Wenn man das Glück hat, in einem airlinenahen Betrieb zu arbeiten, kann das auch beim Reisen Vorteile haben. So hat man zwar bei Flügen nicht immer die Garantie, dass man mitkommt, dafür kann sich aber auch die Gelegenheit für ein spannendes Erlebnis auf dem Jump Seat ergeben. Als Jump Seat bezeichnet man die Sitze, auf denen die Flugbegleiter und Flugbegleiterinnen bei Start und Landung sitzen und auf die man als normaler Passagier eigentlich nicht kommt.

Kurz vor dem Boarding werde ich also an den Schalter gebeten und erhalte die Info, dass der Flug voll ist. Der Jump Seat sei aber bereits angefragt. Letztlich entscheidet der Pilot darüber, ob er noch zusätzliche Fluggäste auf den Jump Seats mitnehmen möchte oder nicht. Dieses Mal habe ich besonderes Glück, ich darf auf dem Sitz ganz vorne bei der Flugzeugtür direkt neben der Purserin Platz nehmen.

Jump Seat
Der Jump Seat in eingeklapptem Zustand.

Diese empfängt mich sehr herzlich und gibt mir eine kurze Einweisung, wie ich mich im Falle eines Notfalls verhalten solle, da ich tatsächlich helfen müsste, die Notausgänge zu öffnen. Ob sie das schon einmal erlebt hätte, frage ich sie. „Zum Glück nicht,“ antwortet sie. Dennoch bereite sie sich vor jedem Start und jeder Landung mental darauf vor, damit sie im Ernstfall schnell und richtig reagieren könne, schließlich trägt sie die Verantwortung für die knapp 200 Passagiere an Bord.

Nun heißt es auch schon „Boarding completed. Cabin attendants all doors in flight“. Ich erlebe, was alles zu den Startvorbereitungen gehört. Durch das Umstellen der Türen auf „flight“ werden die Notrutschen scharfgeschaltet, damit sie sich im Fall des Falles automatisch aufblasen. Alle Schränke, Türen, Trolleys und sonstiges Zubehör werden verstaut und verriegelt, damit sich nichts mehr bewegen kann. Die üblichen Durchsagen werden gemacht, nebenbei wird regelmäßiger Kontakt mit dem Cockpit gehalten, damit alles rechtzeitig zum Start fertig ist.

Dann geht es auch direkt los, Schub auf volle Kraft. Da das Flugzeug nur im Passagierraum schallgedämmt ist (auch durch die vielen Ledersitze) und wir direkt über dem Bugrad sitzen, entsteht ein ohrenbetäubender Lärm und alles vibriert. Wir heben ab. Ein lautes Brummen ertönt. „Das sind die Reifen des Fahrwerks, die sich nach dem Start noch weiterdrehen,“ erfahre ich (kurz vor dem Abheben sind wir immerhin etwa 270 km/h schnell).

Die Anschnallzeichen erlöschen und wieder muss alles ganz schnell gehen. Ich ziehe um auf den Sitz bei den Notausgängen in der Mitte des Flugzeugs, damit vorne das Catering hergerichtet werden kann. Kaffee wird gekocht, die Trolleys werden bestückt und innerhalb von 30 Minuten müssen knapp 200 Passagiere mit einem Sandwich und etwas zu trinken versorgt werden.

Kurz darauf gehen die Anschnallzeichen auch schon wieder an und alles wird für die Landung vorbereitet. Ich gehe zurück nach vorne und nachdem alles verstaut ist, nimmt auch die Purserin wieder Platz. Ich habe die Gelegenheit, noch ein bisschen mit ihr zu plaudern. Sie fliegt seit 18 Jahren, davon 14 als Purserin. Es kann auch mal schwer sein, vier Starts und Landungen an einem Tag sind keine Seltenheit. Häufig gibt es besonders unfreundliche oder unverschämte Passagiere, die einem das Leben schwer machen oder einen Krankheitsfall an Bord. Trotzdem genießt sie es immer noch. Sie schätzt vor allem die Kollegialität mit den restlichen Crew-Mitgliedern und die Abwechslung. Kurz vor dem Aufsetzen setzt Stille ein, sie muss sich wieder konzentrieren und den Überblick behalten.

Wir landen.

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