Im Herzen des Landes, gut 50 Kilometer nordöstlich von Riga, liegt Lettlands ältestes und größtes Naturschutzgebiet: der Gauja-Nationalpark. Etwa 60 Kilometer schlängelt sich der Gauja-Fluss hier auf seinem Weg in Richtung Ostsee durch nahezu unberührte Landschaften. Zwei Highlights des Gauja-Nationalparks stellen wir dir in diesem Beitrag vor: die Burgruine Turaida und die Cīrulīši Nature Trails.

Die Burgruine Turaida

Am südwestlichen Ende des Parks liegt das kleine Städtchen Sigulda. Ein paar Kilometer nördlich des Stadtzentrums befindet sich die beeindruckende Ruine der Burg Turaida.

Eingang zur Burg Turaida
Die Burg liegt mitten in der grünen Natur.

Sie wurde im 13. Jahrhundert auf Anordnung des Bischofs von Riga erbaut und wachte über 500 Jahre lang über die Region. 1776 brannte sie fast vollständig ab und steht seitdem leer. In den 50er-Jahren wurde mit der Restaurierung begonnen, die bis heute andauert.

Burghof der Burg Turaida im Gauja-Nationalpark
Der wuchtige Bergfried ist das Zentrum der Burganlage.

Inzwischen beherbergt die Burg ein Museum, in dem die Geschichte der Anlage näher erklärt wird. Besonders lohnenswert ist der Aufstieg auf den Bergfried, von dem aus du eine herrliche Aussicht über die schöne Flusslandschaft des Gauja-Nationalparks hast.

Aussicht vom Bergfried in Turaida, Gauja-Nationalpark
Tolle Aussicht vom Bergfried

Infos zu Öffnungszeiten, Ausstellungen und Eintrittskarten findest du auf der Homepage der Burg Turaida.

Die Cīrulīši Nature Trails

Rund 45 Kilometer nordöstlich von Sigulda liegt Cēsis, die zweite Stadt innerhalb der Grenzen des Nationalparks. Hier wollen wir uns die Cīrulīši-Naturpfade anschauen. Diese sind jedoch gar nicht so einfach zu finden. Von Nordwesten kommend zweigt kurz vor der Ortseinfahrt eine unscheinbare Seitenstraße zu einem Campingplatz ab. Nur mit Hilfe des netten und hilfsbereiten Platzwarts finden wir heraus, dass wir zu Fuß durch den Campingplatz und dann dahinter über eine kleine Brücke gehen müssen. Dort beginnt der Weg etwas versteckt in einem Waldstück. Kein Wunder also, dass die Cīrulīši Trails bisher auf den wenigsten touristischen Landkarten vertreten sind.

Umso besser für uns. Der Weg ist menschenleer, nur ein älteres lettisches Ehepaar nickt uns unterwegs freundlich zu. So können wir die wunderbare Natur in aller Ruhe genießen. Zwei Routen stehen zur Wahl, wir entscheiden uns für die mit 2,7 Kilometern kürzere Strecke. Der längere Weg ist 4,6 Kilometer lang und führt noch etwas tiefer in den Wald hinein. Schon nach wenigen Metern sind wir sehr begeistert. Völlig unberührt schlängelt sich vor uns die Gauja durch die sattgrüne Landschaft. Außer dem leisen Plätschern des Flusses und dem Zwitschern der Vögel herrscht komplette Stille.

Gauja-Fluss im Gauja-Nationalpark
Friedlich bahnt sich die Gauja ihren Weg durch den Nationalpark

Der Weg entlang des Flusses wechselt zwischen Trampelpfad und Brettersteg. Zu beiden Seiten grünt, blüht und wuselt es. Die Natur kann sich hier völlig frei entfalten und honoriert das mit üppigen Blüten, unzähligen Grüntönen und schönen Schmetterlingen.

Holzsteg im Gauja-Nationalpark
Der Holzsteg ist der einzige Weg durch das Dickicht.

Spiegelklippen mit Trinkwasserqualität

Gemächlich zieht neben uns ein schmaler Nebenfluss der Gauja seine Bahnen. Er fließt so langsam und ruhig vor sich hin, dass seine Oberfläche spiegelglatt ist. Dadurch entstehen tolle Reflexionen der umliegenden Landschaft. Besonders schön ist der Effekt bei den Spiegelklippen (Spoguļu klintis). Hier spiegeln sich die kahlen Felsen mit einer kleinen Grotte im Wasser und erzeugen ein fast schon märchenhaftes Bild.

Spiegelklippen im Gauja-Nationalpark
Die Spiegelklippen sind wunderschön.

Nur wenige Meter weiter gelangen wir zu einer Quelle des Nebenflusses. Er sprudelt hier aus einer Öffnung im Fels. Das Wasser ist so klar, dass wir zweimal hinschauen müssen, ob es überhaupt fließt. Am Steg ist ein kleiner metallener Becher mit einer Kette befestigt. Ein Schild weist darauf hin, dass das Wasser Trinkwasserqualität hat und man gerne seine Trinkflasche damit füllen möge. Da lassen wir uns nicht zweimal bitten, das eiskalte Wasser schmeckt sehr gut und erfrischend.

Quelle im Gauja-Nationalpark
Hier fließt tatsächlich ein Bach und das sogar recht schnell. Allerdings ist das Wasser so klar, dass man ihn kaum sieht.

So schön kann eine Blumenwiese sein

Es geht leicht bergauf und wir erreichen den höchsten Punkt des Cīrulīši Trails. Er ist eigentlich nicht besonders spektakulär, sondern einfach nur eine bunte Blumenwiese. Und trotzdem zieht uns dieses Fleckchen Erde in seinen Bann. Überall summt und brummt es. Unzählige Schmetterlinge, Hummeln und Bienen fliegen von Blüte zu Blüte, die Vögel zwitschern. Das Gras wuchert hüfthoch und Samen von Pusteblumen fliegen durch die sonnengewärmte Luft.

Blumenwiese auf den Cīrulīši Nature Trails
Die Cīrulīši Nature Trails werden ihrem Namen absolut gerecht.

Irgendetwas hat dieser Ort, was sich mit Worten nicht beschreiben lässt. Vielleicht ist es die völlig unberührte Natur, wie sie bei uns kaum noch zu finden ist. Vielleicht ist es auch das Gesamtbild der Cīrulīši Trails, die uns an jeder Station aufs Neue begeistert haben. Wir verweilen ein wenig inmitten der Wiese, bevor wir durch einen nicht minder schönen Wald den Rückweg zum Parkplatz antreten.

Fazit

Den Gauja-Nationalpark solltest du auf einer Reise durchs Baltikum aus unserer Sicht unbedingt mit einplanen. Die beeindruckende Burgruine von Turaida und vor allem die wunderschönen Cīrulīši Nature Trails haben uns sehr begeistert. Wir haben im Park auf dem Weg von Riga nach Tartu Station gemacht, als Tagesausflug von Riga ist die Tour aber ebenfalls geeignet. Weitere Ideen für Aktivitäten vor Ort findest du auf der Homepage des Gauja-Nationalparks.

Die gesamte Route unseres Baltikum-Roadtrips stellen wir dir in unserem Blogartikel 10 Tage Roadtrip durchs Baltikum: Unsere Route vor.

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