Bosnien und Herzegowina: 3 Tage Roadtrip mit Sarajevo und Mostar

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Hand aufs Herz: Was weißt du über Bosnien und Herzegowina? Wir geben zu, bei uns war es bis zu unserer Reise nicht sehr viel. Grund genug also, uns das kleine Land auf dem Balkan an einem langen Wochenende näher anzusehen. So viel vorweg: Es lohnt sich! Was es in Sarajevo, Mostar und der Herzegowina-Region zu sehen gibt, liest du in diesem Beitrag. Zunächst jedoch ein Überblick über unsere Route:

Roadtrip durch Bosnien und Herzegowina - Routenkarte

Sarajevo

Ausgangspunkt für unsere Reise ist Sarajevo, die Hauptstadt und mit etwa 300.000 Einwohnern zugleich größte Stadt in Bosnien und Herzegowina. Das Land hat eine bewegte Geschichte, die hier besonders deutlich sichtbar wird. Im 15. Jahrhundert wurde die Region des heutigen Bosnien und Herzegowina vom Osmanischen Reich erobert. Über 400 Jahre herrschten die Osmanen hier, bevor das Land 1878 den Habsburgern zugesprochen und – nicht ganz freiwillig – Teil von Österreich-Ungarn wurde.

Der muslimische Einfluss ist heute noch deutlich sichtbar. Etwa die Hälfte der Bevölkerung bekennt sich zum Islam und Moscheen prägen gemeinsam mit christlichen Kirchen das Stadtbild. Ein friedliches Zusammenleben von Moslems und Christen ist also durchaus möglich.

Eingangstor und Hauptgebäude der Baščaršija-Moschee in Sarajevo

Sarajevos Altstadt

Am Abend unserer Ankunft unternehmen wir noch einen kleinen Bummel durch Sarajevos Altstadt. Kleine, einstöckige Gebäude säumen enge Pflasterstraßen. Überall ist etwas los.

Altstadtgasse in Sarajevo mit beleuchteten Geschäften

Hier gibt es die besten Ćevapčići, da den besten Mokka, dort eine Wasserpfeife dazu. Nicht alle Lokale schenken Alkohol aus, je nachdem welcher Religionsgruppe ihr Eigentümer angehört.

Ćevapčići in einem Pitabrot mit Kajmak, einer Art Streichrahm

Wir lassen uns ein bisschen treiben, bis wir am Baščaršija ankommen. Benannt nach dem ehemaligen türkischen Basar gibt es auf dem Marktplatz noch immer zahlreiche kleine Geschäfte. In der Mitte des Platzes steht seit über 260 Jahren der wunderschöne Sebilj-Brunnen.

Kunstvoll verzierter Sebilj-Brunnen auf dem  Baščaršija-Platz in Sarajevo

Von hier ist es nur ein Katzensprung zur Vijećnica, dem ehemaligen Rathaus der Stadt. Heute beherbergt der Bau die Nationalbibliothek. Obwohl das dreieckige Gebäude nach maurischem Stil aussieht, wurde es erst unter den Habsburgern errichtet.

Nächtlich beleuchtete Fassade der Vijećnica

Insgesamt schlendern wir gut 1,5 Stunden durch die wirklich sehenswerte Altstadt. Die Alte Markthalle (Markale), die islamische Hochschule, alles ist gut zu Fuß zu erreichen. Das komplette Zentrum ist eine Fußgängerzone und lädt zum Bummeln ein.

Marktstände in der Alten Markthalle

Am nächsten Tag brechen wir früh nach Mostar auf. Allerdings haben wir am Schluss unserer Reise noch Zeit, uns die Stadt bei Tag noch einmal näher anzuschauen.

Blick auf eine Moschee in Sarajevo mit Bergpanorama

Lateinerbrücke

Nachdem die Habsburger fast 40 Jahre das Land regierten, kam es in Sarajevo zum nächsten folgenschweren Zwischenfall. Fast direkt vor unserem Hotel befindet sich die Lateinerbrücke (Latinska ćuprija) über den Miljacka-Fluss. Auf ihr wurden der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gattin Sophie 1914 Opfer eines Attentats. Das Ergebnis ist bekannt: Vier Jahre lang wütete der Erste Weltkrieg in Europa. Als dieser 1918 zu Ende ging, wurde Bosnien und Herzegowina Teil des Königreichs Jugoslawien.

Die steinerne Lateinerbrücke vor der Altstadt von Sarajevo

Gazi-Husrev-Beg-Moschee

Wir wollen uns noch etwas näher mit dem osmanischen Erbe der Stadt beschäftigen. Daher zieht es uns noch einmal in die Altstadt zur Gazi-Husrev-Beg-Moschee (Husrev-begova džamija).

Sie ist die größte Moschee des Landes und hatte bei unserer Ankunft vor ein paar Tagen bereits geschlossen. Da gerade ein Gottesdienst stattfindet, können wir nicht hinein.

Brunnen im Vorhof der Gazi-Husrev-Beg-Moschee

Das Areal der Gazi-Husrev-Beg-Moschee ist aber auch durchaus beeindruckend. Gut, dass wir noch einmal hergekommen sind.

Zwei achteckige Mausoleen auf dem Gelände der Gazi-Husrev-Beg-Moschee in Sarajevo

Auch dem Baščaršija-Platz statten wir einen zweiten kurzen Besuch ab, bevor wir unsere Reise fortsetzen.

Marktstände auf dem Baščaršija-Platz

Hoteltipp in Sarajevo

Hotel President *, Bazardžani 1, Sarajevo
Schönes, modernes Hotel direkt am Eingang zur Altstadt. Parken gegen Gebühr in der Tiefgarage, gratis WLAN. Das Frühstück ist zwar inklusive, hat uns allerdings nicht überzeugt.

Restauranttipps in Sarajevo

  • Ćevabdžinica Željo, Kundurdžiluk 19, Sarajevo
    Kleines Lokal mit ausgezeichneten Ćevapčići direkt in der Altstadt. Nur Barzahlung (akzeptiert BAM und EUR).
  • The 4 Rooms of Mrs. Safija (4 Sobe Gospođe Safije), Čekaluša 61, Sarajevo, www.restoransarajevo.com
    Sehr schönes Lokal mit moderner bosnisch-herzegowinischer Küche. Nicht direkt im Zentrum, nimm am besten ein Taxi (das du dir vom Hotel/Restaurant bestellen lässt).

Neretva-Canyon

Etwa 130 Kilometer und gut 2,5 Stunden Fahrt sind es von Sarajevo nach Mostar. Eine Autobahn ist erst im Entstehen, sodass wir etwa 40 Kilometer westlich von Sarajevo auf die Landstraße wechseln. Das lohnt sich aber. Die Straße schlängelt sich entlang des Neretva-Flusses durch die bosnisch-herzegowinischen Berge.

Schroffe Felsen entlang des Neretva-Flusses

Tief hat sich das Wasser über die Jahrtausende ins Gebirge eingegraben und einen eindrucksvollen Canyon geschaffen. Der blaugrüne Fluss und die herbstlich gefärbten, bewaldeten Berge machen die Fahrt zu einem wahren Genuss.

Berge im Neretva-Canyon vor blaugrünem Wasser

Mostar

Schließlich erreichen wir Mostar. Die Hauptstadt des Landesteils Herzegowina ist ein guter Ausgangspunkt zur Erkundung der Region. Gut 110.000 Menschen leben hier. Auf unserer Fahrt durchs Neretva-Tal haben wir das Dinarische Gebirge komplett durchquert. Das merken wir nun. Durch den Einfluss des nur noch knapp 70 Kilometer entfernten Mittelmeers ist es hier fast 10° C wärmer als in Sarajevo.

Ein Spaziergang durch die Altstadt

Am Nachmittag treffen wir uns mit Farukh. Er ist unser Guide für heute und will uns in einer guten Stunde die Altstadt von Mostar zeigen. Auch er musste während des Krieges fliehen und hat mehrere Jahre in Göppingen gelebt. Daher spricht er fließend Deutsch. Nach Kriegsende hat er wie viele andere die Chance genutzt, in seine Heimat zurückzukehren. Nun führt er regelmäßig Touristen durch die Stadt. Auch 20 Jahre später sind noch immer Spuren der erbitterten Kämpfe zu sehen. Nach und nach werden sie jedoch beseitigt.

Einschusslöcher in einem zerstörten Wohnhaus in Mostar

Farukh weiß so ziemlich alles über die Geschichte seines Landes. Er erzählt uns viel über alle Epochen und wie sehr Bosnien und Herzegowina in der Vergangenheit gebeutelt wurde. Umso schöner ist es zu sehen, dass die Einwohner dennoch unverzagt ihr Land wieder aufgebaut haben. Und das in voller Pracht. Die Altstadt von Mostar ist wunderschön.

Kleine Steinhäuser schlängeln sich entlang buckliger Steinstraßen. In den Gassen sitzen die Leute in den Schanigärten oder am Straßenrand, trinken Mokka und genießen das Leben.

Alte Brücke Stari Most

Wir biegen um eine Kurve und plötzlich liegt sie vor uns: die Alte Brücke (Stari Most). Sie ist Mostars Wahrzeichen und ein Meisterwerk osmanischer Ingenieurskunst. Ihre Entstehung datiert bis ins 16. Jahrhundert zurück.

Die Alte Brücke vor historischen Gebäuden der Altstadt von Mostar

Die Brücke galt damals als sehr schwierig zu bauen. Daher besagt die Legende, dass der Architekt zuerst mit der gleich in der Nähe gelegenen, kleinen Krummen Brücke (Kriva Ćuprija) geübt habe.

Steinerne Krumme Brücke in Mostar

Viele Jahrhunderte überstand die Alte Brücke von Mostar Kämpfe, Auseinandersetzungen, Erdbeben und sonstige Naturereignisse. Sie galt somit als Symbol der Beständigkeit. 1993 wurde die Brücke jedoch während des Bosnienkrieges von einer Mörsergranate getroffen und stürzte ein. Direkt nach dem Ende des Krieges begann der Wiederaufbau. Seit 2004 erstrahlt die Flussquerung nun wieder in vollem Glanz und bietet tolle Ausblicke auf die Stadt.

Blick auf Steinhäuser und Moscheen am anderen Ufer des Neretva-Flusses

Kujundžiluk-Viertel

Auf der anderen Seite des Neretva-Flusses reihen sich entlang der Kujundžiluk-Straße zahlreiche Geschäfte für Kunsthandwerk aneinander. In kleinen Werkstätten in ihren Läden fertigen die Händler Mitbringsel und Andenken von Hand. Es beginnt, leicht zu nieseln. Doch auch dafür hat Farukh eine Lösung. Etwa auf halber Höhe der Gasse gibt es einen Indoor-Basar in dem du überdacht stöbern kannst.

Blick in die schmale Kujundžiluk-Gasse mit steinernen Häusern und Geschäften

Das Ende der Kujundžiluk-Straße markiert die Koski-Mehmed-Pascha-Moschee (Koski Mehmed-pašina džamija). Von ihrer Terrasse hast du eine besonders schöne Sicht auf die Alte Brücke. Hier endet unsere Tour. Wir verabschieden uns von Farukh und spazieren auf eigene Faust durch die Altstadt von Mostar zurück zu unserem Hotel.

Nächtlich beleuchtete Alte Brücke Stari Most in Mostar

Am nächsten Morgen gehen wir erneut ins historische Zentrum. Farukh hatte empfohlen, dass wir uns die Brücke noch einmal bei Tageslicht anschauen. Kurz vor der Brücke führen rechts ein paar Treppenstufen hinunter zur Neretva. Von hier unten wird uns die wahre Höhe der Brücke erst so richtig bewusst. 19 Meter ragt sie über uns in den Himmel.

Blick von der Flussebene auf die Stari Most mit Altstadt von Mostar im Hintergrund

Das qualifiziert sie übrigens auch für einen beliebten Volkssport: Das Brückenspringen. Gegen einen kleinen Obolus springen junge Männer vom höchsten Punkt der Brücke in die eiskalte Neretva. Im Sommer gibt es sogar eine Meisterschaft, zu der Teilnehmer aus ganz Europa anreisen. Jetzt, Ende Oktober, ist es aber wohl schon zu kalt für dieses Spektakel.

Hoteltipp in Mostar

Hotel Villa Fortuna *, Rade Bitange 34, Mostar
Sehr gemütliches Bed & Breakfast, nur fünf Fußminuten von der Altstadt entfernt. Parkplätze direkt vorm Haus. Super Frühstück, gratis WLAN.

Restauranttipps in Mostar

  • Del Rio, Kardinala Stepinca 12, Mostar, city-hotel.ba
    Schönes Restaurant mit guter bosnisch-herzegowinischer und europäischer Küche. Gratis WLAN.
  • Restoran Radobolja, Ul. Kraljice Katarine 11A, Mostar, www.radobolja.ba
    Gemütliches Restaurant mit guter bosnisch-herzegowinischer Küche.

Derwischkloster Blagaj

Unser nächster Stopp ist eines der Highlights der Herzegowina. 20 Kilometer außerhalb von Mostar befindet sich das Derwischkloster Blagaj (Blagaj Tekke). Eingeschmiegt in eine Nische in der ansonsten senkrecht empor ragenden Felswand liegt es da. Direkt daneben tritt aus einer Höhle der Buna-Fluss an die Oberfläche. 43.000 Liter Wasser spuckt die Quelle pro Sekunde aus, das macht sie zu einer der stärksten in Europa.

Weißes Klostergebäude des Blagaj Tekke an der steilen Felswand mit Quellöffnung

Heute ist es vermutlich mehr, da es in den letzten Tagen viel geregnet hat. Das führt dazu, dass die Gastgärten der kleinen Restaurants und Cafés am Ufer nur sehr eingeschränkt nutzbar sind.

Überfluteter Gastgarten mit roten Tischen und Stühlen

Tipp: Lass dich bei der Anfahrt nicht irritieren. Gleich oben bei der Zufahrt zum Kloster kassiert ein Parkwächter die Parkgebühr. Fahr aber nicht auf einen der oberen Parkplätze, sondern folge der Straße ganz nach unten bis es nicht mehr weitergeht. Direkt vor dem Kloster gibt es auch ein paar Parkplätze. Hätte uns der nette Parkwächter das nicht wild gestikulierend verständlich gemacht, wären wir unnötig lange zu Fuß gegangen.

Die Derwische von Blagaj

Im Kloster kannst du gegen ein Entgelt mehr über die Lebensweise der Derwische erfahren. Die Derwische oder auch Sufis sind ein muslimischer Mönchsorden. Sie leben in Askese, verzichten also auf allen Besitz. Entsprechend spartanisch ist die Einrichtung des Klosters. Jedem Mönch steht eine kleine Steinzelle zu. Zum Schlafen gibt es einen Teppich, die Toilette ist eine kleine Steinnische. Es gibt ein Gemeinschaftsbad, einen Speisesaal, einen Gebetsraum und sonst nichts.

Aussicht aus dem Derwischkloster Blagaj auf die verzierte weiße Fassade

Ebenfalls empfehlenswert ist der Weg auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses. Er reicht bis fast direkt an die Quelle heran und ermöglicht einen tollen Blick auf das Kloster. Allerdings ist er etwas versteckt zu finden. Du musst über die Brücke hinter die Restaurantzeile gehen. Dort führt ein Weg zunächst auf einen kleinen Hügel mit einem schönen Blick über die Klosteranlage. Von dort gelangst du anschließend bis ganz nach vorne zur Buna-Quelle. 10 Grad kalt ist das Wasser, wenn es aus dem Felsen kommt. Die Badesachen kannst du also getrost im Auto lassen.

Der Klosterkomplex von Blagaj vor einer senkrecht aufragenden Felswand

Burgruine Tvrđava Hercega Stjepana Kosače

Auf der Weiterfahrt in Richtung Süden passieren wir eine historische Burg. Herzegowina bedeutet in etwa „Land des Herzogs“. Bevor die Osmanen übernahmen, hatten die Herrscher der Herzegowina hier ihren Hauptsitz. Die Ruine ist für Besichtigungen zugänglich und bietet weite Blicke über die Region bis nach Mostar. Das haben wir auf dieser Reise jedoch nicht gemacht.

Berglandschaft mit der Burgruine Tvrđava Hercega Stjepana Kosače im Hintergrund

Počitelj: Ein Dorf mit Aussicht

Knapp 25 Kilometer weiter südwestlich liegt Počitelj. Die Geschichte des kleinen Bergdorfs reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Zwar wurde die Altstadt im Bosnienkrieg schwer verwüstet, danach allerdings originalgetreu restauriert.

Die Burg von Počitelj über den steinernen Treppen der Altstadt

Das erlaubt es heute wieder, durch die kleinen mittelalterlich Gässchen zu spazieren. Allerdings solltest du etwas Kondition mitbringen, der Aufstieg ist ziemlich schweißtreibend.

Steinerne Treppen ermöglichen den Aufstieg durch Počitelj

Oben angekommen wirst du dafür mit einem unvergleichlichen Ausblick über das Neretva-Tal belohnt. Die Große Moschee, der Uhrturm, die Zitadelle auf dem anderen Bergkamm, dazwischen die wilden Granatapfelbäume — ein tolles Panorama!

Aussicht von der Burg über Počitelj und den Neretva-Fluss

Als wir gerade am höchsten Punkt des Dorfs angekommen sind, ertönt aus der Moschee der Gebetsruf des Muezzins. Eingebettet in diese fantastische Kulisse ein echtes Gänsehauterlebnis! Begeistert schlendern wir durch die Gassen wieder hinunter zum Parkplatz. Počitelj solltest du auf einer Tour durch die Herzegowina keinesfalls verpassen!

Altes Hamam in Počitelj

Wasserfälle von Kravica

Der letzte Stopp unseres Roadtrips durch die Herzegowina sind die Kravica-Wasserfälle gut 20 Kilometer westlich von Počitelj. Am Parkplatz angekommen stellen wir aber fest, dass es von hier noch ein gutes Stück Fußweg bis ganz hinunter zu den Fällen ist. Alternativ bringt dich ein kleiner Zug auf Rädern ans Ziel. Allerdings wollen wir heute noch bis nach Sarajevo zurückfahren. Deswegen beschließen wir, uns mit dem Blick von oben zu begnügen (der auch schon sehr schön ist).

Wasserfälle von Kravica

Um Sarajevo vor Einbruch der Dunkelheit erreichen, machen wir uns am Nachmittag auf den Rückweg. Etwa 170 Kilometer sind es von Kravica, gut drei Stunden Fahrt. Erneut fahren wir durch den wunderbaren Neretva-Canyon und genießen die Aussicht, bevor wir am frühen Abend Sarajevo erreichen.

In Wolken gehüllte Berge im Neretva-Canyon in Bosnien und Herzegowina

Ein Abstecher in die Republika Srpska

Nach dem Ende des Kriegs wollte man den verschiedenen Volksgruppen in Bosnien und Herzegowina gerecht werden. Daher besteht der Staat auch heute noch aus zwei weitestgehend autonomen Landesteilen. Bislang haben wir uns nur in der Föderation Bosnien und Herzegowina aufgehalten, in der hauptsächlich Bosniaken und bosnische Kroaten beheimatet sind.

Auf der anderen Seite gibt es die Republika Srpska, die von den bosnischen Serben bewohnt wird. Formell ist Sarajevo die Hauptstadt beider Landesteile. Somit liegt der Osten der Stadt bereits in der Republika Srpska. Einen Grenzposten gibt es jedoch nicht. Nur ein Schild weist darauf hin, dass wir von der einen in die andere Entität wechseln.

Straßenschild der Republika Srpska in kyrillischer und lateinischer Schrift

Der einzige auf den ersten Blick offensichtliche Unterschied ist die Straßenbeschilderung. In der Föderation Bosnien und Herzegowina steht die Beschriftung zuerst in lateinischer und darunter in kyrillischer Schrift. In der Republika Srpska ist es genau andersherum. Nicht direkt ersichtlich ist der religiöse Unterschied. Die Föderation ist mehrheitlich katholisch oder muslimisch, die Republika hingegen mehrheitlich serbisch-orthodox. Das Verhältnis zwischen den beiden Landesteilen ist nicht immer einfach. Man hat sich aber anscheinend miteinander arrangiert und lebt friedlich nebeneinander.

Ein- und Zweifamilienhäuser im ländlichen Ostsarajevo

Sarajevo-Tunnel: Ein Mahnmal an dunkle Zeiten

Die Grenze zwischen beiden Entitäten verläuft entlang der ehemaligen Frontlinie aus dem Bosnienkrieg. Gleich hinter Sarajevos Flughafen gibt es noch einen Zeitzeugen, der aus dieser dunklen Epoche berichtet. Gut 70 Jahre lang war Bosnien und Herzegowina ein Teil von Jugoslawien. Der Zerfall des Vielvölkerstaats ab 1991 führte zu einer Serie von grausamen Unabhängigkeitskriegen. Diese kosteten über 100.000 Menschen das Leben und zwangen Millionen von Menschen zur Flucht.

In Bosnien und Herzegowina tobten die Kämpfe von 1992 bis 1995. Gegen Ende des Krieges war Sarajevo von serbischen Truppen komplett eingekesselt. Einzig der Flughafen war als neutrales Gebiet deklariert und somit nicht besetzt. Also grub sich die Bevölkerung mit großen Strapazen unter der Start- und Landebahn hindurch, um eine Verbindung zu den nicht besetzten Vororten herzustellen. Dieser 800 Meter lange Tunnel sicherte die Versorgung der Stadt mit Lebensmitteln und Munition und war somit vermutlich kriegsentscheidend. Noch heute steht ein Teil des unterirdischen Gangs zur Besichtigung offen.

Eingangsgebäude des Sarajevo-Tunnels mit Einschusslöchern

Da wir jedoch unseren Flug erwischen müssen, sehen wir uns nur etwas im Eingangsbereich um. Das genügt uns vollkommen, um einen Eindruck vom Grauen dieser Zeit zu bekommen. Glücklicherweise herrscht nun seit über 20 Jahren Frieden in der Region. Das ermöglicht es Reisenden, die Schönheit des Landes zu erkunden. Die Leute freuen sich über Besucher aus dem Ausland und sind stolz darauf, was ihr kleines Land seitdem erreicht hat.

Fazit

Eines ist uns nach dieser Reise absolut klar: Bosnien und Herzegowina ist ein völlig unterschätztes Reiseziel! Tolle Landschaften, schöne und interessante historische Orte, köstliches Essen und unglaublich aufgeschlossene, herzliche Menschen. Dazu noch ein für uns sehr günstiges Preisniveau — es gibt aus unserer Sicht absolut nichts, was gegen einen Besuch spricht!

Blick über die Berglandschaften von Bosnien und Herzegowina aus dem Flugzeug

Unser besonderer Dank gilt dem Team vom Fortuna Lufthansa City Center, das uns bei der Planung und Organisation der Reise sehr großzügig unterstützt hat! – Hvala puno Fortuna Tours for your generous support in organising this trip!

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Wir lieben Roadtrips! Daher nehmen wir mit diesem Beitrag an der Roadtrip-Blogparade von Smilesfromabroad teil.

Reisetipps Bosnien und Herzegowina

Transport vor Ort

Die Altstädte von Sarajevo und Mostar sind ganz einfach zu Fuß zu erkunden. Beide sind nahezu komplette Fußgängerzonen. In Sarajevo gibt es eine Straßenbahnlinie, die die Altstadt mit den westlichen Vororten verbindet. Taxis sind sehr günstig. Lass sie dir aber am besten immer vom Hotel/Restaurant bestellen, damit du auch wirklich ein seriöses bekommst.

Für die Fahrt von Sarajevo nach Mostar nimmst du am besten einen Mietwagen. Die meisten Quellen im Internet raten, in Bosnien und Herzegowina sehr defensiv zu fahren. Wir haben die Autofahrer insgesamt als recht vernünftig erlebt. Aufgrund des Zustands mancher Nebenstraßen ist es jedoch empfehlenswert, nicht bei Nacht zu fahren.

Reiseinfos Bosnien und Herzegowina

Sprache
Bosnisch, Kroatisch, Serbisch. Besonders in der Herzegowina wird oft auch Deutsch gesprochen.

Zeitzone
MEZ, UTC+1, Sommerzeit von März bis Oktober. Kein Zeitunterschied zu Deutschland/Österreich/Schweiz.

Währung
Konvertible Mark (KM/BAM), 1 BAM (~0,50 EUR) = 100 Fening. War 1:1 an die Deutsche Mark gekoppelt, wird also auch genau so in Euro umgerechnet (1 EUR = 1,95583 BAM). In vielen Geschäften und Restaurants werden auch EUR akzeptiert.

Roadtrip-Info
Rechtsverkehr. Hauptverkehrsachsen gut ausgebaut, Nebenstraßen oft in schlechtem Zustand. Tempolimit auf Autobahnen 130 km/h, auf Schnellstraßen 100 km/h, auf Landstraßen 80 km/h. Innerorts 60 km/h. Auf den Autobahnen wird Maut erhoben. Man zieht ein Ticket und zahlt dieses an der nächsten Mautstation oder Autobahnabfahrt.

Strom/Adapter
230 V/50 Hz, kein Adapter notwendig.

Trinkgeld Restaurant
Je nach Zufriedenheit 5-10 %.

Trinkgeld Taxi
Wer zufrieden ist, rundet etwas auf.

Trinkgeld Hotel
1-2 KM für Reinigungspersonal und Kofferträger pro Tag bzw. Gepäckstück


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21 Kommentare

  1. Toller Bericht mit beeindruckenden Bildern! Jetzt hab ich noch mehr Lust auf dieses Land.
    Hattet ihr Probleme, als ihr mit dem Auto unterwegs wart? Ein Bekannter hat uns mal erzählt, dass es teilweise als Touri nicht ganz ohne ist, da alleine unterwegs zu sein, weil die Straßen grenzwertig sind und man teilweise Opfer von Polizeiabzocke wird.
    Würdest du das Land auch für eine Reise mit Baby empfehlen oder ist das dann eher nicht geeignet?

    LG, Katja

    • Hallo Katja,

      vielen Dank! Wir hatten mit dem Auto überhaupt keine Probleme. Die Hauptstraßen waren alle in gutem Zustand, die Straße von Sarajevo nach Mostar nagelneu asphaltiert. Abseits der zentralen Verbindungen kann der Zustand schon auch mal marode sein (Schlaglöcher, etc.). Den Fahrstil der Leute fand ich nicht schlimm, nur im Stadtverkehr solltest du aufmerksam auf spontane Spurwechsler etc. achten.

      Die Polizei haben wir kein einziges Mal gesehen, insofern kann ich dazu nichts berichten. Wir hatten aber auch einen Mietwagen mit bosnisch-herzegowinischem Kennzeichen. Ob das mit einem ausländischen Nummernschild vielleicht anders läuft, wage ich nicht zu beurteilen. Wichtig: Lass‘ dir bei der Wagenübernahme alle Schäden und Kratzer ordentlich dokumentieren, damit es später keine Diskussionen gibt.

      Mit Babys habe ich keine eigene Erfahrung. Ich wüsste aber nicht, was dagegen spräche. Die Infrastruktur an den touristischen Hotspots entspricht europäischen Standards. Wir haben uns insgesamt sehr sicher gefühlt. Nachts würde ich mich auch hier in Österreich nicht in irgendwelchen dunklen Gassen herumtreiben. Ich denke also, wenn du den normalen Hausverstand walten lässt, sollte das gut funktionieren.

      Wenn du noch Fragen hast, sag gerne Bescheid!

      LG
      Wolfgang

  2. Hallo Ihr Beiden,
    das weckt Erinnerungen. Mein Mann und ich sind Anfang der Achtziger 14 Tage durch Jugoslawien gereist. In Sarajewo sind wir nur durchgefahren bzw. haben die Lateinerbrücke gesehen. Mostar hat uns sehr gut gefallen, die vielen kleinen Geschäfte und unser erstes bisschen Orient. Damals stand noch die alte Brücke in Mostar.

    Liebe Grüße
    Renate

    • Hallo Renate,
      Vielen Dank! Schön, dass wir eure Erinnerungen ein bisschen auffrischen konnten!

      Uns hat Bosnien und Herzegowina insgesamt sehr positiv überrascht und auch sehr gut gefallen.

      Wart ihr denn auch noch weiter in der Herzegowina, also Blagaj, Počitelj, Kravica etc.? Davon wird unser nächster Bericht handeln. Da wäre es natürlich auch spannend für uns, einen Vergleich zu damals zu bekommen.

      Und natürlich würde mich auch interessieren, was ihr in Jugoslawien sonst noch alles erlebt und gesehen habt. Die nächste Reise in die Region kommt bestimmt :)

      Liebe Grüße
      Wolfgang

  3. Voll schön! Ich werde deine Reiseroute in meine Sommerroute einplanen :) dann können wir vergleichen. Sieht echt wunderschön und unberührt aus!
    Lg Lucia

    • Vielen Dank, das freut mich. ☺️ Da bin ich jetzt schon gespannt, was du zu berichten haben wirst. Wenn du Fragen hast, immer her damit.
      Lg
      Wolfgang

  4. Lieber Wolfgang,
    es gelingt dir wieder einmal, uns in Erstaunen zu versetzen. Ein herrliches Land!
    GlG Birgit und Wolfgang

    • Hi Kathi,

      das freut uns. :) Wir sind gespannt, wie es dir gefallen wird. Lass es uns gerne wissen!

      Dir auf jeden Fall schon mal eine tolle Reise in dieses schöne Land!

      Liebe Grüße
      Wolfgang

  5. Hi,
    Wir sind gerade in Mostar und haben morgen den Tag über hier Zeit.
    Wo finden wir denn Farukh bzw wie können wir ihn kontaktieren?
    Vielen Dank

    • Hi David,

      wir hatten den Guide damals von Fortuna Tours gestellt bekommen, die Reiseagentur kenne ich über meinen Hauptjob. Die haben einen Standort mitten in der Altstadt (Kujundžiluk 2), dort könnt ihr einfach mal nachfragen.

      Viele Grüße und genießt Mostar
      Wolfgang

  6. Hallo Wolfgang,
    als geburtiger Bosnier,freue ich mich,dass dir Land gefällt. In der Tat,sind noch viele Naturperlen zu sehen dort,ich persönlich,halte die Natur selbst als oberstes Besichtigung Grund. Gibt’s zwar auch kulturelle und architektonische Hingucker, was aber jeder Natur Liebhaber sehen soll,ist der Nationalpark Sutjeska,der in Südost liegt und verbreitet sich auch durch Serbien und Montenegro. Dort ist der letzter Urwald Europas zu finden, viele Tiere und Pflanzen die es nur noch dort gibt. Die Geschichte des Landes ist seit Jahrtausende beeinflusst durch große Imperien der Zeit,was an sich normal ist und ich bin nicht interessiert jetzt diese abzutippen. Kurzum, ich wollte Deine Reise einfach mal loben,und bestätigen dass Ihr nirgends so viel essen serviert bekommen könnt, für sagen wir Mal, Lau…
    Trotz allem,nehmt euch in acht, Diebe und Betrüger gibt es bei uns auch

    • Hallo Elmir,

      danke dir für deine lieben Worte, darüber freuen wir uns sehr! Ja, in der Tat hat uns die Natur in Bosnien auch mit am besten gefallen. Wir wollen auf jeden Fall mal wieder zurückkommen, vielen Dank daher auch für den Tipp mit dem Sutjeska-Nationalpark. Den kannten wir noch nicht, sieht aber sehr schön aus! Diebe und Betrüger gibt es leider überall, davor muss man sich glaube ich immer in Acht nehmen, egal wohin man reist. Das sollte aber niemanden abhalten diese wunderschönen Ecken zu erkunden!

      Viele Grüße
      Wolfgang

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