Western Cape: Ein Roadtrip nach Namibia

Afrika Südafrika Western Cape: Ein Roadtrip nach Namibia

Western Cape ist Südafrikas südwestlichste Provinz. Die beliebtesten Reiseziele sind hier sicherlich Kapstadt, die Kaphalbinsel und die Weinbaugebiete um Stellenbosch. Auch die im östlichen Teil der Provinz gelegene Garden Route ist weltbekannt. Doch auch im Norden hat die Western-Cape Region Einiges zu bieten. Das wollen wir uns auf unserem Weg in Richtung Namibia natürlich genauer ansehen.

Bloubergstrand: Badestrand mit Aussicht (theoretisch)

Auch im Norden von Kapstadt gibt es zahlreiche kleine Strandvororte, die teils nahtlos ineinander übergehen. Wenn das Wetter schön ist, hat man von hier noch einmal eine tolle Sicht zurück auf den Tafelberg. 7 km direkt voraus im offenen Meer befindet sich außerdem Robben Island. Diese berühmt-berüchtigte Gefängnisinsel diente zuletzt vor allem der Inhaftierung politischer Häftlinge, ihr wohl bekanntester Insasse war Nelson Mandela.

Leider haben wir jedoch heute einen leichten Regentag erwischt, sodass die Sicht in beide Richtungen nicht so weit reicht. Wir spazieren daher nur ein bisschen am Strand entlang und staunen über die riesigen Kelppflanzen, die durch den starken Wellengang abgerissen und an Land gespült werden.

Bloubergstrand am Western Cape
Abgerissener Kelp am Bloubergstrand

Über weite Teile des Western Cape wachsen kurz vor der Küste riesige Kelpwälder. Die Tangpflanzen erreichen bis zu 45 Meter Länge und bieten zahlreichen Meerestieren eine Heimat.

Vogelparadies West Coast National Park

Vom Bloubergstrand sind es etwa 70 km weiter nach Norden bis zum West-Coast-Nationalpark. Dieser zählt sicher zu den schönsten Nationalparks in Western Cape, insbesondere für Vogelfreunde. Entlang der etwa 15 km langen Langebaan-Lagune leben im Sommer ca. 750.000 Vögel und zahlreiche Antilopenarten. So müssen wir auch nicht lange warten, bis sich auf beiden Seiten des Autos erste Begleiter einstellen.

Die Lagune gräbt sich hier in recht hügeliges Terrain und langsam klart das Wetter auch auf, sodass sich nach und nach immer weitere Blicke in die Landschaft ergeben. Immer häufiger blitzt die Sonne durch die Wolken und sorgt für schöne Lichtspiele.

Flamingos und andere Futterneider

Am nördlichen Ende des Parks gibt es eine Vogelbeobachtungsstation. Wir Besucher gelangen über einen sichtgeschützten Steg in einen Holzverschlag. Hier können wir kleine Holzklappen öffnen und die Tiere beobachten, ohne sie zu stören. Entsprechen zahlreich tummeln sie sich hier im flachen Wasser der Lagune. Unzählige Flamingos suchen nach Plankton. Dazwischen versuchen verschiedene Möwenarten, heruntergefallene Überbleibsel zu stibitzen. Ein Pelikan fliegt mit prall gefülltem Schnabel vorbei und ein Reiher trocknet sein Gefieder im Sonnenlicht.

Flamingos kommen übrigens weiß zur Welt und nehmen über mitgefressene Algen roten Farbstoff auf. Dieser lagert sich im Gefieder ab und so färben sich die Tiere im Laufe ihres Lebens immer stärker rosa. Hier in Western Cape ist der Algengehalt jedoch nicht so hoch, daher bleiben die Vögel eher zartrosa.

Ein Braai in Clanwilliam

Wir verlassen den Nationalpark im Norden und halten für einen kurzen Tank- und Verpflegungsstop im kleinen Örtchen Langebaan. Tiere interessieren sich ja gemeinhin (zu Recht) relativ wenig für vom Menschen gemachte Grenzen und so sind auch hier noch zahlreiche Vögel unterwegs. In den Palmen auf dem Supermarktparkplatz bauen ein paar Webervögel ihre kunstvollen Nester.

Webervogelnest am Western Cape
Eifrig baut der Webervogel an seinem kunstvollen Nest

Am frühen Abend erreichen wir unser Guesthouse im 200 km entfernten Clanwilliam, wo unsere Gastgeber schon ein köstliches Braai für uns vorbereitet haben. Braai ist Afrikaans für Barbecue bzw. Grillerei und ist in Südafrika und Namibia sehr beliebt. Holzkohle ist für einen echten Braai-Meister jedoch keine Option. Der üblicherweise steinerne Braaistand wird klassischerweise mit Kameldornbaumholz auf Betriebstemperatur gebracht. Wir genießen Boerewors (eine kräftig gewürzte Bratwurst aus verschiedenen Fleischsorten), Grillspieße, Koteletts und verschiedene Salate, bevor wir zufrieden ins Bett fallen.

Braai am Western Cape
Ein echtes Braai solltet ihr in Südafrika auf jeden Fall einmal mitmachen.

(Prä-)Historisches Western Cape: Auf den Spuren der San

Schon lange bevor die ersten europäischen Siedler ankamen, lebte in der Western Cape Region das Volk der Khoisan. Dieses teilt sich wiederum in die ursprünglich viehhaltenden Khoikhoi und die ausschließlich als Jäger und Sammler lebenden San. Wie auch in Europa hielten die steinzeitlichen Familien ihre Erlebnisse während der Jagd gerne bildlich fest. Etwa 35 km östlich von Clanwilliam liegt, eingebettet in die malerischen Cederberge, der Sevilla Rock Art Trail. Ein etwa 4 km langer Wanderweg führt uns hier zu neun besonders schön erhaltenen Felsmalereistationen.

Sevilla Rock Art Trail Western Cape
Der Einstieg in den Sevilla Rock Art Trail

Einen Permit für den Trail bekommt ihr für 40 Rand (~ 2,50 EUR) im benachbarten Besucherkiosk. Der Weg führt dann entlang des Brandewyn-Flusses immer tiefer in die canyonartige Landschaft hinein.

Brandewyn-Fluss Western Cape
Der Brandewyn-Fluss hat den Canyon über Jahrtausende erschaffen

Die Wanderung ist auch ungeübt gut zu machen und lohnt sich. In teils sehr beeindruckenden Details zeigen die bis zu 8.000 Jahre alten Zeichnungen Jagderfolge, Tiere und Schönheitsideale der San.

Natürlich gerahmt wird die Kunst von den fantastischen Felsformationen der Cederberge. Der Brandewyn-Fluss führte früher deutlich mehr Wasser und so sind überall Sedimente, alte Schleifspuren und trockene ehemalige Flussbetten zu erkennen. Nach gut drei Stunden kehren wir sehr beeindruckt zum Auto zurück und setzen unseren Weg gen Norden fort.

Auf dem Weg nach Namibia

Unser nächster Übernachtungsstop ist das etwa 370 km entfernte Springbok, das bereits in der Nachbarprovinz Northern Cape liegt. Auf dem Weg dorthin schnuppern wir noch ein bisschen in den Alltag auf dem Land hinein. Immer wieder gibt es entlang des Wegs kleine Läden, in denen die Bewohner der kleinen Örtchen des Western Cape alle möglichen Waren sehr günstig verkaufen. Zwei große Netze selbst angebauter Orangen/Mandarinen bekommen wir hier für 30 Rand (~ 2 EUR).

Springbok selbst gibt außer einem guten Steakhouse nicht wirklich viel her. Am nächsten Morgen treten wir dann die letzte südafrikanische Etappe vor Namibia an. Je näher wir der Grenze kommen, desto karger wird die Landschaft. Wir haben die letzten Ausläufer der Namib-Wüste erreicht.

Und dann, etwa 125 km nördlich von Springbok ist es soweit, wir lassen Afrikas südlichstes Land hinter uns. Wir überqueren den Oranje-Fluss, der die natürliche Grenze zwischen Südafrika und Namibia bildet.

Die Grenzformalitäten sind schnell erledigt und wir sind schon gespannt, was Namibia für uns bereithält! Unser nächster Stop wird der Fish River Canyon sein, der zweitgrößte Canyon der Welt. Dazu dann aber mehr im nächsten Beitrag.

  • Strecke: ca. 890 km
  • Gesamtzeit: ca. 2,5 Tage
  • Fahrzeit: ca. 10 Stunden
Ohne Auto kommt ihr hier nicht mehr weit. Öffentlicher Verkehr ist auf dieser Strecke nur sehr spärlich vorhanden.
Tauren Steak Ranch Restaurant
Hospitaal straat 2
8240 Springbok
Tauren auf facebook

Gemütliches Steakhouse mit guten Rind- und Wildsteaks.
Blommenberg Guest House
1 Graafwater Road
8135 Clanwilliam
www.blommenberg.co.za

Gemütliches Guesthouse mit schönem Innenhof und Braai-Platz. Gutes Frühstück, gratis WLAN.

The Olive Tree Guest House

1 Olivier St, Simonsig
8240 Springbok

Schönes Guest House im Zentrum von Springbok. Gutes Frühstück, gratis WLAN (im Gemeinschaftsbereich).
Dir gefällt dieser Beitrag? Dann freuen wir uns, wenn du in teilst!

4 Kommentare

  1. Sehr schön geschrieben! :) das mit dem Blouberg Strand ging mir ähnlich. Als ich dort stand, habe ich ungefähr nichts sehen können. Aber wer weiß, vielleicht ein Grund mal wieder zu kommen…

    Liebe Grüße,
    Lynn

    • Vielen Dank! :) Ich denke, nur deswegen würde ich wohl nicht noch mal extra hinfahren. Aber wenn man ohnehin in der Nähe ist, warum nicht? ;)
      Liebe Grüße
      Wolfgang

Kommentiere den Artikel

Please enter your comment!
Bitte gib deinen Namen hier ein