„Ab hier wird’s etwas holpriger“, sagt unser Guide Butz und biegt links ab. Wir verlassen die B1, Namibias Nord-Süd-Achse. Sie gehört zu den wenigen asphaltierten Straßen des Landes. Nun geht es über die schier endlosen Schotterpisten Namibias weiter. Etwa 50.000 km Straße durchziehen das Land. Davon verfügt jedoch nur rund ein Zehntel über eine Asphaltdecke. „Hier fahren so wenige Autos. Da würde sich das gar nicht lohnen, hier alles zu teeren“, meint Butz. „Wenn es trocken ist, kannst du auch auf den Pads gute 80-100 fahren.“ Pad ist Afrikaans für Piste. Der Zustand der Straßen ist erstaunlich gut. Sogenannte Grader (oder auch Straßenhobel) planieren und begradigen die Pisten regelmäßig. Gefährlich wird es eigentlich nur, wenn es regnet. „Dann fährst du hier wie auf Seifenlauge.“ Und so rumpeln wir unserem nächsten Ziel Fish River Canyon entgegen.

Schotterpiste in Namibia - reiseblitz.com
Eine typische Schotterstraße in Namibia

Fish River Canyon: Zweitgrößter Canyon der Erde

Nachdem wir am Morgen die Grenze nach Namibia überschritten haben, nähern wir uns nun dem ersten Highlight des Landes. Auf 160 km Länge hat sich der Fischfluss hier teils mehr als einen halben Kilometer tief in den Boden gegraben und so eine spektakuläre Landschaft erschaffen. Schon von weitem ist die Sicht beeindruckend.

Fish River Canyon, Namibia - reiseblitz.com
Schon aus der Ferne ist die Canyonlandschaft beeindruckend.

Der Hauptaussichtspunkt für den Fish River Canyon befindet sich bei Hobas. Dort gibt es ein paar Tische und Bänke, einige Infotafeln zur Entstehung des Naturschauspiels und natürlich einen fantastischen Blick hinab in den Canyon.

Fish River Canyon, Namibia - reiseblitz.com
Der gewaltige Fish River Canyon

Es gibt noch einige weitere Aussichtspunkte entlang der Abbruchkante, die alle sehr verschiedene Perspektiven auf die Schlucht geben. Es lohnt sich also, sich in alle Richtungen ein wenig umzuschauen.

Aussicht am Fish River Canyon - reiseblitz.com
Anderer Platz, andere Aussicht, genauso spektakulär!

Nicht nur die Sicht hinunter ist beeindruckend. Gerade im Licht der langsam untergehenden Sonne ist auch der Blick zurück in die unglaubliche Weite Namibias wunderschön.

Fish River Canyon Hinterland - reiseblitz.com
Auch mit dem Canyon im Rücken ist die Sicht sehr schön

Von der letzten Station wandern wir zu Fuß etwa 1,5 km entlang des Fish River Canyon zurück zum zentralen Aussichtspunkt. Butz hat uns hier abgesetzt und ist schon mal mit dem Auto vorgefahren. Warum, erfahren wir dort: Er hat einen Sundowner vorbereitet. Bei einem Drink sitzt man gemütlich beisammen und beobachtet in aller Ruhe den Sonnenuntergang – eine schöne Tradition. Zumal das klassische Getränk dafür Gin Tonic ist, den ich sehr gerne trinke.

Sundowner am Fish River Canyon - reiseblitz.com
Ein Gin Tonic ist das übliche Sundowner-Getränk in Namibia

Als die Sonne schließlich ganz verschwunden ist, machen wir uns auf den Weg zu unserer Unterkunft und lassen den Tag bei einem guten Steak von der Oryx-Antilope ausklingen.

Die //Karas-Region: Immer weiter nach Norden

//Karas ist Namibias südlichste Region (// symbolisiert einen Klicklaut der Khoekhoegowab-Sprache). Sie ist sehr dünn besiedelt und reich an Diamanten. Die größte Stadt der Region ist Lüderitz. Ihre Entstehung ist ein Paradebeispiel dafür, wie die späteren Kolonialmächte die einheimischen afrikanischen Völker nach Strich und Faden hinters Licht führten.

Adolf Lüderitz war ein Tabakhändler aus Bremen. Er kam 1883 an und wollte hier Land kaufen, um Bodenschätze zu suchen. Dafür vereinbarte er mit dem zuständigen Stammesführer einen Kaufpreis von 100 Goldpfund und 250 Gewehren für ein 40 mal 20 Meilen großes Gebiet. Allerdings eröffnet Lüderitz ihm erst nach Abschluss des Verkaufs, dass er nicht englische Meilen (1,6 km), sondern natürlich preußische Meilen (7,5 km) meinte. Anstelle der vom Stammesführer angenommenen 70 mal 35 km nahm Lüderitz somit mit 300 mal 150 km den Großteil des Stammesgebiets in Besitz.

Die Strafe folgte jedoch auf dem Fuße. Trotz enormer Investitionen blieb Lüderitz‘ Suche nach Rohstoffen erfolglos und stürzte ihn in enorme wirtschaftliche Schwierigkeiten. 1886 verscholl er schließlich bei einer Bootsexpedition auf dem Oranje-Fluss und war nie mehr gesehen.

Naute: Ein Damm gegen die Trockenheit

Heute ist trotz der kargen und trockenen Landschaften die Landwirtschaft ein wichtiger Wirtschaftszweig in //Karas. Um die Felder bewässern zu können, wurde hier im Süden der Naute-Damm angelegt. Er staut den Löwenfluss zu einem etwa 7 km langen See, der zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. Zahlreiche Vögel und Säugetiere haben es sich in der schönen Landschaft gemütlich gemacht.

Bethanie: Missionsstation und Betrugsschauplatz

Etwa 90 km weiter nördlich liegt das kleine Örtchen Bethanie. Hier haute nicht nur Lüderitz die Einheimischen mit seinem Landschwindel übers Ohr. Bethanie war auch Wirkungsstätte eines weiteren Bremers. Heinrich Schmelen wollte die im Umland lebenden Völker zum christlichen Glauben bekehren. Dafür errichtete er hier 1815 eine Missionsstation. Sein Wohnhaus war das erste von Europäern errichtete Steinhaus in Südwestafrika. Dieses ist auch heute noch zu besichtigen. Allerdings gilt bei diesem Stopp ganz klar für mich: Kann man machen, muss man aber nicht…

Schmelenhaus Bethanie - reiseblitz.com
Das Schmelenhaus in Bethanie

Helmeringhausen: Versorgungsstation mit Charme

Acht Gebäude und elf permanente Bewohner, das ist Helmeringhausen. Dennoch hat sich die Siedlung als Versorgungsstation auf dem Weg nach Norden etabliert. Die einzige Tankstelle im näheren Umkreis, ein kleines Hotel und eine Kaffeestube bieten alles für einen Tankstopp für Mensch und Maschine.

Hotel Helmeringhausen
Das Hotel Helmeringhausen hat einen schönen Gastgarten.

Das eigentliche Highlight bei der Kaffeepause ist jedoch ein domestizierter Springbock. Frech spaziert er hier zwischen den Tischen herum und macht sich auch ganz ungeniert an die Gäste heran.

Springbok Helmeringhausen
Der Springbock hat offensichtlich Gefallen an Jessi gefunden.

Ein Sonnenuntergang über Hardap

Nachdem alle wieder erfrischt sind, geht es weiter in Richtung Norden. Wir verlassen //Karas und überqueren die Grenze zur Region Hardap. Hier wird die Landschaft zunehmend bergiger. Außerdem erfahren wir, was in Namibia passiert, wenn man sein Auto zu lange unbeaufsichtigt lässt.

Am frühen Abend erreichen wir schließlich unsere Unterkunft in der Nähe von Sesriem und werden Zeugen eines weiteren, wunderbaren Sonnenuntergangs.

Sonnenuntergang über Hardap
Der wunderschöne Sonnenuntergang über Hardap

Morgen heißt es dann früh aufstehen, es geht in die Namibwüste!

Abenddämmerung in Hardap
Abenddämmerung in Hardap
  • Strecke: ca. 760 km
  • Gesamtzeit: ca. 1,5-2 Tage
  • Fahrzeit: ca. 9 Stunden
Ohne Auto wird es hier schwierig. Die Strecken sind recht lang und führen größtenteils über Schotterstraßen. Wer sich das selbst nicht zutraut, dem sei eine organisierte Tour empfohlen.
Canyon Roadhouse
On the C37; 20 km from the main lookout point at the Fish River
Fish River Canyon
//Karas
www.gondwana-collection.com/the-fish-river-canyon-experience/accommodation/canyon-roadhouse/

Gemütliches Lokal im Stil einer alten Service-Station. Sehr gute Steaks (Antilope, Rind, etc.) und lokales Bier.

Canyon Roadhouse Restaurant
Canyon Roadhouse
On the C37; 20 km from the main lookout point at the Fish River
Fish River Canyon
//Karas
www.gondwana-collection.com/the-fish-river-canyon-experience/accommodation/canyon-roadhouse/

Etwa 20 Autominuten vom Fish River Canyon gelegen. Genial gestaltet im Stil einer alten Werkstatt mit vielen alten Autos. Wer den Film "Cars" mag, ist hier genau richtig. Parkplätze direkt vorm Haus, gutes Frühstück, gratis WLAN im Haupthaus.

Canyon Roadhouse
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