Am nördlichen Ende des Baltikums, direkt an der Ostsee, liegt Tallinn. Nur noch knapp 80 Kilometer sind es von hier ins finnische Helsinki – zumindest übers Wasser. Auf dem Landweg über Sankt Petersburg müsstest du fast 800 Kilometer zurücklegen. Diese strategisch günstige Lage zwischen Skandinavien, Russland und Westeuropa machte Tallinn schon früh zu einem bedeutenden Verkehrsknotenpunkt. Heute lebt etwa ein Drittel der rund 1,3 Millionen Esten in der Landeshauptstadt. Was du in Tallinn an einem Tag erleben kannst, stellen wir dir in diesem Beitrag vor.

Tallinn, Hansezentrum der Ostsee

Seine große Blüte erlebte Tallinn als Hansestadt, damals noch unter dem Namen Reval. Mitte des 14. Jahrhunderts erhielt die Stadt zusammen mit Pärnu und Riga das sogenannte Stapelrecht. Das bedeutete, dass jedes Schiff auf dem Weg nach Russland in einer der drei Städte festmachen und seine Waren für einige Tage auf dem Markt anbieten musste. Dadurch wurde die Stadt zu einem wichtigen Handelsknoten im Netzwerk der Hanse und gelangte zu beachtlichem Reichtum.

Kaufmannshäuser in Tallinn
Prunkvolle Kaufmannshäuser in der Langen Straße

In einem europäischen Handelszentrum braucht man als Kaufmann oder Kauffrau natürlich eine ansehnliche Repräsentanz und so reiht sich in den Gassen rund um den Rathausplatz (Raekoja plats) und die Lange Straße (Pikk jalg) ein prunkvolles Gildehaus ans andere.

Kaufmanns- und Hansehäuser in Tallinn
Kaufmanns- und Hansehäuser findest du in der ganzen Altstadt.

Wer etwas auf sich hielt, hatte sein Wohnhaus ebenfalls direkt im Zentrum. Ein besonders wohlhabender Kaufmann sogar gleich drei am Stück. Der Legende nach wollte er damit jede seiner drei Töchter zufriedenstellen, weswegen der Komplex als „die Drei Schwestern“ bekannt wurde. Heute beherbergen die drei zusammenhängenden Gebäude ein Luxushotel.

Die Drei Schwestern in Tallinn
Die Drei Schwestern

Tallinns wunderbare Altstadt

Schon lange vor Beginn des hanseatischen Handels war Tallinn ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Der erste Hafen entstand wahrscheinlich bereits im 11. Jahrhundert. Um sich vor Angreifern zu schützen, errichteten die damaligen Herrscher eine stabile Stadtmauer. Diese ist heute noch in weiten Teilen erhalten und beeindruckt. In regelmäßigen Abständen ragen rot gedeckte Wachtürme empor, kein Winkel der Stadtaußengrenze blieb unbeobachtet.

Tallinn Stadtmauer
Die Stadtmauer ist sehr gut erhalten.

Zwischen den Außenmauern und den dahinter errichteten Gebäuden tun sich immer wieder hübsche Innenhöfe auf, die kleine Cafés und Geschäfte beherbergen.

Innenhof an der Stadtmauer in Tallinn
Einer von vielen Innenhöfen entlang der Stadtmauer

Das lebhafte Zentrum der Unterstadt ist der Rathausplatz. Zahlreiche Bars und Restaurants säumen den weiten Platz, in der Mitte thront das Rathaus mit seinem charakteristischen Turm.

Rathaus von Tallinn und Nikolai-Kirche
Das Rathaus von Tallinn, hinten rechts die Nikolai-Kirche

Dann wird die Lange Straße immer steiler – wir nähern uns der Oberstadt.

Gute Aussichten in der Oberstadt

In der Oberstadt, auch Domberg (Toompea) genannt, liegt das Regierungsviertel. Hier tagt das estnische Parlament und viele Botschaften sind vertreten. Außerdem ist der Domberg ein geistliches Zentrum. Der namensgebende Dom ist der Sitz des evangelischen Erzbischofs. Ganz in der Nähe steht die Alexander-Newski-Kathedrale, die dem russisch-orthodoxen Metropoliten als Amtssitz dient.

Dom von Tallinn
Die engen Gassen der Oberstadt machen ein Foto vom Dom zur Herausforderung :)

Die Oberstadt war früher eigenständig und hat somit eine eigene Stadtmauer. Für die Gebäude im innersten Ring bot das also doppelten Schutz – kein Wunder, dass sich Politiker und Geistliche bevorzugt hier niederließen.

Innere Stadtmauer auf dem Domberg
Die innere Stadtmauer schützte den Domberg.

Das klare Highlight der Oberstadt sind für uns jedoch die Panoramen an verschiedenen Enden des Dombergs, von denen sich fantastische Blicke über die ganze Altstadt auftun.

Blick von der Kohtuotsa-Aussichtsplattform
Aussicht über die Unterstadt von der Kohtuotsa-Aussichtsplattform

Eine besonders gute Sicht hast du von den beiden Aussichtspunkten Kohtuotsa (Kohtuotsa vaateplatvorm) und Patkuli (Patkuli vaateplatvorm).

Blick von der Patkuli-Aussichtsplattform - Tallinn an einem Tag
Blick von der Patkuli-Aussichtsplattform

Von hier ist es nur noch ein kurzer Weg über einige Stufen hinunter in die Unterstadt zu unserem Hotel, wo unser Stadtrundgang endet.

Tallinn an einem Tag: Unser Fazit

Estlands Hauptstadt hat uns sehr gut gefallen. Die kompakte Altstadt und die kurzen Wege sorgen dafür, dass du dir in Tallinn an einem Tag einen guten Überblick verschaffen kannst. Unsere Empfehlung: Im Sommer ist es so weit nördlich lange hell. Nimm dir einen Stadtrundgang daher für den späten Nachmittag oder frühen Abend vor, wenn die Kreuzfahrtschiffe schon wieder weg sind. Tallinn ist ein beliebter Hafen auf jeder Ostseekreuzfahrt. Entsprechend voll war die Stadt am Vormittag unserer Abreise. Abends konnten wir jedoch entspannt durch die Gassen schlendern, leicht einen Platz an jedem Aussichtspunkte ergattern und gegen 22:30 Uhr in der einsetzenden Dämmerung gemütlich zurück zum Hotel spazieren.

Tallinn ist außerdem ein guter Ausgangspunkt für einen Ausflug nach Finnland. Die Schnellfähre braucht nur zwei Stunden für die Überfahrt und Helsinki ist eine Reise absolut wert. Weitere Stationen unserer Baltikumrundreise findest du in unserem Artikel 10 Tage Roadtrip durchs Baltikum: Unsere Route.

Transport vor Ort

In der Altstadt kannst du alle Wege bequem zu Fuß zurücklegen.

Einzig der Weg zum Fähr- und Kreuzfahrthafen ist fußläufig etwas weit. Ein Taxi von der Altstadt zum Hafen ist mit 7 EUR pro Richtung jedoch sehr erschwinglich.

Alternativ gibt es auch Straßenbahnen und Busse, damit haben wir uns aber nicht näher beschäftigt. Mehr Infos dazu findest du bei Visit Tallinn.

Restauranttipps

Farm
Müürivahe 27/Viru 11
10140 Tallinn
restaurant.farm

Sehr gute estnische Küche in moderner Atmosphäre.

Hoteltipp

Hotel Imperial
Nunne 14
10133 Tallinn
www.imperial.ee/en

Am Rande der Altstadt gelegenes, schönes Hotel mit gutem Frühstücksbuffet und gratis WLAN. Wenige Parkplätze im Innenhof für 20 EUR pro Tag (Reservierung erforderlich).

Dir gefällt dieser Beitrag? Dann freuen wir uns, wenn du in teilst!

4 Kommentare

  1. Hallo Wolfgang,

    ich habe deinen Beitrag auf Facebook gesehen und musste ihn auch direkt anklicken und lesen, da ich mich gerade sehr mit Reisen in die baltischen Staaten bzw. Skandinavien beschäftige. Ich habe mich gerade heute zwar für ein Wochenende in Stockholm entschieden, jedoch bleibt auch Tallinn dank deines Berichtes und der tollen Fotos auf meiner Reiseliste stehen.

    Ich finde es immer sehr attraktiv, wenn man Städte bequem an einem Wochenende erkunden kann, da sich dadurch viel mehr Möglichkeiten auftun zu reisen. Ich bin, wie du auch, neben meiner Aktivität des Reise bloggens in einem Vollzeitberuf beschäftigt und suche daher immer wieder nach Reisezielen wie Tallinn.

    Ich bin gespannt, was ich auf deinem Blog noch für spannende Anregungen bekommen werde – mach weiter so!

    Viele Grüße
    Daniel

    • Hallo Daniel,

      vielen Dank für das tolle Lob, darüber freue ich mich sehr! Stockholm steht auf meiner Reiseliste auch noch ganz weit oben, leider habe ich es bislang noch nicht dorthin geschafft. Aber das kann ich ja dann vielleicht bald bei dir nachlesen? :)

      Viele Grüße
      Wolfgang

Kommentiere den Artikel

Please enter your comment!
Bitte gib deinen Namen hier ein