Die Karibik – ein absoluter Sehnsuchtsort in Zeiten der Winterdepression. An einem Traumstrand unter einer Palme in der Sonne brutzeln und bei karibischen Klängen einen Rumpunsch schlürfen, so wünschen sich viele die graue Jahreszeit in Europa. Ob das der Realität entspricht, haben wir uns während zwei Wochen Karibikkreuzfahrt angesehen. Soviel vorweg: Das eingangs erwähnte Klischee durften wir gleich mehrmals genau so genießen.

Die Karibik ist aber viel mehr als das. Sie ist ein lebhafter und quirliger Schmelztiegel der Kulturen. Zu Zeiten der Kolonialisierung wechselten die Kolonialherren im Kampf um die wertvollen Rohstoffe teilweise mehrmals pro Insel. So finden sich in den karibischen Kulturen heute Elemente aus Spanien, Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden. Den größten Einfluss hatte aber das wohl dunkelste und grausamste Kapitel der Kolonialzeit. Mit der Sklaverei kamen Bräuche, Sprachen und Kulturen aus ganz Westafrika in die Karibik. Die heute noch auf vielen Inseln gesprochenen Kreolsprachen wie Patois oder Papiamentu entstanden als Verkehrssprache, um sich auf den Feldern zu unterhalten. Auch die heutige Inselbevölkerung besteht zum Großteil aus den Nachfahren der freigelassenen Sklaven. So sind die karibischen Inseln immer noch ein bunter Mischmasch der Geschichte.

Auf unserer Reise haben wir zehn Inseln kennengelernt, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. In diesem Artikel geben wir euch zunächst einen Überblick über unsere Highlights aus zwei Wochen Karibikkreuzfahrt und die besuchten Eilande. Später werden wir euch die einzelnen Ziele noch genauer vorstellen und in diesem Artikel verlinken. Wiederkommen oder den Beitrags-Newsletter abonnieren lohnt sich also! 🙂 Hier unsere gesamte Route im Überblick. Klick dich einfach mit den Pfeilen unten rechts durch:

Barbados

Auf Barbados beginnt und endet unsere Reise. Hier verbringen wir den Silvesterabend 2017 mit Sommerkleidung und einem Drink an Deck, während am Strand gegenüber ein schönes Feuerwerk gezündet wird. Die östlichste Insel der Karibik ist ein unabhängiger Staat, jedoch noch Teil des Commonwealth. Die Amtssprache ist Englisch.

Parlamentsgebäude Bridgetown, Barbados
Das altehrwürdige Parlamentsgebäude in Bridgetown.

Auf Barbados waren wir mit dem Mietwagen unterwegs und haben die Insel komplett umrundet. Dabei haben wir mit dem Foul Bay Beach den aus unserer Sicht schönsten Strand unserer Reise entdeckt. Unseren ausführlichen Bericht über Barbados findest du hier.

Foul Bay Beach, Barbados
Der Foul Bay Beach könnte direkt einem Karibik-Bildband entsprungen sein.

St. Lucia

Wie Barbados ist auch St. Lucia eine ehemalige britische Kolonie und heute ein unabhängiger Staat im Commonwealth. Die Amtssprache ist Englisch. In zwei Naturschutzgebieten findest du auf der Insel einen nahezu ursprünglichen und weitestgehend unveränderten tropischen Regenwald.

Tropischer Regenwald, St. Lucia
Im tropischen Regenwald grünt und blüht es überall.

Alternativ kannst du natürlich auch hier am Strand entspannen oder im Meer planschen. Grundsätzlich gilt für alle Inseln der Kleinen Antillen: Vorsicht beim Baden auf der Atlantikseite! Dort gibt es häufig starke und gefährliche Strömungen. Auf der Seite des Karibischen Meeres ist das Wasser meist deutlich ruhiger und sicherer. Mehr Infos zu St. Lucia findest du in unserem Reisebericht Ein Tag auf St. Lucia: Regenwald und schöne Blicke.

Pigeon Island, St. Lucia
Der Strand auf der vorgelagerten Insel Pigeon Island ist zwar ziemlich überlaufen, die Aussicht ist aber schön.

Guadeloupe

„Sie können jetzt Ihre Handys anschalten, wenn Sie möchten“, sagt unser Guide. Guadeloupe ist ein Überseedépartement Frankreichs. Somit ist es ein vollwertiger Teil der Europäischen Union, offizielles Zahlungsmittel ist der Euro und es gilt die EU-Roamingverordnung. Die Amtssprache ist Französisch. Das Département besteht aus mehreren Inseln, wobei die beiden Hauptinseln Grande-Terre und Basse-Terre nur durch eine schmale Meerenge getrennt sind.

Zuckerrohrfeld auf Guadeloupe
Die Zuckerrohrfelder sind noch immer ein wichtiger Industriezweig auf Guadeloupe.

Natürlich gibt es auch hier viele Traumstrände und tolle Natur. Ein besonderer Ort ist der Friedhof von Morne-à-l’Eau auf Grande-Terre. Hier bekommen die Verstorbenen statt Gräbern bunt gekachelte Häuschen, manche davon sogar mit Balkon. Was du sonst noch auf der schönen Karibikinsel erleben kannst, erfährst du in unserem Reisebericht Ein Tag auf Guadeloupe: Panoramafahrt über Grande-Terre.

Friedhof in Morne-à-l'Eau, Guadeloupe
Der farbenfrohe Friedhof von Morne-à-l’Eau.

Antigua

Antigua ist die Hauptinsel des unabhängigen Staates Antigua und Barbuda und für uns eines der Highlights unserer Reise. Die Insel rühmt sich damit, 365 Strände zu haben. Du kannst also jeden Tag im Jahr einen anderen erkunden. Einstmals war Antigua und Barbuda eine britische Kolonie. Auch heute ist es noch Teil des Commonwealth und die Amtssprache ist Englisch.

Rendezvous Bay, Antigua
In der Rendezvous Bay auf Antigua finden wir einen wahren Traumstrand vor.

Neben der herrlichen Natur und den tollen Stränden kannst du auf Antigua die kleine Hauptstadt St. John’s erkunden. Die Schwesterinsel Barbuda wurde leider durch Hurrikan Irma im Herbst 2017 nahezu vollständig zerstört. Ein Besuch ist derzeit nicht möglich und die gut 1.800 Barbudans leben momentan gezwungenermaßen auf Antigua. Die schöne Hauptinsel stellen wir dir in unserem Bericht Ein Tag auf Antigua: Traumhafte Wanderung zur Rendezvous Bay näher vor.

St. John's in der Abendsonne, Antigua
St. John’s in der Abendsonne

Dominikanische Republik

Die Dominikanische Republik umfasst die östliche Hälfte der Insel Hispaniola. Sie ist nach Kuba die zweitgrößte Insel der Karibik. Entsprechend ist es schwer möglich, das Land an einem Tag komplett zu erkunden. Wir beschränken uns daher auf die Isla Saona in der Nähe unseres Hafens La Romana.

Canto de la Playa, Isla Saona, Dominikanische Republik - Zwei Wochen Karibikkreuzfahrt
So muss ein Karibikstrand aussehen.

Die Insel liegt in einem Nationalpark und ist nur mit dem Schnellboot erreichbar. Abgesehen von der kleinen Siedlung Mano Juan ist sie unbewohnt und bietet kilometerlange Traumstrände. Auch für Schnorchler ist die Isla Saona bestens geeignet. Kleine, vorgelagerte Riffe beherbergen zahlreiche Fische und Korallen.

Korallen Isla Saona, Dominikanische Republik
Bunte Korallenwelt auf der Isla Saona

Aruba

Aruba ist die westlichste und kleinste der ABC-Inseln (Aruba, Bonaire, Curaçao). Die Insel ist ein autonomes Land im Königreich der Niederlande, hat also eine eigene Regierung, Währung und Verfassung. Was das in der Praxis bringt, weiß hier aber eigentlich keiner so genau. Wirtschaftlich sind die drei ABC-Inseln eher von Amerika abhängig. Die Amtssprachen sind dementsprechend Niederländisch und Englisch, außerdem die Kreolsprache Papiamentu. Im Gegensatz zu den Kleinen Antillen liegen die ABC-Inseln südlich des Hurrikan-Gürtels und sind nur sehr selten von den heftigen Stürmen betroffen. Dadurch regnet es viel weniger und die Landschaft ist deutlich karger.

Ayo Rock Formation, Aruba
Die Ayo Rocks dienten den Arawak-Indianern als Versteck vor den spanischen Eroberern – leider erfolglos, die Arawak wurden von den Kolonialherren grausam ausgerottet.

Die Inselhauptstadt Oranjestad hingegen könnte hingegen auch aus Disneyland oder einem Shopping-Outlet geflohen sein. Eine kostenlose Touristentram fährt dich durch die knallbunt gestrichenen Kaufmannshäuser.

Touristentram Oranjestad, Aruba
Mit der Touri-Tram durch Oranjestad? Wir sind dabei! 🙂

Wenn du eher auf der Suche nach Entspannung am Strand bist, findest du auf Aruba am Eagle Beach den wohl weißesten Sand der Karibik.

Eagle Beach, Aruba
Schneeweißer Sand am Eagle Beach

Curaçao

Die mittlere und größte der ABC-Inseln ist wie Aruba ein autonomes Land im Königreich der Niederlande. Beide Inseln sind nicht Teil der EU, die Einwohner können aber auf Wunsch einen niederländischen Pass bekommen. Auch hier ist das Klima trocken mit wenig Regen. Die Vegetation besteht also eher aus niedrigen Büschen und Kakteen. Auf Curaçao hat uns besonders die raue Nordküste mit ihren Blowholes beeindruckt.

Blowhole, Curacao
Mit voller Wucht schießt das Wasser aus dem Blowhole. Dahinter stecken komplizierte geologische Prozesse.

Absolut sehenswert ist außerdem die wunderbare Altstadt der Hauptstadt Willemstad. Die kleinen Kaufmannshäuser stammen zum Teil noch aus dem 17. Jahrhundert und sind sehr schön restauriert.

Hafenpromenade Willemstad
Die abendliche Hafenpromenade von Willemstad

Bonaire

Die westlichste ABC-Insel ist kein autonomes Land, sondern eine Besondere Gemeinde der Niederlande. Worin genau der Unterschied liegt, kann uns aber auch hier keiner so wirklich erklären. Bonaire ist die am dünnsten besiedelte der drei Inseln und hat nur knapp 19.000 Einwohner. Neben der Hauptstadt Kralendijk gibt es noch die kleine Siedlung Rincon. Die restliche Bevölkerung lebt verstreut im „Outback“ der Insel. Staubige Schotterpisten durchziehen die trockene Halbwüste und nur gelegentlich tauchen am Straßenrand vereinzelte Häuser auf.

Hinterland, Bonaire
Das karge und trockene Hinterland von Bonaire

Neben dem Menschen hat Bonaire noch eine zweite große Bevölkerungsgruppe. Etwa 4.500 Flamingos haben die Insel in Beschlag genommen.

Flamingos auf Bonaire
Flamingos sehen wir in Bonaire überall.

In den sehr salzhaltigen Verdunstungsbecken von Bonaires großer Saline gedeihen Algen, die wiederum Krebse anziehen. Diese kleinen Krabben sind die Hauptnahrung der rosafarbenen Vögel und so finden sie hier beste Lebensbedingungen.

Saline, Bonaire
Die Salzberge von Bonaire. Das frisch gewonnene Meersalz trocknet in der Sonne und wird dann direkt auf Schiffe verladen.

Bonaire hat außerdem ein großes, geschütztes Mangrovengebiet. Bei einer Fahrt mit dem lautlosen Elektroboot lernen wir viel über dieses spannende und empfindliche Ökosystem.

Mangrovenwald, Bonaire
Fast 70 % aller Meeresfische wachsen in einem Mangrovenwald auf.

Grenada

Grenada ist die Gewürzinsel der Karibik. Bis ein Hurrikan den Großteil der Plantagen zerstörte, war Grenada einer der weltweit größten Produzenten der Muskatnuss. Ein neuer Muskatbaum braucht sechs Jahre, bis er Früchte trägt. Daher wird es noch dauern, bis die volle Kapazität wiederhergestellt ist. Allerdings exportiert Grenada auch Kakao, Papayas, Bananen, Mangos, Ananas und viele weitere Tropenfrüchte. Sie alle wachsen hier in freier Natur.

Muskatnuss auf Grenada
Sobald die Schale platzt und die rote Schutzschicht zu sehen ist, ist die Muskatnuss reif für die Ernte.

St. George’s, die Hauptstadt des unabhängigen Staates liegt idyllisch an einer natürlichen Bucht. Für eine optimale Aussicht steigst du am besten hinauf auf das Fort. Auch auf Grenada findest du noch tropischen Regenwald. Die Tour dorthin haben wir jedoch leider als sehr touristisch und überlaufen empfunden.

Blick über St. George's, Grenada
Der Blick über St. George’s vom Fort aus

St. Vincent und die Grenadinen

Der kleine unabhängige Staat St. Vincent und die Grenadinen besteht neben der Hauptinsel St. Vincent aus den 32 kleineren Inseln der Grenadinen. Wir haben nur St. Vincent besucht, die Insel hat sich jedoch direkt hinter Antigua auf Platz 2 unserer persönlichen Rangfolge gesetzt. Der heute noch aktive Vulkan Soufrière hat die Insel auf bis zu 1.220 Meter über den Meeresspiegel angehoben. Entsprechend hügelig ist die Insel und die steilen, gewundenen Straßen verlangen unserem Busfahrer volle Konzentration ab.

Lavastrand, St. Vincent
Auf St. Vincent gibt es hauptsächlich schwarze Lavastrände.

Dafür bringt er uns zu einsamen Lavastränden, wunderschönen Aussichtspunkten und vulkanisch entstandenen Salzwasserbecken. Wir genießen einen herrlichen Tag auf der Insel – ein würdiger Abschluss, bevor wir nach zwei Wochen Karbikkreuzfahrt zu unserem Ausgangspunkt Barbados zurückkehren.

Owia Salt Ponds, St. Vincent und die Grenadinen
Die Owia Salt Ponds sind durch Vulkangestein vom Meer abgetrennt und laden zum Planschen ein.

Das Für und Wider von Kreuzfahrten

Für ein Reiseziel wie die Karibik ist eine Kreuzfahrt sehr praktisch. Du packst deinen Koffer an Bord einmal aus, hast deine feste Kabine und kannst trotzdem jeden Tag eine andere Insel entdecken. So können auch wir zwei effizient Reisende während eines Seetags einfach mal abschalten. Wir wissen ja, dass das Schiff währenddessen für uns weiterfährt 🙂 Über das Leben an Bord eines Kreuzfahrtschiffs haben wir in diesem Artikel schon einmal berichtet. Anlässlich unserer Hochzeitsreise hatten wir uns dieses Mal eine Balkonkabine gegönnt, in der es sich noch viel besser entspannen lässt.

Balkonkabine Kreuzfahrt
Wolfgang genießt die Vorzüge des eigenen Balkons.

Allerdings ist eine Kreuzfahrt nicht uneingeschränkt positiv zu sehen. Auf einen Schlag überschwemmen je nach Schiffsgröße bis zu 6.800 Menschen die kleinen Inseln. An manchen Tagen liegen zwei bis drei Schiffe im Hafen. Bedenkt man, dass beispielsweise Bonaire nur 19.000 Einwohner hat, sind dies enorme Menschenmassen. Allgemein sind Kreuzfahrten in Sachen Nachhaltigkeit durchaus kritisch zu betrachten. Einen gut recherchierten und sehr lesenswerten Artikel zu Umweltaspekten und Arbeitsbedingungen an Bord findest du bei Theresa von Travelwoman. Daher kommen Kreuzfahrten für uns auch nur bei Reisen in Frage, wo das Schiff die sinnvollste Art ist, von Station zu Station zu reisen.

Fazit

Zwei Wochen Karibikkreuzfahrt sind eine gute Zeit, um einen Eindruck dieser abwechslungsreichen Region zu bekommen. Alle Inseln waren auf ihre Art und Weise einzigartig und haben uns fasziniert. Die üppig grünen und tropischen Kleinen Antillen, die bilderbuchkaribische Dominikanische Republik und die wüstenhaft trockenen ABC-Inseln – überall konnten wir wunderbare Natur bestaunen.

Karibikstrand Dominikanische Republik
In so einer Landschaft lässt sich der Januar aushalten.

Auch die Herzlichkeit der Menschen hat uns beeindruckt. Obwohl ihre Heimat regelmäßig von schweren Naturkatastrophen wie Hurrikans, Erdbeben oder Vulkanausbrüchen heimgesucht wird, sind die Leute lebenslustig und optimistisch. Wirtschaftlich zählen viele Karibikstaaten zu den Entwicklungsländern. Aber auch wenn sie nur wenig haben, wirken die Leute trotzdem fröhlich und sind immer für eine gute Party zu haben. Von dieser Lebenseinstellung könnten wir Europäer uns eine ordentliche Scheibe abschneiden. Manchmal braucht es eben nicht viel, um glücklich zu sein. Nur einen Strand, eine Palme und etwas Rumpunsch…

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4 Kommentare

  1. Ich war ja ungefähr die gleiche Route unterwegs, habe aber nicht darüber geschrieben, daher bin ich froh, wenn ihr meine Erinnerung auffrischt…

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