Die kleine Karibikinsel St. Lucia ist gerade einmal doppelt so groß wie die Stadt München. Dennoch hat sie eine bewegte Geschichte. Ursprünglich von südamerikanischen Arawak und später von mittelamerikanischen Kariben besiedelt, stritten sich später alle großen Kolonialmächte um das Eiland. Nachdem Spanier und Niederländer erfolgreich vertrieben waren, wechselte die Insel in knapp 180 Jahren 14 Mal zwischen französischen und britischen Besatzern. Letztere konnten sich schließlich durchsetzen und bis zur Unabhängigkeit im Jahr 1979 war St. Lucia britische Kronkolonie. Wie fast überall in der Karibik wurden auch hier zum Bewirtschaften der riesigen Plantagen unzählige Sklaven skrupellos aus Westafrika verschleppt. Deren Nachfahren stellen heute den größten Teil der Bevölkerung und machen St. Lucia’s Kultur zu einer bunten und lebensfrohen. Was du an einem Tag auf St. Lucia erleben kannst, stellen wir dir in diesem Artikel vor.

Eine beeindruckende Regenwaldwanderung

Am Vormittag sind wir mit einer geführten Tour im tropischen Regenwald der Castries Waterworks Forest Reserve unterwegs. Dieses Naturschutzgebiet umfasst gut fünf Quadratkilometer und ist nur an wenigen Stellen für Menschen zugänglich.

Tropischer Regenwald, St. Lucia
Abseits des Wanderwegs ist das Dickicht des Regenwalds nahezu undurchdringlich.

Auf einem schmalen Trampelpfad führt uns unser Guide Vinaya durch die üppige grüne Vegetation. Sie kennt jede Pflanze und jeden Baum hier. Ihr wichtigster Hinweis gleich zu Beginn: „Keiner fasst hier irgendetwas an, ohne mich vorher zu fragen!“ Giftige Früchte, die wie ein Apfel aussehen, Baumstämme mit kaum sichtbaren aber messerscharfen Stacheln oder Samen, deren Fasern sich wie Glaswolle in die Haut bohren – die Natur ist unerbittlich, wenn es um die Abwehr von Feinden geht.

Würgefeige im Regenwald, Tag auf St. Lucia
Eine Würgefeige umschlingt den Baum und wird ihn langsam ersticken.

Auch die Größe der Pflanzen beeindruckt uns. Farne, so groß wie ein Baum, oberschenkeldicke Wurzeln und handtellergroße Blüten umgeben uns überall. Stellenweise kommen wir uns vor wie im Jurassic Park. Wir lernen viel über das sensible Ökosystem und die Gefahr, die der Mensch für dieses empfindliche Gleichgewicht darstellt. Trotz strenger Schutzauflagen sind die zwei letzten verbleibenden Regenwälder auf St. Lucia stark gefährdet.

Regenwaldwanderung, St. Lucia
Im Regewald wächst alles etwas größer.

Nach einer guten Stunde und über 400 Stufen erreichen wir den höchsten Punkt unserer Tour. Schweißgebadet von den Temperaturen und der hohen Luftfeuchtigkeit gönnen wir uns eine kurze Pause, bevor wir uns wieder auf den Weg nach unten machen.

Blüten im Regenwald, St. Lucia
Riesige, farbenfrohe Blüten dienen den Kolibris als Nahrungsquelle.

Wenn du nicht so wanderbegeistert oder nicht gut zu Fuß bist, kannst du am Einstiegspunkt der Wanderung alternativ mit der Luftstraßenbahn fahren. Lautlos gleitet der Wagen an einem Seil durch die Baumwipfel und ermöglicht ebenfalls tolle Aussichten.

Luftseilbahn, St. Lucia
Die Luftseilbahn gleitet durch den Dschungel

Eine Regenwaldwanderung ist auf jeden Fall ein faszinierendes Erlebnis. Ganz ungestört ist der Naturgenuss hier auf St. Lucia jedoch leider nicht. Die Geräusche des Waldes werden regelmäßig durch die Rufe und Schreie von der Seilrutsche unterbrochen, die in der Nähe des Wanderwegs ins Tal rast.

Riesenfarn, St. Lucia
Ein Riesenfarn im Regenwald.

Mit dem Jeep über St. Lucia

Am Nachmittag wollen wir noch etwas mehr von St. Lucia sehen und schließen uns einer Jeeptour über die Insel an. Vom Heck des offenen Geländewagens aus erfahren wir von unserem Guide Christel einiges über das Leben und die Vegetation auf der Insel.

Jeep für die Jeeptour, St. Lucia
Zwei lange Bänke im Heck des offenen Jeeps müssen reichen. Gurte oder ähnliches suchst du hier vergebens.

Zunächst fahren wir hinauf in die Berge durch einige typisch lucianische Dörfer. Unser Fahrer scheint die engen Serpentinen gut zu kennen, zumindest heizt er hinauf als gäbe es kein Morgen. Da es aufgrund eines Zählfehlers keinen Sitzplatz für Christel gibt, klammert sie sich einstweilen am Gestänge des Autos fest.

Typisches Dorf, St. Lucia
Ein typisches Dorf auf St. Lucia

Auf unserer Fahrt nach oben halten wir an mehreren schönen Aussichtspunkten. Am höchsten Stopp unserer Fahrt wartet eine kleine Kaffeepause/-fahrt auf uns. Praktischerweise gibt es hier nicht nur eine schöne Aussicht, sondern ganz zufällig auch einen Getränke- und Souvenirstand.

Blick über St. Lucia
Blick über St. Lucia

Nachdem sich einige unserer Mitreisenden am Stand gestärkt haben, machen wir uns wieder auf den Weg hinunter. In ähnlich halsbrecherischer Manier schickt sich unser Fahrer scheinbar an, einen neuen Streckenrekord ins Tal aufzustellen. Unterwegs bekommen wir an weiteren Haltepunkten schon einen ersten Blick auf unser nächstes Ziel: Pigeon Island.

Blick auf Pigeon Island, St. Lucia
Aussicht in Richtung Pigeon Island

Ein Strandbesuch auf Pigeon Island

Die kleine vorgelagerte Insel Pigeon Island ist über einen künstlichen Damm mit der Hauptinsel verbunden. Angeblich sollen die Strände hier zu den schönsten auf St. Lucia zählen. Allerdings ist nur ein kleiner Strandabschnitt öffentlich zugänglich. Und der ist vor allem eines: völlig überfüllt. Dicht an dicht stehen die Liegestühle, deren Sonnenschirme die einzige Schattenquelle hier sind. Wir haben nur eine knappe Stunde Aufenthalt. Deswegen sehen wir nicht ein, 15 US-Dollar für eine Liege zu bezahlen. Für einen ganzen Tag mag sich das vielleicht lohnen, für uns jedoch nicht.

Voller Strand auf Pigeon Island
Gut was los auf Pigeon Island…

Also streunen wir etwas ziellos umher, wenigstens ist die Aussicht von hier schön. Ohne Schirm ist es in der prallen Sonne jedoch viel zu heiß, deswegen müssen wir uns bald nach einer Alternative umsehen.

Pigeon Island, St. Lucia
Wenn der Strand schon zu voll ist, ist wenigstens die Aussicht schön.

Diese finden wir auf der anderen Seite der Landzunge. Dort ist zwar kein Strand, aber auf den großen Felsen der Wellenbrecher sitzen wir wenigstens im Schatten. Von hier haben wir Aussicht auf einen fast leeren Strand in einer vermeintlichen Clubanlage. Erst kurz vor der Rückfahrt stellen wir fest, dass es sich nicht um einen Privatstrand handelt, sondern um den Strand des Pigeon Island National Park. Der Nationalpark nimmt den vorderen Teil der Insel ein und ist gegen eine moderate Gebühr von 8 US-Dollar für jedermann zugänglich.

Strand im Pigeon Island Nationalpark
Der deutlich leerere Strand im Pigeon Island Nationalpark

Sollte es dich also nach Pigeon Island verschlagen, empfehlen wir den Nationalpark für ein entspannteres Badevergnügen. Oder du suchst dir überhaupt gleich einen der anderen Strände rund um St. Lucia aus. Nachdem wir am Vortag auf Barbados echte Traumstrände entdeckt hatten, kehren wir etwas enttäuscht von diesem Reinfall zurück zu unserem Schiff.

Fazit

St. Lucia hat tolle Natur und sicher auch schöne Strände zu bieten. Vor allem ein Ausflug in den tropischen Regenwald lohnt sich aus unserer Sicht. Durch die recht touristische Ausschlachtung aller von uns besuchten Stationen und die eher unglückliche Strandauswahl des Touranbieters hat uns die Insel nicht vollends begeistert. So geht unser Tag auf St. Lucia mit gemischten Gefühlen zu Ende und wir sind gespannt auf unser nächstes Ziel Guadeloupe.

Mehr über unsere Aktivitäten auf den karibischen Inseln liest du in unseren Beiträgen über Barbados, Guadeloupe, Antigua, Dominikanische Republik, Aruba, Curaçao, Bonaire, Grenada und St. Vincent. Einen Gesamtüberblick über unsere Karibikreise findest du in unserem Artikel Zwei Wochen Karibikkreuzfahrt: Sonne, Strand und schöne Inseln.

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