Dem kleinen Kurort Baden bei Wien haftet bisweilen auch heute noch ein etwas verstaubtes Image an. Woher das kommt? „Von den Sozialversicherungen“, lacht Klaus Lorenz, der Tourismusdirektor der Stadt. Sehr herzlich nimmt er uns an diesem Freitagnachmittag in Empfang. Er will uns in den nächsten Tagen davon überzeugen, dass dieser Ruf nicht der Wahrheit entspricht. Soviel vorweg: Es ist ihm gelungen. Wir nehmen dich mit auf ein ganz und gar nicht verstaubtes Wochenende in Baden.

Die Genussmeile: Wandern mit Genuss

Jedes Jahr an den ersten beiden Wochenenden im September ist ganz Baden und Umgebung auf den Beinen. Bereits zum siebten Mal findet heuer die Genussmeile statt. Seit dem 19. Jahrhundert bezieht Wien die Hälfte seines ausgezeichneten Trinkwassers aus dem Raxgebirge in Niederösterreich. Diese Wasserleitungen führen auch an Baden vorbei. Da sie nicht bebaut, bewirtschaftet oder mit schwerem Gerät befahren werden dürfen, wurde 1998 entlang ihres Verlaufs ein Wanderweg angelegt.

Genussmeile - Baden bei Wien
Die Genussmeile schlängelt sich entlang des Wiener Wasserleitungswegs.

Entlang dieses Wiener Wasserleitungswegs entsteht zur Genussmeile die „längste Schank der Welt“. Auf 16 Kilometern Strecke kannst du an über 80 Ständen regionale Köstlichkeiten probieren. Wein von Hobbywinzern, lokales Craft Beer, frischer Sturm, Säfte, Gegrilltes, Jausenbretter und vieles mehr werden alle paar 100 Meter angeboten. Wir können uns also kaum vorstellen, dass tatsächlich jemand die ganzen 16 Kilometer zurücklegt.

Weinjause auf der Genussmeile - Baden bei Wien
Die Genussmeile macht ihrem Namen alle Ehre.

Aber auch wenn du nur ein Drittel der Strecke oder gar nur ein Achtel Wein schaffst, lohnt sich ein Ausflug. Die entspannte Stimmung, die schönen Weinberge und die ausgezeichnete Wegverpflegung machen die Genussmeile zu Recht zu einer der beliebtesten Veranstaltungen der Region.

Genussmeile - Baden bei Wien
Trotz kühlem, bewölktem Wetter ist die Genussmeile gut besucht.

Du hast Lust bekommen, die Genussmeile zu entdecken? Am 09. und 10.09.2017 hast du dieses Jahr noch einmal die Möglichkeit.

Ein Spaziergang durch Baden bei Wien

Auch abseits der Genussmeile hat Baden bei Wien einiges zu bieten. Davon überzeugt uns unsere Stadtführerin Christine mit viel Charme und Hintergrundwissen. Schon die Römer wussten um die Heilwirkung der stark schwefelhaltigen Thermalquellen rund um Baden. Vor fast 2.000 Jahren gründeten sie daher das Heilbad Aquae („Bäder“).

Schwefelquelle im Kurpark - Baden bei Wien
Obwohl sie nicht gut riechen – die Schwefelquellen waren der Ursprung der Stadt.

Auch die Habsburger hielten sich gerne zu Kurzwecken in Baden auf. Mit ihnen kamen unzählige Adelige und Schaulustige, die Stadt florierte. Das zeigt sich noch heute in den prachtvollen Villen und Plätzen der Stadt.

Hauptplatz - Baden bei Wien
Der Hauptplatz von Baden. Hinter der Pestsäule die Sommerresidenz der Kaiserfamilie.

Um ausgedehnte Kursparziergänge zu ermöglichen, errichtete die Stadt weitläufige Parkanlagen. Die imposanteste von ihnen ist sicher der Doblhoffpark mit dem herrlichen Rosarium. Weltberühmte Rosenzüchter stellen hier ihre Kreationen zur Schau.

Rosarium Doblhoffpark - Baden bei Wien
Unzählige Rosenarten blühen im Rosarium des Doblhoffparks.

Weniger an Blumen interessierte Parkbesucher kommen ebenso auf ihre Kosten. Ob du mit einem Ruderboot über den See schipperst oder in der benachbarten Konditorei ein Original Badener Kaffeebonbon verkostest, bleibt ganz dir überlassen.

Ruderboote im Doblhoffpark - Baden bei Wien
Ruderboote im Doblhoffpark

Für Sport eignet sich der Park ebenfalls. Wir sind wahrlich keine Frühaufsteher. Bei einer gemütlichen Runde Yoga im Park mit Margit genießen jedoch auch wir ganz entspannt die ersten Sonnenstrahlen.

Yoga im Park - Baden bei Wien
Morgendliches Yoga im Park

Das Beethovenhaus: Ein Einblick in Genie und Wahnsinn

Genie und Wahnsinn liegen nahe beieinander, sagt der Volksmund. Dass das stimmt, erfahren wir auf beeindruckende Weise in Badens Beethovenhaus. Eine für Zipperlein aller Art anfällige Spezies waren die Musiker und Komponisten früherer Jahrhunderte. Der wohl berühmteste dieser regelmäßigen Kurgäste ist Ludwig van Beethoven. Nachdem er ein eher schwieriger Zeitgenosse war, wechselte er seine Unterkünfte häufig. In einem Haus in Badens Zentrum residierte er jedoch drei Jahre in Folge. Dort ist ihm zu Ehren heute ein Museum untergebracht.

Beethovenhaus - Baden bei Wien
Im Herzen Badens steht das Beethovenhaus.

Obwohl er zu dieser Zeit schon fast vollständig taub war und durch bleiverseuchte Trinkwasserrohre stark an Zurechnungsfähigkeit verloren hatte, arbeitete sein geniales Hirn auf Hochtouren. Während seiner Sommer in Baden entstanden große Teile seiner berühmten 9. Symphonie.

Schreibtisch Beethovenhaus - Baden bei Wien
An diesem Schreibtisch entstand die 9. Symphonie.

Das Museum gibt nicht nur einen interessanten Einblick in Beethovens Leben. Eine Installation aus mehreren Bildschirmen zeigt außerdem eindrucksvoll, wie komplex die 9. Symphonie ist. Das alles zu ersinnen, ohne einen einzigen Ton davon tatsächlich zu hören, ist eine schier unglaubliche Leistung.

Baden in Baden

Der Name ist Programm, natürlich kannst du in Baden auch baden gehen. Von Mai bis September öffnet das gemütliche Thermalstrandbad seine Pforten. Zwei Schwefelbecken und zwei normale Schwimmbecken erwarten Wasserfans an Österreichs größtem künstlichen Sandstrand.

Thermalstrandbad - Baden bei Wien
Retro-Ambiente im Thermalstrandband Baden

Wenn es dir im Strandbad zu kalt ist, suchst du besser die Römertherme auf. Sie hat ebenfalls ein Schwefelbecken und zwei normale Becken. Außerdem eine vielfältige Saunalandschaft. Ich habe die Zirbenaußensauna, das Eukalyptus- und das Soledampfbad ausprobiert und fühlte mich danach sehr entspannt.

Entspannen in der Therme - Baden bei Wien
Anstrengende Recherchearbeit in der Römertherme

Dinner und Casino im Grand Casino Baden

Bereits letzten Winter verbrachten wir in Zell am See mit dem Dinner-und-Casino-Angebot einen schönen Abend. Höchste Zeit also, das mal wieder auszuprobieren. Das Casino Baden ist Österreichs größtes Casino und alleine wegen des beeindruckenden Gebäudes einen Besuch wert.

Casinorestaurant - Baden bei Wien
Das Casinorestaurant hat Flair.

Nach einem guten Viergangmenü im casinoeigenen Restaurant kannst du bei einem Glas Sekt dein Glück mit etwas Startkapital am Spieltisch versuchen. Unsere letzten Versuche am Roulettetisch waren eher glücklos. Daher versuchen wir es diesmal mit Blackjack. Mit Erfolg, gut 50 Euro nehmen wir am Ende mit nach Hause.

Reiseblogger im Casino - Baden bei Wien
Am Probetisch dürfen wir noch Fotos machen. Später zum Spielerschutz nicht mehr.

Rund um Baden: Mayerling und Heiligenkreuz

Wenn dir Baden alleine nicht reicht, stehen dir ein paar Ausflüge zur Verfügung. Das ehemalige Jagdschloss Mayerling ist etwa 15 Autominuten von Baden entfernt. Es war Schauplatz der bis heute nicht vollständig geklärten tragischen Geschichte um den Freitod des habsburgischen Kronprinzen Rudolph. Über den Verlust seines Thronfolgers war der Kaiser so betrübt, dass er das Schloss vollständig abtragen ließ. Heute steht an seiner Stelle ein Karmelitinnenkloster. Den Nonnen ist zwar Kontakt zur Außenwelt weitgehend untersagt, die begehbaren Klosterräumlichkeiten beherbergen jedoch eine interessante Ausstellung über die Geschichte Rudolphs.

Karmelitinnenkloster Mayerling - Baden bei Wien
Das ehemalige Jagdschloss Mayerling ist heute ein Kloster.

10 Autominuten weiter liegt das Stift Heiligenkreuz. Seit dem frühen 12. Jahrhundert leben und arbeiten die Zisterziensermönche hier. Die große Klosteranlage ist schön restauriert. Bei einem Bummel durch die Höfe und Trakte des Kloster mit unserer Führerin Renate lernen wir viel über die wichtige Rolle der Mönche im Mittelalter.

Stift Heiligenkreuz - Baden bei Wien
Das majestätische Stift Heiligenkreuz

Zum Abschluss werden wir noch Zeugen eines gregorianischen Choralgebets. Mit ihrem Gesang wurden die Mönche 2008 sogar Teil des bekannten internationalen Musikprojekts „Gregorian Chant“. Diese Art der Musik muss man sicherlich mögen. Es ist aber allemal interessant, die Gesänge einmal live zu erleben.

Kirche im Stift Heiligenkreuz - Baden bei Wien
In dieser Kirche singen die Mönche. Fotos sind währenddessen nicht erlaubt.

Fazit

Langweilig wird es dir in Baden bei Wien sicher nicht. Wenn du dich für kulinarische Entdeckungen, Geschichte oder sportliche Aktivitäten interessierst, wirst du beim abwechslungsreichen Angebot des absolut nicht spießigen Kurorts auf jeden Fall fündig. Alle Infos zur Stadt findest du auf der Website der Tourist Info Baden. Uns hat es jedenfalls sehr gut gefallen und wir kommen sicher wieder!

Weitere Eindrücke zu diesem gelungenen Wochenende findest du bei unseren Bloggerkollegen von creativelenafreets und Follow Your Trolley.


Hinweis: Wir wurden vom Baden Tourismus zu dieser Reise eingeladen. Herzlichen Dank an alle Beteiligten! Unsere Meinung ist davon nicht beeinflusst.

Das Zentrum von Baden kannst du ganz einfach zu Fuß erkunden.

Während der Genussmeile gibt es regelmäßig fahrende Gratisshuttles vom Stadtzentrum zu verschiedenen Punkten entlang des Wanderwegs.

Von Wien aus reist du entweder mit dem Regionalzug oder der Schnellbahn in 30-40 Minuten an. Wenn du viel Zeit hast, kannst du auch die Wiener Lokalbahn nehmen. Sie braucht eine knappe Stunde. Vom Wiener Flughafen brauchst du etwa 40 Minuten mit dem Auto.
Edelsberger Wein & Spezerei
Marchetstraße 30
2500 Baden
www.edelsberger.at

Sehr gemütliches Restaurant im Heurigenflair mit guter österreichischer Küche, auch vegan.
Herwig Gasser - Süßes vom Feinsten
Hauptplatz 17
2500 Baden
www.suessesvomfeinsten.eu

Nettes Café mit köstlichen Törtchen mitten im Zentrum von Baden. Eignet sich sehr gut für eine kleine Verschnaufpause.
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4 Kommentare

  1. Nur EIN Achterl? Naja, ein bisserl mehr habt’s hoffentlich schon getrunken. Schade, dass das Wetter letztes Wochenende so gar nicht nach meinem Geschmack war, aber diese Woche wird’s ein Traum!

    • Ich sagte nicht, dass WIR nur ein Achterl getrunken haben. 😉 Wobei es für mich sogar stimmt, ich bin danach auf Bier umgestiegen. Da gab es nämlich auch tolle kleine lokale Brauereien! 🙂

      Ich hoffe auch, dass das Wetter dieses Wochenende noch mal ein bisschen Gas gibt. Potenzial hätte die Genussmeile genug!

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