wir sind schon sehr gespannt, was der dritte oberitalienische See für uns zu bieten hat, blicken nun jedoch erst einmal auf einen sehr schönen Tag am Lago Maggiore zurück.

Wir sind mit einem Mietwagen unterwegs, den wir in Mailand übernommen haben. Dies ist die einfachste und komfortabelste Variante, stressfrei und flexibel das Seeufer zu erkunden.

Achtung: Italienische Autobahnen sind mautpflichtig. Man zieht bei der Einfahrt ein Ticket und zahlt entweder beim Abfahren oder immer mal wieder zwischendurch an einer Mautstation. Von Mailand bis Arona beträgt die Maut gerade einmal 3,40 €.

Es gibt wohl auch Bus- und Zugverbindungen, mit denen haben wir uns jedoch nicht im Detail beschäftigt.
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