Auch für die nächsten Tage haben wir uns die Natur Kanadas zur Besichtigung vorgenommen. Dazu dient uns vorerst Little Shemogue als Ausgangsbasis für die Erkundung.

Etappe: Little Shemogue – Fundy Bay – Little Shemogue – Prince Edward Island – Halifax (ca. 705 km)

Tag 10: Little Shemogue – Fundy Bay – Little Shemogue (ca. 295 km)

Nach einem Frühstück und einem kurzen Plausch mit der Betreiberin des Bed & Breakfasts fahren wir los in Richtung Westen mit dem Ziel, Zeugen der weltweit höchsten Gezeitenunterschiede zu werden. Diese kann man in der Bay of Fundy beobachten. Durch die besondere Form der Bucht beträgt der Tidenhub (Unterschied zwischen höchstem und niedrigstem Wasserstand) an normalen Tagen bis zu 16 Meter, bei Springfluten können es sogar 21 Meter werden.

Leider spielt das Wetter heute nicht so recht mit und es regnet ziemlich stark. Davon lassen wir uns aber nicht abhalten und legen zunächst die etwa 105 km bis zu den Hopewell Rocks zurück. An diesen Steinsäulen vor der Küste kann man das Phänomen besonders schön beobachten. Der Park selbst hat zwar schon zu, es sind aber noch mehrere Aussichtsplattformen zugänglich, von denen wir eine gute Sicht auf das Geschehen haben. Wir haben unsere Ankunft zeitlich so geplant, dass wir um 12 Uhr fast genau zum höchsten Flutpunkt dort sind. Dieser beträgt hier 12 Meter und so sehen wir momentan nur ein paar kleine, bewaldete Inseln.

Nachdem die Ebbezeit durchschnittlich ca. 6 Stunden und 13 Minuten dauert, wird das absolute Niedrigwasser also ca. um 18:30 Uhr erreicht werden. So lange wollen wir hier natürlich nicht verharren, wir werden später noch einmal wiederkommen.

Daher fahren wir erst einmal noch ca. 45 km weiter Richtung Westen, bis wir den Fundy National Park erreichen. Hier beginnen offenbar schon die Vorbereitungen für die nächste Saison, wir müssen uns zum Eingang nämlich erst einmal durch eine recht umfangreiche Straßenbaustelle arbeiten.

Für 7,80 CAD (~ 5,20 EUR) pro Person erhalten wir dann aber rasch unser Permit und machen uns auf in den Park. Wir starten mit einem Spaziergang zu den Dickson Falls, einer sehr schönen Serie mehrerer kleiner Wasserfälle mitten durch den Wald. Da wir von Bäumen umringt sind, merken wir hier den Regen auch nicht so stark und genießen einmal mehr die Ruhe und die Ursprünglichkeit.

Der nächste Stopp ist Herring Cove Beach, ein Aussichtspunkt an der Steilküste mit Blick auf die Fundy Bay. Wetterbedingt ist von der Aussicht allerdings nicht viel zu sehen, weshalb wir uns die Wanderung entlang der Steilküste sparen und uns nur kurz umschauen.

Wir folgen der Straße bis zum heutigen Endpunkt, der Point Wolfe Bridge. Diese alte Holzbrücke bringt einen noch etwas tiefer in den Park hinein. Die Parkwärterin hatte uns aber gleich zu Beginn gesagt, dass die Brücke wegen Baufälligkeit gesperrt ist und derzeit renoviert wird, wir wollten sie aber dennoch gerne gesehen haben.

Im Anschluss fahren wir zurück zum Parkeingang, hier gibt es noch eine zweite Abzweigung in den nördlichen Teil des Parks, den wir natürlich auch noch erkunden wollen. Hier interessiert uns vor allem der Haltepunkt Caribou Plain, bei dem laut Aussage der Parkwärterin die beste, wenn auch immer noch geringe, Chance besteht, eventuell Elche zu sehen. Der Weg ist aufgeteilt in eine kurze Runde über mehrere Holzstege und eine lange über einen unbefestigten Wanderweg. Da wir natürlich gerne Elche sehen würden, wollen wir eigentlich den langen Weg laufen. Nachdem es mittlerweile aber so stark regnet, dass der unbefestigte Weg mehr Matsch als Pfad ist, belassen wir es doch bei dem Holzsteg. Verständlicherweise haben Elche bei diesem Wetter offenbar auch Besseres zu tun, als im Matsch herumzustehen und auf Touristen zu warten, deswegen bleibt unsere Ausschau erfolglos. Der Rundweg ist trotzdem sehr nett und wir bedauern, dass wir nicht mehr sehen können.

An dieser Stelle beschließen wir, dass wir alles Wichtige gesehen haben und uns lieber auf den Rückweg machen. So kommen wir gegen 15:30 Uhr wieder bei den Hopewell Rocks an. Da das Niedrigwasser laut Gezeitentabelle für heute mit 1,80 m erwartet wird, ist der Wasserpegel um diese Zeit schon um über 5 m gesunken. Vom gleichen Aussichtspunkt aus ist nun also der Meeresboden sichtbar und die kleinen, bewaldeten Felseninseln von vorher sind auf einmal 7 Meter hohe, bewaldete Steinsäulen.

Im Sommer könnte man jetzt auf dem Meeresboden zwischen den Säulen spazieren gehen und dabei zusehen, wie das Wasser immer noch weiter absinkt, wir sehen aber lieber zu, dass wir wieder ins trockene Auto kommen.

Nach knapp 40 km erreichen wir den Ort Moncton, wo wir auf Empfehlung unserer Gastwirtin im Pastalli Pasta House eine reichhaltige italienische Pizza verzehren, bevor wir die restlichen knapp 70 km zurück ins Little Shemogue Inn fahren.

Den Rest des Tages nutzen wir, um ein bisschen zu faulenzen, soll man ja im Urlaub auch mal machen. :-)

Tag 11: Little Shemogue – Prince Edward Island – Halifax (ca. 410 km)

Der nächste Morgen beginnt wieder regnerisch und mit einem guten Frühstück. Danach machen wir uns auf den Weg weiter in Richtung Süden. Bevor wir jedoch nach Halifax, dem Ziel unserer Reise fahren, steht noch ein Besuch in Kanadas kleinster Provinz an.

Prince Edward Island (von den Einwohnern meist PEI genannt) ist zwar kleiner als manch kanadischer Nationalpark (z. B. Banff in Westkanada), historisch für Kanada aber sehr bedeutend, da sich dort die Provinzen Ontario, Québec, Nova Scotia und New Brunswick 1864 auf die Gründung eines eigenständigen kanadischen Staates verständigten. Prince Edward Island selbst war mit den Verhandlungsergebnissen nicht zufrieden und trat der Konföderation daher erst später als weitere Provinz bei. Böse Zungen behaupten zwar, dass sich die Delegierten der Insel damals lieber eine Zirkusvorstellung ansahen und daher die entscheidenden Punkte der Konferenz verpassten. Den Wahrheitsgehalt dieser Geschichte konnte ich jedoch leider nicht abschließend klären.

Lange Zeit war es außerdem recht mühsam, die Insel zu erreichen, da es nur drei Fährverbindungen zum Festland gab. Erst 1997 wurde die 13 km lange Confederation Bridge eröffnet, die seitdem auch eine direkte Straßenanbindung ermöglicht.

PEI selbst unterscheidet sich landschaftlich kaum vom Festland, uns interessiert vor allem der Nationalpark im Nordosten der Insel. Da der Sand sehr eisenhaltig ist und durch Meer und Wetter richtiggehend verrostet, gibt es hier Strände in beeindruckenden, satten Rot- und teilweise sogar Pinktönen. Kaum im Park angekommen hört es sogar kurzzeitig auf zu regnen, sodass wir die Strände ein bisschen näher erkunden können.

Wir folgen dem Strand einige Kilometer durch den Nationalpark und halten an mehreren Aussichtspunkten an, bevor wir uns auf den Rückweg in Richtung Festland machen. Ursprünglich wollten wir auch noch ein Stück auf dem Central Coastal Drive, einem Scenic Drive fahren, das lassen wir jedoch wetterbedingt aus. Wichtig zu wissen: Die Brücke ist zwar vom Festland kommend kostenlos, für den Rückweg wird jedoch eine Maut in Höhe von 45 CAD (~ 30 EUR) erhoben.

Zurück auf dem Festland überqueren wir nach ca. 30 km die Grenze zur Provinz Nova Scotia und erreichen am frühen Abend nach weiteren 290 km und viel Regen deren Hauptstadt Halifax, wo wir im Cambridge Suites Hotel die letzten vier Nächte unserer Reise verbringen werden.

Den Abend lassen wir gemütlich im Chives ausklingen, einem ganz ausgezeichneten Restaurant, das ausschließlich auf regionale und biologische Produkte setzt, was man auch ganz deutlich schmeckt. Da wir nun wirklich vollends am Atlantik angekommen sind, teste ich natürlich gleich das lokale Angebot an Meeresgerichten und werde endgültig zum Fan von Chowder, das ich in Gananoque bereits getestet und für gut befunden hatte.

Chowder ist eine köstliche, dickflüssige Cremesuppe mit einer Einlage aus verschiedenen Meeresbewohnern. Es gibt sie in diversen Ausprägungen, am häufigsten findet man jedoch Clam Chowder (mit Muscheln) oder Seafood Chowder (bunt gemischte Meeresfrüchte und Fisch), gelegentlich auch Lobster Chowder (mit Hummer). Mein Favorit ist ganz klar das gemischte Seafood, das hier mit Hummer, Miesmuscheln, Jakobsmuscheln, Garnelen und einem Fisch aus tagesaktuellem Fang überzeugen kann.

Zum Hauptgang gibt es dann sehr guten frischen Fisch, abgerundet von einer Panna cotta. Zufrieden und gesättigt fallen wir im Hotel ins Bett und freuen uns auf den nächsten Tag.

Dir gefällt dieser Beitrag? Dann freuen wir uns, wenn du in teilst!

Kommentiere den Artikel

Please enter your comment!
Bitte gib deinen Namen hier ein