Bonaire ist die östlichste und zweitgrößte der niederländischen ABC-Inseln. Im Gegensatz zu ihren beiden Nachbarn Aruba und Curacao ist sie jedoch kein autonomes Land, sondern eine besondere Gemeinde der Niederlande. Die knapp 19.000 Einwohner haben also einen niederländischen Pass und sind EU-Bürgern gleichgestellt, auch wenn Bonaire nicht zum Gebiet der EU gehört. Das Straßennetz auf der Insel besteht hauptsächlich aus Schotterpisten. Daher erkunden wir die Insel im Rahmen einer Jeeptour und zu Wasser. Soviel vorweg, wir sind sehr beeindruckt! Was du bei einem Landausflug an einem Tag auf Bonaire erleben kannst, stellen wir dir in diesem Beitrag vor.

Durch die Halbwüste zu den Flamingos

Wir verlassen die Inselhauptstadt Kralendijk und begeben uns in Bonaires „Outback“. Besonders die Südhälfte der Insel ist sehr trocken und gleicht einer Halbwüste. Ausgedehnte Kakteenwälder und niedrige Büsche bedecken die rötlich-braune Landschaft entlang der staubigen Schotterstraßen.

Hinterland, Bonaire
Das karge und trockene Hinterland von Bonaire

Nur wenige Menschen leben hier draußen. Die einzige größere Siedlung außerhalb Kralendijks ist der kleine Ort Rincon im Nordwesten der Insel. Ansonsten sehen wir nur vereinzelte Häuser am Straßenrand, die sich weitestgehend selbst versorgen. Strom wird mit kleinen Windrädern erzeugt und regelmäßig kommt ein Tanklaster vorbei, der statt Heizöl die Süßwasservorräte in den Tanks aufstockt.

Haus im Outback auf Bonaire
Kakteenzäune helfen gegen Ziegen, über die rote Rohrleitung kann der Lieferdienst dein Wasser auch auffüllen, wenn du nicht zuhause bist.

Die deutlich größere Bevölkerungsgruppe hier im Nirgendwo bilden die Flamingos. Etwa 4.500 von ihnen leben auf Bonaire, deutlich mehr als auf den Nachbarinseln. Da sie sich über die ganze Insel verteilen, sind sie nicht immer leicht zu finden. Unser Fahrer Gregorio steht daher mit seinen Kollegen und entgegenkommenden Fahrzeugen in regem Austausch, um sich über aktuelle Sichtungen zu informieren. Mit Erfolg. Nach einiger Zeit halten wir an einer kleinen Bucht und können die rosafarbenen Tiere aus nächster Nähe beobachten.

Flamingos auf Bonaire
Anmutig staksen die Flamingos durchs seichte Wasser

Entspannung am Sorobon Beach

Die Wasserstelle ist Teil der größeren Bucht Lac Bay im Osten der Insel. Diese umrunden wir nun und gelangen zu einem der beliebtesten Strände Bonaires. Der Sorobon Beach ist ein Hotspot für Wassersportler und Erholungsuchende.

Sorobon Beach auf Bonaire
Der Sorobon Beach ist ein klassischer Karibikstrand.

Die kräftigen Winde ziehen Wind- und Kitesurfer an, die vor der Küste ihre Bahnen ziehen. Das flache, kristallklare Wasser ermöglicht Familien mit Kindern unbeschwerten Badespaß. Entlang des Strandes findest du mehrere kleine Restaurants und Bars, sodass die Verpflegung sichergestellt ist.

Sorobon Beach, Ein Tag auf Bonaire
Der Sorobon Beach fällt sehr flach ins Meer ab.

Schnorcheln kannst du am Sorobon Beach zwar auch. Allerdings sind die Möglichkeiten im Vergleich zu anderen Stellen auf der Insel begrenzt. In unmittelbarer Ufernähe ist nur wenig zu sehen. Um die Unterwasserwelt zu erkunden, sind die Westküste oder die vorgelagerte Insel Klein Bonaire deutlich besser geeignet.

Schnorcheln am Sorobon Beach
Vereinzelter Fisch am Sorobon Beach

Beeindruckende Salzgewinnung

Die Niederländer nutzten ihre karibischen Kolonien hauptsächlich zur Salzgewinnung. Das „weiße Gold“ war damals in Europa schwer zu bekommen und somit sehr wertvoll. Auf den Nachbarinseln Aruba und Curaçao wird heute kein Salz mehr abgebaut. Hier auf Bonaire ist jedoch noch eine große Saline in Betrieb. Sie bedeckt die ganze Südspitze der Insel und ist eine beeindruckende Anlage.

Saline auf Bonaire
Frisches Meerwasser strömt in die Verdunstungsbecken

Im salzhaltigen Wasser der Salinenbecken wachsen Algen, die kleine Krebse anlocken. Diese Krabben sind die Hauptnahrung der Flamingos und verantwortlich für deren Rosafärbung. Deswegen leben in den seichten Becken der Salinen besonders große Flamingokolonien.

Saline, Bonaire
Die Salzberge von Bonaire. Das frisch gewonnene Meersalz trocknet in der Sonne und wird dann direkt auf Schiffe verladen.

Der Salzgewinnungsprozess verläuft weitgehend ohne künstliche Hilfsmittel. Über schmale Kanäle drückt die Flut Meerwasser in große Auffangbecken. Dort verdunstet das Wasser nach und nach und das gelöste Salz reichert sich mehr und mehr an. Wenn das letzte bisschen Flüssigkeit verschwunden ist, bleibt nur noch eine Salzkruste übrig. Diese wird dann abgebaut, gemahlen und getrocknet und direkt an der Küste auf Schiffe verladen.

Salzförderung auf Bonaire
Riesige Salzberge warten auf ihre Verladung.

Die Sklavenhütten von Bonaire

Heute ist dieser Prozess weitgehend automatisiert und riesige Maschinen bewirtschaften die Salzfelder. Das war nicht immer so. In der Kolonialzeit wurden unzählige Sklaven aus Westafrika verschleppt und zur Arbeit auf den Salzfeldern gezwungen. Um Zeit und Geld zu sparen, waren die Arbeiter direkt neben ihrer Arbeitsstätte in einfachen Steinhütten untergebracht.

Sklavenhütte auf Bonaire
Einfache Steinhütten mussten als Unterkunft reichen.

Die Saline war in verschiedene Abschnitte eingeteilt – rot, weiß, blau und gelb. Klar erkennbar an den hohen Pylonen, die über den Sklavenhütten aufragen. Die Farben dienten den niederländischen Handelsschiffen als Orientierung. Schon aus der Ferne konnten sie so den Sektor erkennen, von dem sie ihre Fracht abholen sollten.

Salzverladestationen auf Bonaire
Die Pylonen der Verladestationen sind weithin sichtbar

Von den blauen und roten Bereichen ist heute nicht mehr viel übrig. Die Hütten der gelben und weißen Bereiche blieben als Mahnmal gegen die Sklaverei erhalten. So schön sie auch direkt am Meer liegen, so dunkel ist ihre Geschichte.

Sklavenhütten auf Bonaire
Heute sehen die Hütten sehr idyllisch aus.

Vom Gelände der Saline ist es nur noch eine kurze Fahrt zurück zum Hafen, wo unsere Jeeptour zu Ende geht.

Mit dem Elektroboot durch die Mangroven

Neben den kargen Kakteenwäldern gibt es auf Bonaire auch deutlich üppigeren Bewuchs. Den Nordteil der Lac Bay bedecken dichte Mangrovenwälder. Mit ihren langen Luftwurzeln stehen die Mangrovenbäume im Salzwasser und bilden dort nahezu undurchdringliche Geflechte.

Mangrovenwald auf Bonaire
Die Mangrovenbäume wachsen mitten im Wasser.

Lautlos gleiten wir am Nachmittag mit dem Elektroboot durch die wenigen schmalen Kanäle, die noch zwischen den Wurzeln verbleiben. Von unserem Guide Luuk lernen wir viel über dieses sensible Ökosystem, das hier auf Bonaire unter besonderem Schutz steht.

Mangrovenwald, Bonaire
Undurchdringliches Mangrovendickicht

Das Dickicht bietet Schutz und ideale Lebensbedingungen für eine Vielzahl an Lebewesen. Unzählige Fischarten wachsen hier auf, bevor sie ins offene Meer wandern. Zahlreiche Vogelarten finden hier optimale Nistplätze und kopfüber auf dem Grund liegende Mangrovenquallen angeln sich Plankton aus dem Wasser.

Grünreiher auf Bonaire
Ein Grünreiher huscht durchs Geäst

Außer mit dem Elektroboot kannst du die Mangroven auch mit dem Kajak oder schnorchelnd erkunden. Details dazu findest du beim Mangrove Info Center.

Ein Spaziergang durch Kralendijk

Die kleine Inselhauptstadt Kralendijk ist schnell erkundet. Direkt vor dem Kreuzfahrtterminal verläuft die Hauptstraße, entlang derer sich mehrere kleine Häuser und Geschäfte befinden. Recht viel mehr gibt es nicht zu sehen. Ein kurzer Spaziergang dort ist also ein guter Abschluss auf dem Weg zurück zum Schiff.

Postamt, Kralendijk, Bonaire
Das Postamt von Kralendijk

Fazit

Bonaire gehört für uns zu den schönsten Inseln unserer Karibikreise. Die karge, unberührte und abwechslungsreiche Natur hat uns sehr gut gefallen. Ein Tag auf Bonaire war gerade genug, um einen guten Überblick über die vielen Facetten des kleinen Eilands zu bekommen. Ruhesuchenden sowie Tauchern und Schnorchlern bietet Bonaire einen guten Kontrast zu den quirligeren Nachbarinseln.

Blick auf Klein Bonaire
Blick auf das flache Schnorchelparadies Klein Bonaire.

Mehr über unsere Aktivitäten auf den karibischen Inseln liest du in unseren Beiträgen über BarbadosSt. LuciaGuadeloupeAntiguaDominikanische RepublikArubaCuraçao, Grenada und St. Vincent. Einen Gesamtüberblick über unsere Karibikreise findest du in unserem Artikel Zwei Wochen Karibikkreuzfahrt: Sonne, Strand und schöne Inseln.

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