Hand aufs Herz: Was weißt du über Bosnien und Herzegowina? Wir geben zu, bei uns war es bis letztes Jahr Oktober nicht sehr viel. Grund genug also, mal wieder eine Dienstreise zu verlängern und uns das kleine Land auf dem Balkan an einem langen Wochenende näher anzusehen. So viel vorweg: Es lohnt sich! Was es in Sarajevo, Mostar und auf dem Weg dorthin zu sehen gibt, liest du im ersten Teil unseres Reiseberichts. Die komplette Route mit allen Details findest du ganz unten im Beitrag.

Sarajevo: Eine geschichtsträchtige Hauptstadt

Ausgangspunkt für unsere Reise ist Sarajevo, die Hauptstadt und mit etwa 300.000 Einwohnern zugleich größte Stadt in Bosnien und Herzegowina. Das Land hat eine bewegte Geschichte, die hier besonders deutlich sichtbar wird. Im 15. Jahrhundert wurde die Region des heutigen Bosnien und Herzegowina vom Osmanischen Reich erobert. Über 400 Jahre herrschten die Osmanen hier, bevor das Land 1878 den Habsburgern zugesprochen und – nicht ganz freiwillig – Teil von Österreich-Ungarn wurde.

Der muslimische Einfluss ist heute noch deutlich sichtbar. Etwa 50 % der Bevölkerung bekennen sich zum Islam und Moscheen prägen gemeinsam mit christlichen Kirchen das Stadtbild. Ein friedliches Zusammenleben von Moslems und Christen ist also durchaus möglich. Hier funktioniert es seit Jahrhunderten problemlos.

Am Abend unserer Ankunft unternehmen wir noch einen kleinen Bummel durch Sarajevos Altstadt. Kleine, einstöckige Gebäude säumen enge Pflasterstraßen. Überall ist etwas los. Hier gibt es die besten Ćevapčići, da den besten Mokka, dort eine Wasserpfeife dazu. Nicht alle Lokale schenken Alkohol aus, je nachdem welcher Religionsgruppe ihr Eigentümer angehört.

Wir lassen uns ein bisschen treiben, bis wir am Baščaršija ankommen. Benannt nach dem ehemaligen türkischen Basar gibt es auf dem Marktplatz noch immer zahlreiche kleine Geschäfte. In der Mitte des Platzes steht seit über 260 Jahren der wunderschöne Sebilj-Brunnen.

Sebilj-Brunnen in Sarajevo, Bosnien und Herzegowina
Der Sebilj-Brunnen thront auf dem Baščaršija-Platz

Von hier ist es nur ein Katzensprung zur Vijećnica, dem ehemaligen Rathaus der Stadt. Heute beherbergt der Bau die Nationalbibliothek. Obwohl das dreieckige Gebäude nach maurischem Stil aussieht, wurde es tatsächlich erst unter den Habsburgern errichtet.

Insgesamt schlendern wir gut 1,5 Stunden durch die wirklich sehenswerte Altstadt. Die alte Markthalle, die islamische Hochschule, alles ist gut zu Fuß zu erreichen. Das komplette Zentrum ist eine Fußgängerzone und lädt zum Bummeln ein.

Altstadt von Sarajevo, Bosnien und Herzegowina
Die Altstadt von Sarajevo

Sarajevo bei Tag

Am nächsten Tag brechen wir früh nach Mostar auf. Allerdings haben wir am Abreisetag noch Zeit, uns die Stadt bei Tag noch einmal näher anzuschauen.

Stadtblick in Sarajevo, Bosnien und Herzegowina
Das morgendliche Sarajevo

Nachdem die Habsburger fast 40 Jahre das Land regierten, kam es in Sarajevo zum nächsten folgenschweren Zwischenfall. Fast direkt vor unserem Hotel befindet sich die Lateinerbrücke über den Miljacka-Fluss. Auf ihr wurden der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gattin Sophie 1914 Opfer eines Attentats. Das Ergebnis ist bekannt, vier Jahre lang wütete der Erste Weltkrieg in Europa. Als dieser 1918 zu Ende ging, wurde Bosnien und Herzegowina Teil des Königreichs Jugoslawien.

Lateinerbrücke in Sarajevo, Bosnien und Herzegowina
Die Lateinerbrücke, Schauplatz des Attentats auf Franz Ferdinand

Wir wollen uns noch etwas näher mit dem osmanischen Erbe der Stadt beschäftigen. Daher zieht es uns noch einmal in die Altstadt zur Gazi-Husrev-Beg-Moschee. Sie ist die größte Moschee des Landes und hatte bei unserer Ankunft vor ein paar Tagen bereits geschlossen. Da gerade ein Gottesdienst stattfindet, können wir nicht hinein. Das Areal selbst ist aber auch durchaus beeindruckend. Gut, dass wir noch einmal hergekommen sind.

Auch dem Baščaršija-Platz statten wir einen zweiten kurzen Besuch ab. Dann fahren wir los in Richtung Republika Srpska. Mehr dazu im nächsten Beitrag.

Baščaršija-Platz in Sarajevo, Bosnien und Herzegowina
Viele kleine Geschäfte auf dem Baščaršija-Platz

Eine Fahrt durch den Neretva-Canyon

Etwa 130 Kilometer und gut 2,5 Stunden Fahrt sind es von Sarajevo nach Mostar. Eine Autobahn ist erst im Entstehen, sodass wir etwa 40 Kilometer westlich von Sarajevo auf die Landstraße wechseln. Das lohnt sich aber. Die Straße schlängelt sich entlang des Neretva-Flusses mitten durch die bosnisch-herzegowinischen Berge. Tief hat sich der Fluss über die Jahrtausende ins Gebirge eingegraben und einen eindrucksvollen Canyon geschaffen. Der blaugrüne Fluss und die herbstlich gefärbten, bewaldeten Berge machen die Fahrt zu einem wahren Genuss.

Mostar: Das historische Zentrum der Herzegowina

Schließlich erreichen wir Mostar, die Hauptstadt der Region Herzegowina. Gut 110.000 Menschen leben hier. Auf unserer Fahrt durchs Neretva-Tal haben wir das Dinarische Gebirge komplett durchquert. Das merken wir nun. Durch den Einfluss des nur noch knapp 70 Kilometer entfernten Mittelmeers ist es hier fast 10° C wärmer als in Sarajevo.

Nach meinen Terminen am Vormittag treffen wir uns nachmittags mit Farukh. Er ist unser Guide für heute und will uns in einer guten Stunde die Altstadt von Mostar zeigen. Auch er musste während des Krieges fliehen und hat mehrere Jahre in Göppingen gelebt. Daher spricht er fließend Deutsch. Nach Kriegsende hat er wie viele andere die Chance genutzt, in seine Heimat zurückzukehren und führt nun regelmäßig Touristen durch die Stadt.

Kriegsschäden in Mostar, Bosnien und Herzegowina
Auch 20 Jahre später sind noch immer Spuren des Krieges zu sehen. Nach und nach werden sie jedoch beseitigt.

Farukh weiß so ziemlich alles über die Geschichte seines Landes. Er erzählt uns viel über alle Epochen und wie sehr Bosnien und Herzegowina in der Vergangenheit gebeutelt wurde. Umso schöner ist es zu sehen, dass die Einwohner dennoch unverzagt ihr Land wieder aufgebaut haben. Und das in voller Pracht. Die Altstadt von Mostar ist wunderschön. Kleine Steinhäuser schlängeln sich entlang buckliger Steinstraßen. Ganz in orientalischer Manier sitzen die Leute in den Schanigärten oder am Straßenrand, trinken Mokka und genießen das Leben.

Stari Most: Mostars beeindruckendes Wahrzeichen

Wir biegen um eine Kurve und plötzlich liegt sie vor uns: die Alte Brücke (Stari Most). Sie ist Mostars Wahrzeichen und ein Meisterwerk osmanischer Ingenieurskunst. Ihre Entstehung datiert bis ins 16. Jahrhundert zurück.

Alte Brücke in Mostar, Bosnien und Herzegowina
Die Alte Brücke mit der Altstadt im Hintergrund

Die Brücke galt damals als sehr schwierig zu bauen. Die Legende besagt daher, dass der Architekt zuerst mit der gleich in der Nähe gelegenen kleinen Kriva Ćuprija (Krumme Brücke) geübt habe.

Krumme Brücke in Mostar, Bosnien und Herzegowina
Die Krumme Brücke – angeblich das Übungsstück für die Alte Brücke

Viele Jahrhunderte überstand die Alte Brücke Kämpfe, Auseinandersetzungen, Erdbeben und sonstige Naturereignisse. Sie galt somit als Symbol der Beständigkeit. 1993 wurde die Brücke jedoch während des Bosnienkrieges von einer Mörsergranate getroffen und stürzte ein. Direkt nach dem Ende des Krieges begann der Wiederaufbau. Seit 2004 erstrahlt die Flussquerung nun wieder in voller Pracht.

Blick von der Alten Brücke in Mostar, Bosnien und Herzegowina
Von der Alten Brücke aus präsentiert sich Mostars Altstadt in ihrer ganzen Pracht.

Am anderen Neretva-Ufer reihen sich zahlreiche Geschäfte für Kunsthandwerk aneinander. In kleinen Werkstätten in ihren Läden fertigen die Händler Mitbringsel und Andenken von Hand. Es beginnt, leicht zu nieseln. Doch auch dafür hat Farukh eine Lösung. Etwa auf halber Höhe der Gasse gibt es einen Indoor-Basar in dem du überdacht stöbern kannst.

Am Ende der Straße steht die Koski-Mehmed-Pascha-Moschee (Koski Mehmed-pašina džamija). Von ihrer Terrasse hast du eine besonders schöne Sicht auf die Alte Brücke. Hier endet unsere Tour und wir spazieren auf eigene Faust durch die Altstadt zurück zu unserem Hotel.

Alte Brücke bei Nacht in Mostar, Bosnien und Herzegowina
Die Alte Brücke bei Nacht

Am nächsten Morgen gehen wir erneut ins historische Zentrum. Farukh hatte empfohlen, dass wir uns die Brücke noch einmal bei Tageslicht anschauen. Wir probieren auch gleich eine neue Perspektive aus. Kurz vor der Brücke führen rechts ein paar Stiegen hinunter zur Neretva. Von hier unten wird uns die wahre Höhe der Brücke erst so richtig bewusst. 19 Meter ragt sie über uns in den Himmel.

Alte Brücke in Mostar, Bosnien und Herzegowina
Die Alte Brücke vom Ufer der Neretva aus betrachtet

Das qualifiziert sie übrigens auch für einen beliebten Volkssport: Das Brückenspringen. Gegen einen kleinen Obolus springen junge Männer vom höchsten Punkt der Brücke in die eiskalte Neretva. Im Sommer gibt es sogar eine Meisterschaft, zu der Teilnehmer aus ganz Europa anreisen. Jetzt, Ende Oktober, ist es aber wohl schon zu kalt für dieses Spektakel.

Dann verabschieden wir uns schon wieder von Mostar und sind gespannt, was Bosnien und Herzegowina noch für uns bereithält. Mehr dazu liest du in unserem Artikel über die Herzegowina-Region.

Unser besonderer Dank gilt dem Team vom Fortuna Lufthansa City Center, das uns bei der Planung und Organisation der Reise sehr großzügig unterstützt hat! – Hvala puno Fortuna Tours for your generous support in organising this trip!

So schön ist Europa – mit diesem Beitrag nehmen wir an der großen Europablogparade von Trip to the Planet teil. 50 Länder, 50 Beiträge, schau einfach mal vorbei.

  • Strecke: ca. 130 km
  • Fahrzeit: ca. 2,5 Stunden
Spaziergang durch Sarajevo ca. 2 Stunden, Spaziergang durch Mostar ca. 1 Stunde
Die Altstädte von Sarajevo und Mostar sind ganz einfach zu Fuß zu erkunden. Beide sind nahezu komplette Fußgängerzonen. In Sarajevo gibt es eine Straßenbahnlinie, die die Altstadt mit den westlichen Vororten verbindet. Taxis sind sehr günstig. Lasst sie euch aber am besten immer vom Hotel/Restaurant bestellen, damit ihr auch wirklich ein seriöses bekommt.

Für die Fahrt von Sarajevo nach Mostar nehmt ihr am besten einen Mietwagen. Die meisten Quellen im Internet raten, in Bosnien und Herzegowina sehr defensiv zu fahren. Wir haben die Autofahrer insgesamt als recht vernünftig erlebt. Aufgrund des Zustands mancher Nebenstraßen ist es jedoch empfehlenswert, nicht bei Nacht zu fahren.
Ćevabdžinica Željo
Kundurdžiluk 19
71000 Sarajevo

Kleines Lokal mit ausgezeichneten Ćevapčići direkt in der Altstadt. Nur Barzahlung (akzeptiert BAM und EUR).
The 4 Rooms of Mrs. Safija
(4 Sobe Gospodje Safije)
Čekaluša 61
71000 Sarajevo
www.sarajevo-restaurant.com

Sehr schönes Lokal mit moderner bosnisch-herzegowinischer Küche. Nicht direkt im Zentrum, nehmt am besten ein Taxi (das ihr euch vom Hotel/Restaurant bestellen lasst).
Del Rio
Kardinala Stepinca 12
88000 Mostar
city-hotel.ba

Schönes Restaurant mit guter bosnisch-herzegowinischer und europäischer Küche. Gratis WLAN.
Restoran Radobolja
Ul. Kraljice Katarine 11A
88000 Mostar
www.radobolja.ba

Gemütliches Restaurant mit guter bosnisch-herzegowinischer Küche.
Hotel President
Bazardžani 1
71000 Sarajevo
hotelpresident.ba

Schönes, modernes Hotel direkt am Eingang zur Altstadt. Parken gegen Gebühr in der Tiefgarage, gratis WLAN. Das Frühstück ist zwar inklusive, hat uns allerdings nicht überzeugt.
Hotel Villa Fortuna
Rade Bitange 34
88000 Mostar
www.villafortuna.ba

Sehr gemütliches Bed & Breakfast, nur fünf Fußminuten von der Altstadt entfernt. Parkplätze direkt vorm Haus. Sehr gutes Frühstück, gratis WLAN.

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9 Kommentare

  1. Toller Bericht mit beeindruckenden Bildern! Jetzt hab ich noch mehr Lust auf dieses Land.
    Hattet ihr Probleme, als ihr mit dem Auto unterwegs wart? Ein Bekannter hat uns mal erzählt, dass es teilweise als Touri nicht ganz ohne ist, da alleine unterwegs zu sein, weil die Straßen grenzwertig sind und man teilweise Opfer von Polizeiabzocke wird.
    Würdest du das Land auch für eine Reise mit Baby empfehlen oder ist das dann eher nicht geeignet?

    LG, Katja

    • Hallo Katja,

      vielen Dank! Wir hatten mit dem Auto überhaupt keine Probleme. Die Hauptstraßen waren alle in gutem Zustand, die Straße von Sarajevo nach Mostar nagelneu asphaltiert. Abseits der zentralen Verbindungen kann der Zustand schon auch mal marode sein (Schlaglöcher, etc.). Den Fahrstil der Leute fand ich nicht schlimm, nur im Stadtverkehr solltest du aufmerksam auf spontane Spurwechsler etc. achten.

      Die Polizei haben wir kein einziges Mal gesehen, insofern kann ich dazu nichts berichten. Wir hatten aber auch einen Mietwagen mit bosnisch-herzegowinischem Kennzeichen. Ob das mit einem ausländischen Nummernschild vielleicht anders läuft, wage ich nicht zu beurteilen. Wichtig: Lass‘ dir bei der Wagenübernahme alle Schäden und Kratzer ordentlich dokumentieren, damit es später keine Diskussionen gibt.

      Mit Babys habe ich keine eigene Erfahrung. Ich wüsste aber nicht, was dagegen spräche. Die Infrastruktur an den touristischen Hotspots entspricht europäischen Standards. Wir haben uns insgesamt sehr sicher gefühlt. Nachts würde ich mich auch hier in Österreich nicht in irgendwelchen dunklen Gassen herumtreiben. Ich denke also, wenn du den normalen Hausverstand walten lässt, sollte das gut funktionieren.

      Wenn du noch Fragen hast, sag gerne Bescheid!

      LG
      Wolfgang

  2. Hallo Ihr Beiden,
    das weckt Erinnerungen. Mein Mann und ich sind Anfang der Achtziger 14 Tage durch Jugoslawien gereist. In Sarajewo sind wir nur durchgefahren bzw. haben die Lateinerbrücke gesehen. Mostar hat uns sehr gut gefallen, die vielen kleinen Geschäfte und unser erstes bisschen Orient. Damals stand noch die alte Brücke in Mostar.

    Liebe Grüße
    Renate

    • Hallo Renate,
      Vielen Dank! Schön, dass wir eure Erinnerungen ein bisschen auffrischen konnten!

      Uns hat Bosnien und Herzegowina insgesamt sehr positiv überrascht und auch sehr gut gefallen.

      Wart ihr denn auch noch weiter in der Herzegowina, also Blagaj, Počitelj, Kravica etc.? Davon wird unser nächster Bericht handeln. Da wäre es natürlich auch spannend für uns, einen Vergleich zu damals zu bekommen.

      Und natürlich würde mich auch interessieren, was ihr in Jugoslawien sonst noch alles erlebt und gesehen habt. Die nächste Reise in die Region kommt bestimmt 🙂

      Liebe Grüße
      Wolfgang

    • Hi Kathi,

      das freut uns. 🙂 Wir sind gespannt, wie es dir gefallen wird. Lass es uns gerne wissen!

      Dir auf jeden Fall schon mal eine tolle Reise in dieses schöne Land!

      Liebe Grüße
      Wolfgang

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