Bahnwanderweg Semmering: Ein wunderbarer Tagesausflug von Wien

Mitteleuropa Österreich Bahnwanderweg Semmering: Ein wunderbarer Tagesausflug von Wien

Nicht immer haben wir Zeit für eine ausgedehnte Reise. Dann nutzen wir ein Wochenende oder einen freien Tag gerne dafür, die Umgebung unserer Wahlheimat Wien zu entdecken. Rund um die Hauptstadt bietet Niederösterreich zahlreiche schöne Wandermöglichkeiten. Eine davon ist der Bahnwanderweg Semmering. Das bekannteste Teilstück von Semmering nach Breitenstein eignet sich perfekt für einen Tagesausflug von Wien. Mit einer Länge von rund 10 Kilometern und einer gemütlichen Gehzeit von 3,5 Stunden ist die Route nicht allzu schwierig. Ausgangspunkt ist der Bahnhof Semmering. Er ist an die Schnellzugstrecke Wien-Graz angebunden und mit dem Railjet von Wien in einer Stunde und 20 Minuten erreichbar.

Bahnwanderweg Semmering

Der Semmering-Pass war seit jeher ein Hindernis für die österreichische Südbahn. Auf dem Weg ans Mittelmeer nach Triest mussten Reisende den knapp 1.000 Meter hohen Alpenkamm überqueren. Lange Zeit bedeutete dies, dass die Fahrgäste in Semmering aussteigen, den Pass mit der Pferdekutsche überwinden und auf der Südseite in Mürzzuschlag wieder in den Zug umsteigen mussten. Alternativ waren weite Umwege über das ungarische Schienennetz nötig.

Bahnhof Semmering vor Bergpanorama

1848 ersann der Ingenieur Carl von Ghega im Auftrag des Kaisers ein spektakuläres System aus Tunnels, Gleisschleifen und teils mehrstöckigen Viadukten. Dieses ermöglichte es normalen Dampflokomotiven, den Semmering-Pass ohne die sonst übliche Zahnradunterstützung zu überwinden. Seine Konstruktion kam völlig ohne den Einsatz von Stahl und Eisen aus und wird bis heute nahezu unverändert genutzt. Diese Meisterleistung der Ingenieurskunst gehört inzwischen zum UNESCO-Weltkulturerbe. Der Bahnwanderweg Semmering folgt den Gleisen dieser Trasse durch wunderbare Landschaften.

Semmering-Kurort

Der erste Teil des Weges führt dich durch Semmering-Kurort, vorbei an prunkvollen Villen und dem altehrwürdigen Südbahnhotel. Semmering-Kurort war ein beliebtes Ziel für die Sommerfrische des Wiener Adels. Wer etwas auf sich hielt, hatte hier eine Sommerresidenz. Leider verstecken sich viele der Schmuckstücke hinter Mauern und Hecken. In der Villenstraße bekommst du dennoch einige Prachtexemplare zu sehen.

Villa mit grünem Dach und hölzernen Balkonen in Semmering-Kurort

Aussichtsturm Doppelreiterwarte

Zum Ende der Ortschaft wird der Weg zunehmend bewaldet und wir erklimmen langsam den Wolfsbergkogel. Von hier haben wir noch einmal eine schöne Aussicht auf Semmering-Kurort.

Aussicht auf Semmering-Kurort gerahmt von Wald und Felsen

An der Spitze des Wolfsbergkogels steht der hölzerne Aussichtsturm der Doppelreiterwarte. Er ermöglicht dir einen tollen Fernblick bis zum Schneeberg, Niederösterreichs höchstem Berg. Außerdem kommen die ersten halboffenen Galerien der Semmeringbahn ins Blickfeld.

Blick auf den Schneeberg von der Doppelreiterwarte

20-Schilling-Blick

Nur ein paar hundert Meter entfernt gelangst du zum berühmten 20-Schilling-Blick. Von der Aussichtsplattform hast du eine fantastische Sicht auf zwei der Semmeringbahn-Viadukte und die umliegenden Berge. Unterhalb der Aussichtsplattform stehen mehrere Picknicktische für eine Pause mit Weitblick bereit. Das Panorama ist so schön, dass es früher den österreichischen 20-Schilling-Geldschein schmückte. Dadurch kam es zu seinem Namen.

20-Schilling-Blick auf die Viadukte Krauselklause und Kalte Rinne mit Bergpanorama

Adlitzgraben-Viadukt

Dann führt der Weg zunächst wieder tiefer in den Wald hinein. Gemütlich spazieren wir bergab, vorbei an der ein oder anderen Einkehrmöglichkeit. Schließlich erreichen wir das erste Viadukt im Unteren Adlitzgraben, das auch Fleischmannbrücke genannt wird. Wie an vielen Stellen des Wanderwegs findest du auch hier eine Infotafel. Sie gibt interessante Einblicke in die Entstehungsgeschichte der Bahntrasse und die Herausforderungen beim Bau.

Seitlicher Blick auf das Adlitzgraben-Viadukt

Der Wanderweg führt auf das Viadukt hinauf und anschließend weiter in die Höhe. Immer wieder donnern Züge über die steinerne Brücke an uns vorbei, die Strecke ist bis heute vielbefahren.

Aussicht auf das Adlitzgrabenviadukt aus dem höher gelegenen Wald

Selbst Schnellzüge nutzen die Trasse nach wie vor und schlängeln sich über die engen Kurven durchs Gebirge. Das wird sich voraussichtlich 2027 mit der geplanten Fertigstellung des Semmering-Basistunnels ändern. Er wird die Fahrzeit zwischen Wien und Graz um fast eine Stunde verkürzen.

Bahnwanderweg Semmering entlang der Gleise

Kalte-Rinne-Viadukt

Die höchste Brücke der Semmeringbahn ist das Kalte-Rinne-Viadukt. 46 Meter ragt es über die Talsohle empor und überspannt eine Strecke von 182 Metern. Um für diese Höhe Stabilität zu gewährleisten, ist das Bauwerk zweistöckig angelegt.

Ein Güterzug überquert das Kalte-Rinne-Viadukt

Am Kopfende des Viadukts steht das kleine Carl-Ritter-von-Ghega-Museum. Dieses beschäftigt sich ausführlich mit der Geschichte der Semmeringbahn. Wir haben es jedoch nicht besucht. Gleich hinter dem Museum beginnt der Abstieg hinunter zur Straße für den finalen Streckenabschnitt.

Das zweistöckige Kalte-Rinne-Viadukt von unten

Krauselklause-Viadukt

Das letzte Viadukt überspannt die Krauselklause. Hier zeigt sich die Komplexität der Konstruktion. Die Züge kommen aus einem Tunnel auf das Viadukt und fahren anschließend direkt in den nächsten Tunnel. Aus diesem gelangen sie wiederum sofort in die Kalte Rinne. Auf diesem Teil der Strecke gibt es also kaum normale Gleisabschnitte. Zum Zeitpunkt des Baus war Dynamit noch nicht erfunden. Die Arbeiter konnten die Tunnelröhren daher nur mit schwachem Schwarzpulver ansprengen. Der Großteil des Aushubs erfolgte danach von Hand.

Krauselklause-Viadukt mit Bergen und Wald

Zuletzt kommst du nach Breitenstein, dem Endpunkt der Wanderung. Hier findest du weitere Einkehrmöglichkeiten sowie den Bahnhof zur Rückfahrt nach Semmering.

Mit dem Zug über den Semmering

Die Fahrt von Breitenstein zurück nach Semmering dauert mit dem Regionalzug knapp 10 Minuten. Erkundige dich am besten vorab zum Fahrplan, da die Züge nur unregelmäßig und in langen Intervallen fahren. Eine Einzelfahrt Breitenstein-Semmering kostet Stand Mai 2020 2,30 EUR. Auf der Rückfahrt überquert der Zug noch einmal alle besuchten Stationen, ein gelungener Abschluss für eine schöne Wanderung.

Ein Regionalzug überquert das Adlitzgraben-Viadukt

Weiterwandern

Wenn du die Semmering-Region weiter erkunden möchtest, kannst du dir weitere Etappen des Bahnwanderwegs ansehen. Insgesamt erstreckt er sich über rund 40 Kilometer von Mürzzuschlag bis Payerbach-Reichenau. Weitere Infos zu den Teilstrecken inklusive Wanderkarte zum Download findest du auf der Website der Semmeringbahn.

Fazit

Der Bahnwanderweg Semmering ist ein empfehlenswerter Tagesausflug von Wien. Die Route ist nicht nur landschaftlich schön gelegen, sie bietet auch interessante Einblicke in die Entwicklung der Eisenbahn zum Massentransportmittel. Mit der Eröffnung des Semmering-Basistunnels wird die historische Bahnstrecke an Bedeutung verlieren. Ein schönes Wanderziel wird sie jedoch weiterhin bleiben!

Die Wanderroute Semmering-Breitenstein im Überblick findest du auf der Website des Tourismusverbands Wiener Alpen. Tipps rund um die Kulturveranstaltungen im Südbahnhotel liest du auf Angelikas Blog Wiederunterwegs. Weitere schöne Wanderungen in Niederösterreich stellen dir Kathi und Romeo auf ihrem Blog Sommertage vor. Noch mehr Ziele findest du in unserer Kategorie Österreich.

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Wolfgang
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Hallo, ich bin Wolfgang. Reisen und die Welt erkunden sind meine größten Leidenschaften. Da ich jedoch in Vollzeit arbeite, will ich die Zeit vor Ort so gut wie möglich nutzen - optimiert reisen eben. Darüber schreibe ich hier auf reiseblitz.com und freue mich, wenn du mich dabei begleitest!

8 Kommentare

  1. Tja die VILLEN- ich hab sie auch gesucht. Am besten sieht man sie im Winter in der Sonne, dann sind die vielen Bäume keine Hindernisse. Die erste, die Du am Foto hast, da wohnt übrigens der Herr Attersee drin, und am selben Grundstück steht der älteste autochtone Bauernhof/Gebäude der Region.
    Die RÜckfahrten mit der Bahn von Breitenstein nach Semmering sind ja nicht so häufig gesät – als ich letzte woche nachgeschaut habe, wären genau 1 oder maximal 2 in Frage gekommen für den Nachmittag. Wie habt Ihr das organisiert? Genau zu dieser Zeit hingewandert, wenn der Retour Zug geht – so wie früher? LG
    Angelika

    • Liebe Angelika,

      das ist ein guter Tipp mit dem Winter, da ist die Sicht auf die Villen sicher besser. Danke auch für die Ergänzung mit Herrn Attersee. Wir hatten uns nämlich schon gefragt, wer dieses schmucke Anwesen wohl sein Eigen nennt.

      Mit dem Zug hatten wir zugegebenermaßen einfach Glück – wir hatten uns im Vorfeld nämlich nicht informiert, mussten dann aber nur eine halbe Stunde warten. Wenn ich es richtig im Kopf habe, gibt es schon eine gewisse Regelmäßigkeit im Fahrplan. Ich meine, die Bahn fährt alle zwei Stunden. Somit kann man es zumindest grob planen. Alternativ kannst du von Breitenstein in die andere Richtung bis Payerbach-Reichenau oder Wiener Neustadt fahren. Von dort gibt es auch regelmäßige Züge nach Wien. Eine Postbushaltestelle mit Verbindungen in beide Richtungen ist in Breitenstein glaube ich auch noch. Aber ja, ein bisschen zeitliche Jonglage ist auf jeden Fall dabei :)

      LG Wolfgang

    • Winter ist nicht nur wegen besserer Sicht auf die Villen ein guter Tipp, sondern auch, weil am Bahnwanderweg durch die Lage recht früh der Schnee schon weg ist. Dadurch kann man dort schon früh im Jahr eine Wanderung machen. Dass man zu einer Wanderung am Bahnwanderweg mit der Bahn an- und abreist, gehört meiner Meinung nach zum Gesamteindruck dazu! :-)

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