Bei Curaçao denken viele vermutlich zuerst an den gleichnamigen blauen Likör. Dieser hat allerdings in den seltensten Fällen etwas mit dem kleinen Karibikeiland zu tun. Die Schrumpelpomeranze, deren Schale die Hauptzutat des Getränks ist, wird nämlich nur auf Curaçao und nur noch von einem Farmer angebaut. Somit wird das Original von der Insel nur in sehr kleinen Mengen produziert und verkauft. Geographische Namen lassen sich aber nicht schützen und so imitieren Getränkehersteller aus aller Welt das Erfolgsgetränk mit den viel billigeren Bitterorangen. Nur wenn das Etikett den Flascheninhalt als „Curaçao of Curaçao“ ausweist, hast du die Originalrezeptur vor dir. Das kleine Land, das Teil des Königreichs der Niederlande ist, hat jedoch viel mehr zu bieten als Likör. Was du an einem Tag auf Curaçao erleben kannst, stellen wir dir in diesem Beitrag vor.

Eine Jeeptour über Curaçao

Wir starten unseren Tag auf Curaçao mit einer Jeeptour. Abseits der Hauptstraßen lässt sich die Insel viel besser erkunden. Unser Fahrer und Guide Mike ist vor vielen Jahren aus den Niederlanden zum Arbeiten auf die Insel gekommen und hängen geblieben. Jetzt lebt er ein viel entspannteres Leben hier und zeigt uns seine Insel.

Schotterpiste auf Curaçao
An die wirklich schönen Orte Curaçaos kommst du nur Offroad.

Curaçaos Salinen: Eine dunkle Vergangenheit

Die erste Station unseres Landausflugs sind die alten Salinen der Insel. Sie sind inzwischen ein schönes Naturschutzgebiet. Mike ist es jedoch wichtig, uns auch die dunklen Seiten der Insel näher zu bringen. Nicht immer war Curaçao das entspannte Karibikparadies, das es heute ist. Die Niederländer nutzten ihre karibischen Kolonien zum Anbau von Baumwolle und Tropenfrüchten, aber vor allem zur Salzgewinnung. Um zuhause in Europa Fisch und Fleisch haltbar zu machen, benötigten sie große Mengen des „weißen Goldes“.

Landhaus Ascension auf Curaçao
In den schicken Landhäusern lebten die Plantagenbesitzer. Für die Sklaven mussten einfache Hütten genügen.

Zur Bewirtschaftung der riesigen Salzfelder wurden zehntausende Sklaven aus Afrika verschleppt. Die Arbeitsbedingungen in den Salinen waren grauenhaft. Salzkristalle sind sehr scharfkantig. Schutzkleidung kannte man jedoch nicht. Die Sklaven mussten das getrocknete Salz meist barfuß und mit bloßen Händen sammeln. Tiefe Schnittwunden am ganzen Körper waren also an der Tagesordnung. Wer schon einmal versehentlich Salz in eine offene Wunde bekommen hat, kann zumindest erahnen, welch schlimme Schmerzen die Arbeiter durchleiden mussten.

Von Kakteen überwucherte Plantage
Die alten Plantagen sind heute mit Kakteen überwuchert.

Das alleine wäre grausam genug. Durch die jahrelange Arbeit in der grellen Sonne, die vom schneeweißen Salz reflektiert wird, erblindeten die meisten Sklaven im Lauf der Zeit. Weiterarbeiten mussten sie trotzdem. Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde die Sklaverei endgültig abgeschafft und dieses furchtbare Kapitel der Inselgeschichte war endlich vorüber. Mittlerweile sind die Salinen auf Curaçao nicht mehr aktiv. Heute dienen die verbliebenen Salzwasserbecken als Heimat und Nahrungsquelle für unzählige Flamingos.

Flamingos in Curaçaos alten Salinen
Flamingos haben die ehemaligen Salinen in Beschlag genommen.

Mondlandschaften und Wasserfontänen

Nach diesen Gräuelgeschichten wird es Zeit für etwas deutlich Erfreulicheres: Beeindruckende Natur. Curaçao ist vulkanischen Ursprungs. Die Insel ist ein Mix aus erstarrter Lava und durch Vulkanismus aus dem Meer gedrücktem Gestein. Die karibischen Tropenstürme ziehen meist deutlich weiter nördlich an der Insel vorbei. Es regnet also sehr wenig. All das führt dazu, dass die Insel felsig und trocken ist.

Halbwüste an Curaçaos Küste
Karge Landschaften prägen Curaçaos Küsten

Ihren Höhepunkt erreicht diese Kombination an Curaçaos Nordostküste. Hier haben Wind, Erosion und Gezeiten eine wahre Mondlandschaft erschaffen. Hart schlagen die rauen Wellen auf die Küste und höhlen diese langsam von unten aus. Manchmal stürzt die Decke eines solchen Hohlraums ein und ein Blowhole entsteht. Mit voller Wucht strömt das Meer in die Höhle und findet nur einen Ausgang: nach oben. Meterhoch schießt das Wasser senkrecht in die Höhe – ein faszinierendes Naturschauspiel.

Blowhole auf Curaçao
Mit voller Wucht schießt das Wasser aus dem Blowhole.

Wie es aussieht, wenn eine solche Grotte nach Jahrhunderten einstürzt, sehen wir ein paar Kilometer weiter. Dort entstand eine komplett neue Bucht, als die Decke nachgab. Doch so schön diese Bucht aus der Ferne ist, aus der Nähe offenbart sie ein weiteres Problem unserer Zivilisation: Müll, Müll und noch mehr Müll. Die globalen Meeresströmungen spülen von der Plastikflasche bis hin zum Traktorreifen Unmengen an nicht abbaubarem Unrat an. „Wir kommen mit dem Aufräumen nicht hinterher“, sagt Mike. „Wenn die Menschheit weiterhin so sorglos ihren Dreck im Meer entsorgt, wird dieser Strand in wenigen Jahren zu einer Müllkippe verkommen sein.“

Felsbucht auf Curaçao
Von der eingestürzten Felsdecke sind nur noch einzelne Brocken da. Übrig bleibt eine wunderschöne Bucht.

Sehr nachdenklich treten wir die Rückfahrt in die Inselhauptstadt Willemstad an. So schön die Karibik auch ist, so zerbrechlich ist ihre Schönheit. Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, seine Abfälle ordentlich zu entsorgen. Hier besteht jedoch noch großer Handlungsbedarf, sonst werden die Inseln über kurz oder lang im Müll ersticken.

Müll am Strand auf Curaçao
Der hier angespülte Müll stammt größtenteils aus Europa und Afrika.

Ein Spaziergang durch Willemstad

Wie überall in der Karibik sind auch auf Curaçao die Häuser in bunten Farben gestrichen. Angeblich gibt es hier aber einen Grund dafür, erzählt Mike. Früher seien alle Häuser weiß gewesen, da weiße Farbe aufgrund der reichhaltigen Kalkvorkommen billig herzustellen war. Ein Gouverneur der Insel sei jedoch dem Alkohol recht zugetan gewesen. Nach einer durchzechten Nacht ging er morgens durch die Stadt und die von den weißen Häusern reflektierte, grelle Sonne brannte in seinen Augen. Daher ordnete er den Inselbewohnern kurzerhand an, ihre Häuser in gedeckten Pastelltönen zu streichen. Erst nach seinem Tod kam die Wahrheit ans Licht. Kurz vor dem Erlass hatte er erhebliche Firmenanteile an der einzigen Farbfabrik der Insel erworben und sich eine goldene Nase verdient. Ob die Geschichte stimmt, weiß keiner so genau. Die hübschen Farben sind jedoch geblieben. Besonders auffallend sind sie in der Hauptstadt Willemstad. Diese sehen wir uns nun zu Fuß näher an.

Punda

Die Einfahrt in Curaçaos Naturhafen teilt Willemstads Altstadt in zwei Teile. Punda, übersetzt „Spitze“ und Otrabanda, die „andere Seite“. Unser Schiff liegt in Otrabanda. Von dort haben wir einen fantastischen Blick auf die Handelskade, eine beeindruckende Uferpromenade in Punda.

Hafenpromenade Willemstad
Die abendliche Handelskade in Willemstad

Wie die anderen ABC-Inseln Aruba und Bonaire ist auch Curaçao so gut wie nie von Hurrikanen oder Erdbeben betroffen. Somit wurde hier kaum etwas zerstört und die alten Kaufmannshäuser stammen zum Teil noch aus dem 17. Jahrhundert.

Breedestraat in Punda, Curaçao
Die Breedestraat ist die Hauptstraße von Punda.

Allerdings wurden sie hier natürlicher restauriert. Auf Aruba fühlten wir uns noch wie in einem Freizeitpark. In Willemstad finden wir echtes Altstadtflair vor. Dicht an dicht drängen sich die kleinen zwei- bis dreistöckigen Häuser in den Gassen und es ist ganz schön was los. Hier ein lebhaftes Café, dessen Schanigarten die halbe Straße einnimmt. Dort ein schwimmender Markt, auf dem Bauern aus dem nahe gelegenen Venezuela ihr Obst und Gemüse anbieten.

Schwimmender Markt in Willemstad
Auf dem schwimmenden Markt findest du Obst und Gemüse aller Art.

Zuletzt lohnt noch ein Abstecher ins Fort Amsterdam. Einstmals erbaut, um die Hafeneinfahrt zu schützen, dient es heute als Sitz der Regierung von Curaçao. Dann gehen wir über die schwimmende Königin-Emma-Brücke zurück nach Otrabanda. Das eine Ende der Brücke ist motorisiert. So kann sie zur Seite fahren, wenn ein Schiff die Hafeneinfahrt passieren möchte.

Innenhof von Fort Amsterdam
Der Innenhof von Fort Amsterdam

Otrabanda

In Otrabanda geht es deutlich ruhiger zu. Hier befinden sich die Wohnviertel und die Einkaufsstraßen der Einheimischen. Entlang der Hauptstraße sind die Häuser ebenfalls schön hergerichtet. Touristen verirren sich nicht so oft hierher und sobald du rechts oder links abbiegst, zeigt die Stadt ihr authentisches Gesicht. Viele Häuser stehen leer und sind dem Verfall ausgesetzt.

Streetart in Otrabanda
Streetart in Otrabanda

Allerdings arbeiten die Einwohner daran, das Viertel herzurichten und so auch auf dieser Seite der Bucht mehr Besucher anzulocken. Seit die große Ölraffinerie auf der Insel in den 80er-Jahren ihren Betrieb eingestellt hat, ist der Tourismus die Haupteinnahmequelle des Landes.

Teilrestaurierte Gasse in Otrabanda
Eine bereits teilweise restaurierte Gasse in Otrabanda

Wir schließen unseren Rundgang beim Hafen ab, den wir uns nun noch genauer ansehen wollen.

Eine Hafenrundfahrt mit Sonnenuntergang

Die im Landesinneren gelegene Bucht Schattegat ist nur über die schmale Sint Annabai mit dem karibischen Meer verbunden. Mit ihrer ausgefransten Form bildet sie einen perfekten Naturhafen. Schon die Niederländer betrieben hier einen florierenden Handelsstützpunkt und heute noch passieren Schiffe jeder Größe die Königin-Juliana-Brücke auf dem Weg ins offene Meer. Bei einer Hafenrundfahrt bekommst du einen guten Eindruck der Ausmaße.

Werft im Hafen von Curaçao
Die Werft ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor Curaçaos.

Eine riesige Werft mit Trockendock, ein Militärstützpunkt, ein Containerhafen, ein Yachthafen, eine kleinere Raffinerie und eine Hafenmeisterei – all das findet bequem Platz. Besonders schön ist eine Fahrt am frühen Abend, wenn die tief stehende Sonne alles in ein warmes Licht taucht.

Ölraffinerie im Hafen von Curaçao
Viele venezolanische Ölfirmen lassen ihr Öl im politisch stabilen Curaçao verarbeiten.

Kurz vor Sonnenuntergang fahren wir durch die Sint Annabai hinaus aufs offene Meer. Während wir gemütlich die Küste entlang schippern, sehen wir die Sonne im Meer versinken. Bei Einbruch der Dunkelheit kehren wir zurück in den Hafen und genießen noch einmal die Blicke auf die herrliche beleuchtete Handelskade. So findet ein wunderbarer Tag auf Curaçao seinen Abschluss.

Nächtlicher Blick auf die Handelskade und die Königin-Emma-Brücke
Nächtlicher Blick auf die Handelskade und die Königin-Emma-Brücke

Fazit

Curaçao hat uns begeistert! Die atemberaubenden Mondlandschaften, die Flamingos in den Salinen und die herrliche Altstadt von Willemstad machen die Insel zu einem sehr lohnenswerten Reiseziel. Gerade weil uns unser Guide die Insel nicht immer nur durch die rosa Brille gezeigt hat, konnten wir ihre heutige Schönheit noch viel bewusster wahrnehmen.

Willemstad von oben
Punda von oben. Ganz links der schwimmende Markt, vorne die Handelskade, recht die Königin-Emma-Brücke

Mehr über unsere Aktivitäten auf den karibischen Inseln liest du in unseren Beiträgen über BarbadosSt. LuciaGuadeloupeAntiguaDominikanische RepublikAruba, Bonaire, Grenada und St. Vincent. Einen Gesamtüberblick über unsere Karibikreise findest du in unserem Artikel Zwei Wochen Karibikkreuzfahrt: Sonne, Strand und schöne Inseln.

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2 Kommentare

  1. Wow, die Häuschen sehen ja alle süß aus. Ich hab Curacao irgendwie immer nur mit reinem Strandurlaub in Verbindung gebracht… Gut zu wissen, dass es viel mehr gibt ;)

    • Hallo Julia,

      nur für einen Strandurlaub wäre die tolle Insel viel zu schade! Aber schöne Strände gibt es natürlich ebenso! :)

      Liebe Grüße
      Wolfgang

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