Ab hier keine Fotos mehr. Das Schild macht unmissverständlich klar, was hier alles nicht erwünscht ist. Ich verlasse nun die Republik Zypern und betrete die sogenannte Green Line. Dieser bis zu 7 km breite, entmilitarisierte Streifen trennt den griechischen Teil der Insel vom türkischen Teil.

Etwa in der Mitte zwischen den Grenzposten öffnet sich plötzlich ein Tor und ein Militärfahrzeug mit schwer bewaffneten Soldaten kreuzt den Fußweg. Die Vereinten Nationen haben hier Truppen stationiert, die den Frieden an der Grenze sicherstellen sollen.

Für einen kurzen Moment kann ich durch das Tor einen Blick in die verbotene Zone werfen. Die ganze Szenerie wirkt gespenstisch. Innerhalb des Streifens wurden die Häuser im Zuge der Besetzung Mitte der 70er-Jahre fluchtartig verlassen. Alte Autos rosten vor sich hin, Büsche und Bäume überwuchern die Häuserfassaden und herabhängende Fensterläden zeigen, dass sich hier schon länger niemand mehr gekümmert hat.

Eine Dienstreise führt mich nach Zypern. Dank Terminen in Larnaka, Nikosia und Pafos ergibt sich die Möglichkeit, trotz der kurzen Zeit die verschiedenen Facetten der Insel zu erkunden. Durch ihre strategisch sehr günstige Lage im Mittelmeer unterlag Zypern im Laufe der Jahrhunderte einer Vielzahl von Herrschern, die alle ihre Spuren hinterlassen haben. Was ihr auf Zypern in drei Tagen alles sehen könnt, lest ihr hier.

Larnaka: Salzsee, Kirche und Moschee

Seit der Flughafen von Nikosia innerhalb der Green Line liegt und somit nicht mehr nutzbar ist, hat der Flughafen von Larnaka die Rolle des Haupflughafens der Insel übernommen. Hier lande ich also, hole meinen Mietwagen ab und stürze mich ins Abenteuer. Nicht nur, weil viele Straßenschilder nur mit griechischen Lettern bestückt sind. Auf Zypern herrscht nämlich außerdem Linksverkehr, entsprechend muss ich mich erst mal wieder einfinden. Dabei kommt mir zwar zugute, dass ich schon mal ein halbes Jahr in Australien links gefahren bin, ungewohnt ist es trotzdem.

Unweit des Flughafens wartet auch schon die erste Sehenswürdigkeit auf mich: Hala Sultan Tekke. Diese Moschee ist ein wichtiger muslimischer Wallfahrtsort und liegt sehr malerisch an einem Salzsee. Dieser ist bis weit in den Herbst hinein fast vollständig ausgetrocknet und die weiße Salzkruste schimmert im Sonnenlicht. Im Winter, wenn der See ein bisschen mit Wasser gefüllt ist, rasten hier wohl unzählige Flamingos, sodass dann rosa die vorherrschende Farbe ist.

Als nächstes nehme ich mir das Zentrum von Larnaka vor. Hier, gleich um die Ecke von meinem Hotel, finde ich eines der ältesten Gebäude der Stadt: Die Lazarus-Kirche. Der Hl. Lazarus war hier wohl recht aktiv, nachdem er von Jesus wieder zum Leben erweckt wurde. Genützt hat es ihm trotzdem nichts. Da in der Kirche seine Gebeine ausgestellt sind, war die Wiederauferstehung wohl nicht von Dauer.

Larnaca - Lazarus-Kirche
Larnaca – Lazarus-Kirche

Ich gehe weiter zur Strandpromenade Phinikoudes und stelle fest, dass Larnaka insgesamt eigentlich keine besonders schöne Stadt ist. Entlang der Promenade versuchen unzählige Lokale, die Touristen mit auffälliger Werbung anzulocken. Als ich in die Gassen eintauche, finde ich auch kaum ältere Häuser sondern eher dicht an dicht gepferchte Neubauten.

Ich beende meinen Rundgang mit zyprischen Spezialitäten im ganz ausgezeichneten Restaurant To Sieradiko und gehe dann früh ins Bett, um fit für meinen Termin zu sein.

Nikosia: Die doppelte Hauptstadt

Nach den beruflichen Verpflichtungen am Vormittag brauche ich über die gut ausgebaute Autobahn etwa 35 Minuten bis nach Nikosia (Lefkosia auf Griechisch, Lefkoşa auf Türkisch). Es ginge sicher auch schneller, da das Tempolimit auf der Insel jedoch 100 km/h beträgt, geht es eher gemächlich voran.

Mein Hotel ist nicht direkt im Zentrum, sodass ich auf dem Weg in die Innenstadt zunächst einmal die imposante Stadtbefestigung aus venezianischer Zeit erblicke. Mehrere Brücken queren den ehemaligen Wassergraben in die innere Stadt. Mein Weg führt mich zunächst über die verschachtelten Gässchen der Fußgängerzone zur Lidras Street, der Hauptstraße des touristischen Zentrums. Schön gemacht mit vielen kleinen Straßencafés und einem Sonnenschutzdach lädt die Straße zum Flanieren ein. Die Bebauung ist allerdings – ähnlich wie schon in Larnaka – nicht übermäßig ansprechend. Mein Ziel ist jedoch erst einmal das Ende der Straße.

Nikosia - Lidras Street
Nikosia – Lidras Street

Hier, mitten im Zentrum verläuft die Grenzlinie einmal quer durch die Hauptstadt. Die Green Line ist hier jedoch nur 20 m breit, sodass ich einfach zu Fuß in den Nordteil der Stadt gelange.

Ich erreiche den türkischen Grenzposten. Nach Vorlage meines Reisepasses wird mir ein elektronisches Visum erteilt und ich darf in die Türkische Republik Nordzypern einreisen. Dort erwartet mich eine völlig andere Welt.

Wirkte der Süden noch recht kosmopolitisch mit internationalen Modeketten, Fast-Food-Restaurants, etc., so finde ich hier das genaue Gegenteil vor. Eine Gruppe älterer Männer sitzt vor einem Kaffehaus und spielt Backgammon. Ein paar Jugendliche lümmeln auf einer Couch und rauchen gemütlich eine Wasserpfeife. Kleine Geschäfte bieten nach bester Bazar-Manier ihre Waren feil.

Gebannt von der völlig anderen Atmosphäre bahne ich mir meinen Weg durch die bummelnden Menschen zu meinem ersten Ziel, der Selimiye-Moschee. Diese ist ein Paradebeispiel für architektonisches Recycling. Die hier vorhandene, leerstehende Kathedrale wurde kurzerhand in eine Moschee umfunktioniert. Die unfertig gebliebenen Kirchtürme wurden mit Minaretten vollendet und auch der Innenraum ist noch deutlich als Kirchenschiff zu erkennen.

Nachdem ich mich ein bisschen umgesehen habe, gehe ich weiter zum Büyük Han. Diese ehemalige Karawanserei beherbergt heute mehrere kleine Restaurants und Geschäfte. Auf der Galerie spielt ein junger Mann Gitarre und ich spüre richtiggehend die Gelassenheit, die dieser Ort ausstrahlt.

Nikosia - Büyük Han
Nikosia – Büyük Han

Ich bin begeistert und spaziere sehr angetan von der schönen Stimmung noch ein wenig durch die Gässchen, bevor ich mich auf den Rückweg in Richtung Grenze mache. Noch auf der türkischen Seite komme ich dann relativ nah an den Grenzstreifen heran und kann ganz legal ein paar Eindrücke auf der Kamera festhalten.

Nach meiner Rückkehr in den Südteil gehe ich auch dort noch ein bisschen durch die Straßen. Allerdings hatte der Nordteil für mich deutlich mehr Charme, sodass ich wieder recht zeitig den Rückweg ins Hotel antrete.

Süd-Nikosia
Süd-Nikosia

Auf dem Weg nach Pafos: Ein Abstecher nach England

Von Nikosia nach Pafos sind es etwa 2,5 Stunden Autofahrt. Unterwegs gibt es allerdings einiges zu sehen, weswegen ich hier mehrere Stops einbaue.

Der erste Weg führt mich zum Kolossi Castle. Diese Festung war ein wichtiger Stützpunkt der Kreuzritter. Zur Aufbesserung der Kriegskasse betrieben diese hier mehrere Zuckermühlen, in denen Zuckerrohr verarbeitet wurde. Nach einem kurzen Blick von außen beschließe ich jedoch, dass ich zu geizig für den Eintrittspreis bin und fahre lieber weiter in Richtung Großbritannien.

Kolossi Castle
Kolossi Castle


Nachdem Zypern 1960 von Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassen wurde, behielt das britische Militär zwei Stützpunkte: Akrotiri und Dekelia. Letzterer liegt genau in der Pufferzone zwischen Nord- und Südzypern. Akrotiri hingegen liegt auf einer Halbinsel im Süden Zyperns, nur unweit des Kolossi Castle. Die beiden Basen werden als sogenannte Sovereign Bases geführt und haben somit den Status eines britischen Überseegebiets, so wie z. B. auch Gibraltar oder Bermuda.

So sehr die Grenze nach Nordzypern auch abgeschottet sein mag, so wenig findet hier statt. Ich weiß bis heute nicht ganz genau, wo genau ich eigentlich die Grenze nach Akrotiri überquert habe, nachdem ich dann aber irgendwann in Akrotiri Village ankomme, muss es irgendwo gewesen sein. Das Dörfchen selbst gibt nicht viel her, eigentlich wollte ich mir hier gerne einen weiteren Salzsee ansehen. An diesen komme ich jedoch wegen der Militäranlagen nicht gescheit heran, sodass ich relativ unverrichteter Dinge weiterfahren muss.

Akrotiri - Salzsee
Akrotiri – Salzsee

Im Hoheitsgebiet von Akrotiri, jedoch verwaltet von der Republik Zypern befindet sich noch eine weitere Sehenswürdigkeit: Kourion (Eintritt: 4,50 EUR pro Person). Die Besiedlung dieser Ausgrabungsstätte lässt sich bis in die Eisenzeit vor gut 3.200 Jahren zurückverfolgen. Daher gibt es hier Überreste mehrerer Zivilisationen. Neben einem sehr gut erhaltenen hellenistischen Amphitheater gibt es einige Ruinen alter römischer Häuser mit zum Teil recht beeindruckenden Mosaiken. Die Stadt wurde vermutlich im 5. Jahrhundert durch ein Erdbeben zerstört. Dieses abrupte Ende ermöglichte den Archäologen – ähnlich wie in Pompeji – einen guten Einblick in das Alltagsleben der römischen Familien zu bekommen.

Flankiert wird die Ausgrabungsstätte von einem traumhaften Blick auf das Mittelmeer und die Steilküste in diesem Teil der Insel. Voller neuer Eindrücke fahre ich weiter in Richtung Pafos.

Etwa eine halbe Stunde weiter wartet eines der angeblichen Highlights Zyperns auf mich: Petra tou Roumiou. Dieser große Felsblock liegt unweit der Küste im Meer und die Legende besagt, dass an diesem Ort die Göttin Aphrodite dem Meer entstiegen sein soll. Ich bin mittelmäßig beeindruckt.

Tipp: Von Osten kommend gibt es kurz vor dem Parkplatz einen Wegweiser, der nach rechts „Services“ ausweist. Folgt ihr dieser Straße den Berg hinauf, gelangt ihr zu einem kleinen Restaurant/Shop auf einer Anhöhe. Von dessen Terrasse aus habt ihr eine schöne Sicht auf das Felsenensemble. Besonders schön soll es hier bei Sonnenuntergang sein. So lange will ich aber nicht warten, deswegen trete ich die letzte Etappe meiner Fahrt an und erreiche am Abend mein Hotel in Pafos.

Pafos: Ob das in der Antike auch schon so touristisch war?

Pafos hat mich zugegebenermaßen überhaupt nicht überzeugt. Die Stadt ist eine Touristenhochburg und entlang des Strandes reiht sich ein Betonbunker an den nächsten. Sollte es eine Altstadt geben, habe ich sie nicht gefunden.

Direkt an der Küste gibt es jedoch einen sehr alten Stadtteil: Das archäologische Zentrum (Eintritt: 4,50 EUR). Schon im 2. Jahrhundert siedelten hier Römer und Griechen in einer Siedlung von beachtlichem Ausmaß. Auch hier sind größtenteils nur die Fundamente erhalten. Darüber hinaus allerdings eine große Anzahl an Mosaiken in sehr gutem Zustand. Außerdem gibt es ein kleines Amphitheater und – aus etwas neuerer Zeit – einen Leuchtturm. Zu guter Letzt noch die Ruinen einer Burg aus dem 12. Jahrhundert.

Nachdem ich mich auch hier ausgiebig umgesehen habe, mache ich mich auf den Rückweg zum Flughafen, wo dieser Kurztrip auch schon wieder sein Ende findet.

Als Fazit muss ich ehrlich sagen, dass mich Zypern nicht vollends mitgerissen hat. Die von mir besichtigten Stationen waren zwar alle auf ihre Art interessant, so richtig begeistert hat mich jedoch nur wenig. Zypern in drei Tagen, insbesondere wenn es nur halbe sind, ist vielleicht auch schlicht zu kurz. Eventuell bräuchte man einfach mehr Zeit, um auch ein paar der kleineren Dörfer in den Bergen im Landesinneren zu erkunden. Diese sahen zumindest auf Postkarten, die ich gesehen habe, sehr idyllisch aus.

Sog. "Intercity Buses" verkehren nur zwischen den größeren Städten. Um alle Facetten Zyperns zu entdecken, bietet sich ein Mietwagen also mehr als an, sofern ihr euch den Linksverkehr zutraut.

Achtung: Es ist nicht ohne weiteres möglich, mit einem im Süden gemieteten Auto in den Nordteil der Insel zu fahren. Prüft bei eurem Autovermieter, ob es mit eurem Wagen erlaubt ist. Außerdem gelten während einer Fahrt in den Norden die inkludierten Versicherungen nicht. Deshalb solltet ihr am Grenz-Checkpoint unbedingt eine zusätzliche Haftpflichtversicherung für den Norden abschließen!
To Sieradiko
Pavlou Valsamaki 14-16
6020 Larnaka

Traditionell eingerichtetes zyprisches Lokal mit sehr guten lokalen Gerichten und nettem Personal. Ab 2 Personen gibt's sehr günstige Meze (klassisch zyprische "Tapas").
Almond Business Suites
25th March street 11
1087 Nicosia
www.almond-businesshotel.com

Etwa 15 Fußminuten vom Zentrum gelegenes Hotel. Sehr geräumige, preiswerte Zwei-Zimmer-Apartments mit eigener kleiner Küche, gutem Frühstück und gratis WLAN.
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